Ratingen: Alte Schätzchen der Spielzeuggeschichte

Ratingen: Alte Schätzchen der Spielzeuggeschichte

Zahlreiche Besucher kamen am Sonntag zum Spielzeugmarkt in die Stadthalle, um die eigene Modell-Sammlung zu erweitern.

Bei den Sammlern von zum Teil sehr seltenem Blechspielzeug schlugen gestern die Herzen deutlich höher. In der Stadthalle hatten Händler und Sammler ihre Stände mit teils hundert Jahre altem Blechspielzeug aufgebaut — für so manchen Fan der Stoff, aus dem die Spielzeugträume sind. So wie für Herbert Reinholds aus Duisburg, bei dem sich seit 1975 alles um alte Eisenbahnen dreht. Sein ältestes Schätzchen stammt aus dem Jahr 1912, ein roter Waggon mit schwarzem Dach, der sich bei Herbert Reinholds in bester Gesellschaft befindet.

Denn auf seinem Stand fanden sich unzählige weitere Loks und Waggons, die meisten aus den 30er und 40er Jahren. So wie die Reihe an Güterwaggons, auf den ein weißes Blechflugzeug oder Kanonen transportiert werden. "Gerade zu dieser Zeit war der Krieg beim Blechspielzeug noch ein großes Thema", erklärt Herbert Reinholds. Waggons mit Soldaten, Waffen und Kanonen waren sehr beliebt. 30 Loks und rund 70 Waggons zählen zu seiner Sammlung, auch aus der Nachkriegszeit besitzt er viele Exemplare. Die meisten stammen von der Firma Märklin.

Seine Leidenschaft für Eisenbahnen entdeckte Herbert Reinholds 1975 bei einer Ausstellung in Uerdingen. "Damals habe ich ganz große Augen bekommen und dann war das Eis gebrochen, seitdem besuche ich regelmäßig Märkte und Ausstellungen und habe mich mit anderen Sammlern zusammengeschlossen", erklärt Reinholds und lacht. Im Gegensatz zu anderen Sammlern hat er in seinem Keller aber keine komplette Eisenbahnlandschaft aufgebaut, sondern nur die Schienen verlegt mit einigen Blechgebäuden drumherum. "Bei mir geht es vor allem um den Fahrspaß."

Die Loks und Waggons waren außerdem zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts noch nicht so detailgetreu. Aber es gab zum Teil auch Echtantrieb, beispielsweise mit Spiritus. Die ersten Elektroantriebe gab es zudem seit dem 19. Jahrhundert. "Das wurde aber 1927 verboten, weil man da ganz schön eine gewischt bekommen konnte", erklärt der Eisenbahnexperte. Erst nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Antrieb mit 14 Volt zum Standard.

Doch nicht nur Eisenbahnliebhaber trieb es gestern in die Stadthalle. Auch Straßenbahnen und natürlich Autos sind heiß begehrt bei Sammlern und solchen, die es werden wollen. Doch der Schwerpunkt lag eindeutig bei den Eisenbahnen, wie auch Marktorganisator Jürgen Hörner, schließlich ist dort die Vielfalt schier unendlich. So gibt es für große Gartenbahnen Schienenreinigungsfahrzeuge, für die kleinste Bahn, die H0, einen Staubsaugerwagen, der selbst kleinste Staubpartikel entfernen kann. Zudem gibt es sowohl analoge Bahnen als auch digitale. Bei den analogen beschränken sich die Fähigkeiten auf vor- und zurückfahren, während die digitale auch die Beleuchtung steuern und Durchsagen machen kann. "Die Möglichkeiten sind riesig", sagt Jürgen Hörner.

(cebu)
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