Remscheid: Gewerkschaft Komba lehnt Idee der 24-Stunden-Kita ab

Remscheid: Gewerkschaft Komba lehnt Idee der 24-Stunden-Kita ab

Schichtmodell nicht im Sinne der Kinder. Betreuung dürfe nicht allein vom Arbeitsmarkt diktiert werden.

Auf klare Ablehnung bei der Komba-Gewerkschaft Remscheid stößt die CDU-Fraktion mit ihrer Frage, ob das Angebot einer 24-Stunden-Kita in Remscheid möglich ist. Bevor das Thema am 26. August in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses diskutiert wird, hat der Fachbereich Erziehung der Gewerkschaft eine umfangreiche Stellungnahme verfasst. Tenor: Kitas mit langen Öffnungszeiten kommen zwar den Bedürfnissen der Arbeitgeber nach flexibel einsetzbaren Mitarbeitern entgegen, schaden aber dem Kindeswohl. Deren Interessen stünden bei solchen Modellen "nicht mehr im Fokus", sagt der Komba-Sprecher Kai Störte.

"Kinder brauchen Rituale, einen festen Rhythmus und Verlässlichkeit. Ein zu viel an Flexibilität überfordert sie. Besonders in der Nacht", sagt Störte. Zwar spricht sich auch die Komba für flexiblere Arbeitszeitmodelle und die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie aus. Dies dürfe aber nicht zulasten der Kinder gehen. "Dass Kinder immer nur um die Arbeitswelt herumorganisiert werden, kann doch kein Modell mit Zukunft sein, sagt Störte. So werde mit einer 24-Stunden-Kita "eher noch weniger Rücksicht auf die Familiensituation genommen". Außerdem werde "mit keiner Silbe erwähnt, dass Erzieherinnen und Erzieher ja auch eigene Familien haben, die sie organisieren müssen und mit der Initiative selbst zu Schichtarbeitern werden".

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Die vielfältigen Aufgaben der Kitas etwa bei der Sprachbildung seien nicht mehr leistbar, wenn man die Dienstzeiten so ausweite, sagt Störte. Die Kitas würden so zu "Schlafstätten". Als sinnvoller erachtet die Gewerkschaft, dass Geld in den Abbau von bestehenden Betreuungsdefiziten investiert wird. So benötigten Einrichtungen in sozialen Brennpunkten mehr Geld, mehr Personal und andere Förderangebote, um die Entwicklung armutsgefährdeter Kinder frühzeitig zu fördern.

Die CDU möchte mit ihrer Anfrage eine Diskussion über arbeitnehmerfreundliche Öffnungszeiten anstoßen. Viele Menschen müssen heute auch am Wochenende und in den Abendstunden arbeiten, begründet die CDU ihre Anfrage. Dies ziehe sich durch alle gesellschaftlichen Schichten und Berufsgruppen. Zudem gebe es nicht mehr nur die "klassische" Familie mit einem "Ernährer", sondern unterschiedliche Familienmodelle. Die Zahl der Alleinerziehenden, die oft ohne Hilfe teilweise Beruf und Familie vereinbaren müssen, sei hoch.

(RP)
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