Serie Die Fachhochschule der Wirtschaft in Mettmann: Unternehmen kämpfen um Talente

Serie Die Fachhochschule der Wirtschaft in Mettmann: Unternehmen kämpfen um Talente

Der Versicherungskonzern Ergo ist einer der Unternehmenspartner der FHDW-Studenten. Dort finden angehende Wirtschaftsinformatiker früh in den Berufsalltag. Die Firmen sichern sich so knapper werdenden qualifizierten Nachwuchs.

Johannes Mathieu ist nach seiner Referendarzeit als Gymnasiallehrer nicht in den Schuldienst gewechselt. Stattdessen stieg er in die Versicherungsbranche ein. Fast 25 Jahre später ist er heute der Leiter Aus- und Weiterbildung und Personalentwicklung bei der Ergo Versicherungsgruppe. Dem Ausbilden junger Menschen und der Entwicklung von Führungskräften ist er also treu geblieben. Er kümmert sich mit seinem Team auch um die Kooperation mit der Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) in Mettmann. Studierende der Wirtschaftsinformatik gestalten dabei ihre Ausbildung in Form des dualen Studiums: Dreimonatige Vorlesungs- und Seminarzeiten wechseln mit den ebenso langen Praxiszeiten, in denen die Studierenden bei der IT Ergo arbeiten. So entsteht frühzeitig ein Netzwerk zwischen Unternehmen und Nachwuchs, das in aller Regel zu einem interessanten Arbeitsplatz nach dem Studium führt. "Die demografische Entwicklung wird in der Zukunft zu immer weniger jungen Menschen führen, die auf den Arbeitsmarkt streben", weiß Mathieu.

Künftiges hochqualifiziertes Personal will also frühzeitig gesichtet, ausgebildet und ans Unternehmen gebunden werden. Acht Wirtschaftsinformatiker im Studienjahr werden allein bei der Ergo in Düsseldorf und Köln und fürs Studium in Mettmann ausgebildet. "Wir haben exzellente Erfahrungen bei dieser Kooperation gemacht. Die jungen Leute erhalten ein sehr praxisorientiertes Studium und in der Zeit in unserem Unternehmen lernen sie einerseits die Bandbreite kennen und andererseits sind sie in oft große Projekte eingebunden."

In den nächsten drei bis vier Jahren würden bei der IT Ergo an entscheidenden Stellen etliche Leute aus dem Arbeitsleben ausscheiden, sagt Mathieu. "Auch deshalb bemühen wir uns um den Nachwuchs und versuchen mit frühzeitiger Bindung ein attraktiver Arbeitgeber zu sein", sagt er. Während des gesamten Studiums zum Beispiel erhalten die Studierenden ein monatliches Gehalt, damit sie sich auf die beiden Seiten ihres Wirtschaftsinformatikstudiums konzentrieren können. "Dieses Bemühen um den besten Nachwuchs wird in den nächsten Jahren immer wichtiger werden", sagt Mathieu.

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Bei der Ergo weiß man um diesen "Kampf um die Talente", den alle Unternehmen derzeit intensivieren. Auch deshalb kooperiert die Ergo seit einigen Jahren mit der FHDW in Mettmann. Das duale Studium ist das Erfolgsrezept. Dieser frühzeitige Kontakt um die Könner lohnt sich nach Erfahrung Mathieus jedenfalls. In den Praxisphasen lernen die jungen Mitarbeiter ihr künftiges Unternehmen kennen, knüpfen Kontakte zu den Abteilungen und Führungskräften. Viele würden sagen, hier erlebten sie die tatsächliche Praxis des Berufes, erzählt er. Und: So ist Karriere frühzeitig planbar.

"Wer nach seinem Abschluss ins Unternehmen wechselt, kennt sich sehr gut aus und ist weiter als diejenigen neuen Mitarbeiter, die eine Anlaufzeit benötigen", weiß Mathieu aus Erfahrung. Diese frühzeitige Bindung während des Studiums hat Folgen: Viele der Nachwuchsleute bleiben dem Unternehmen "ausgebildet" erhalten. Nur wenige wechseln.

(RP)
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