Ratingen: Hertie-Haus steht komplett leer

Ratingen: Hertie-Haus steht komplett leer

Die RP hat sich bei einem Rundgang in dem alten Kaufhaus umgeschaut. Es ist eine Reise in längst vergangene Zeiten.

Jörg Stolte hat damals bei Hertie ein Praktikum gemacht. Daran kann sich der 49-jährige Ratinger noch sehr gut erinnern. Jetzt, viele Jahre danach, geht er wieder durch das Kaufhaus - staunend, beeindruckt, ja auch nachdenklich. Die Räume stehen leer, die Winterkälte steckt noch tief in den Böden und Wänden. "Irgendwie hängt man ja doch noch an diesem Kaufhaus", sagt Stolte und blickt sich um.

Vom Dach aus kann man direkt auf St. Peter und Paul schauen. Foto: Blazy Achim

Tim Wankum nickt. "Eigentlich schade, dass dieses Gebäude abgerissen wird", urteilt der Hausmeister, der sich um die Immobilie kümmern muss. Heike Schroeder vom Gebäudemanagement der Stadt ist für dieses Haus verantwortlich, bespricht zusammen mit Wankum, was noch getan werden muss.

Blick in den Eingangsbereich des früheren Kaufhauses. Nur die Tiefgarage ist noch in Betrieb. Foto: Blazy Achim

Fest steht: Man sucht bereits nach geeigneten Räumlichkeiten für eine Art Kultur-Party, die man in diesem Haus im Sommer veranstalten wird. Früher tobte im Hertie-Haus das Leben, Geselligkeit und Sport spielten eine große Rolle. Jetzt sind die Räumlichkeiten kahl und still, man hört nur die Schritte der kleinen Gruppe, die sich noch einmal umschaut. Irgendwie gespenstisch, dieses Geister-Kaufhaus.

Foto: Achim Blazy

Mittendrin: Jochen Kral, der Technische Beigeordnete. Er hat viele Visionen für die Stadt. Er hat Spaß, Projekte zu entwickeln. Und man spürt beim Gespräch mit dem Baudezernenten, dass er bereits ganz konkrete Ideen für ein sehr bedeutsames Gelände hat, auf dem jetzt noch das alte Hertie-Haus steht und an dem tagtäglich viele Bürger vorbeilaufen. Richtig hinschauen wollen sie nicht mehr, denn das Gebäude gewinnt wahrlich keinen Schönheitspreis.

Die Immobilie soll bereits im Jahr 2019 abgerissen werden - möglichst mit Hilfe öffentlicher Gelder. Die Anträge seien bereits gestellt worden, berichtete der oberste städtische Planer, der sich an dieser sehr sensiblen Stelle eine aufgelockerte Mixtur aus Gewerbe, Wohnen und Büros vorstellen kann. Ein voluminöser Bau wie der des Stadttors an der Ecke Bechemer Straße/Wallstraße soll nicht errichtet werden.

Kral weiß sehr wohl, dass die Ecke Düsseldorfer Straße/Wallstraße/Grabenstraße das Entree zur Altstadt bildet. Deshalb will man mit diesem Areal behutsam umgehen. Gleichzeitig soll es einen Schub für die Innenstadt geben, denn Kral will in dem neuen Projekt Platz schaffen für sogenannte Leitbetriebe. Darunter versteht er einen Lebensmittelmarkt und einen Elektrofachmarkt. "Die Architektur muss auf jeden Fall zur Altstadt passen", betonte er.

Rückblende: Der Rat der Stadt hatte fast einstimmig (bis auf die AfD) beschlossen, Bürgermeister Klaus Pesch 4,4 Millionen Euro für den Kauf der heruntergekommenen Immobilie zur Verfügung zu stellen. In nicht-öffentlicher Sitzung wurden danach bereits die ersten Ideen diskutiert. Nachdem Vermarktungsversuche der maroden Betonbude immer wieder erfolglos geblieben waren, lief es letztlich auf den Abriss hinaus.

Ein möglicher Investor hatte sogar bereits Pläne präsentiert, die Tiefgarage könnte man weiter nutzen. Fakt ist: Die Stadt plant auch bei der neuen Bebauung mit einer Tiefgarage. An dem ehemaligen Kaufhaus war die Stadt Ratingen schon seit langem interessiert.

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Es steht der städtebaulichen Entwicklung am Tor zur Stadt im Weg. Gerne hätte man den Bereich schon in die Planungen für die Erneuerung des Düsseldorfer Platzes einbezogen, zum Kauf kam es nicht. Einmal war die Stadt ganz nah dran, doch wurde ihr die Immobilie vor der Nase weggeschnappt.

Es gab aber große Bedenken, weil das Haus immer noch sehr hoch bewertet wurde. Ende 2016 lag der Buchwert noch bei etwa sechs Millionen Euro.

Bereits Ende des Jahres 2014 freute man sich in der Stadtverwaltung über einen reichen Geldsegen aus dem Städtebauförderprogramm des Landesbauministeriums: mehr als 4,3 Millionen Euro, die unter anderem für den Umbau des Düsseldorfer Platzes, das Rathaus-Projekt, das ehemalige Hertie-Haus und die Kornsturmsgasse ausgegeben werden sollten.

Die Stadtplaner wollen vom Standort des alten Kaufhauses aus die wichtige Achse bis zur Oberstraße beleben. Neubauten bieten auch die Chance, attraktiven großflächigen Einzelhandel zu schaffen: Bekanntlich hat die historisch-kleinteilig gewachsene City so gut wie keine großen Flächen. Die aber sind wichtig für Magneten, die Käufer in die Stadt locken sollen.

Das alte Hertie-Haus liegt schon lange brach. Gebaut wurde es vor mehr als vier Jahrzehnten, der Hertie-Konzern erlebte gerade seinen großen Boom und expandierte.

Und so entstand auch in der Dumeklemmerstadt ein mehrgeschossiges Kaufhaus in bester Lage - was dem Kaufhaus Aufterbeck zu viel Konkurrenz bescherte. Es musste schließen, später wurde das neue Stadttor gebaut.

Zu dem Rundgang im alten Hertie-Haus gibt es ein Video unter www.rp-online.de/ratingen.

(RP)