Neuss: Note "Gut" für den Neusser Einzelhandel

Neuss : Note "Gut" für den Neusser Einzelhandel

Schüler des Berufskollegs Weingartstraße unterzogen den Handel einem Praxistest. Nach 452 anonymen Testkäufen kommen sie zu dem Ergebnis: Die Dienstleistung des Neusser Handels ist sogar noch ein bisschen besser geworden.

Haben sich die Neusser Einzelhändler die Kritik der Schüler des Berufskollegs Weingartstraße aus dem vorigen Jahr zu Herzen genommen? Das wollten die Schüler des Bildungsgangs Handel wissen und machten zum zweiten Mal den Praxistest. Nach 452 anonymen Testkäufen halten sie in einer gestern vorgestellten Analyse fest: Die Dienstleistung im Neusser Einzelhandel hat sich nicht verschlechtert, sondern ein klein bisschen gebessert.

Nach dem ersten Durchgang im Sommer 2012 und anschließender Präsentation ihrer Ergebnisse vor den Mitgliedern der Zukunftsinitiative Innenstadt Neuss (ZIN) besuchten die jungen Erwachsenen im Mai und Juni dieses Jahres erneut die Geschäfte in der City. Mit zehn beteiligten Klassen war es das bisher größte Schülerprojekt am Berufskolleg. Eine Ausweitung der Testkäufe um 104 auf 452 hatte dabei zur Folge, dass die Anzahl der getesteten Unternehmen (113 zu 87) und Branchen (21 zu 17) im Vergleich zum Vorjahr deutlich größer war.

Die Untersuchung folgte einem festen Schema. Zu vier Tageszeiten kamen die Berufsschüler in jedes Geschäft, um ihr Einkaufserlebnis nach 19 Kriterien von der Atmosphäre bis zum Zusatzkauf zu bewerten. Zur Vorbereitung wurden in Rollenspielen die Verkaufsgespräche geübt und das Gefühl für die richtige Bewertung geschärft. "Wir haben die Schüler aufgefordert, mit der Tendenz zur Strenge zu beurteilen", erklärt Projektleiter Klaus-Dieter Schulz.

"Das Wesentliche wie Begrüßung, Sauberkeit und Atmosphäre hat sich verbessert", nennt die Fiona Wheway (23) eine grundlegende Erkenntnis aus der Untersuchung. Was dazugehört, erklärt Mitschülerin Sandra Sapia (24): "Ein Lächeln des Verkäufers, wenn der Kunde das Geschäft betritt, zeigt ihm, dass er wahrgenommen wird."

Zu berücksichtigen sei, dass es sich stets um Momentaufnahmen handelte, ergänzt Projektleiter Schulz: "Ich habe auch Testeinkäufe unternommen, und in einem Geschäft wurde von mir mehrere Minuten keine Notiz genommen. Bei weiteren Besuchen bekam es von den Testkäufern aber gute Noten."

Bei den 19 zu bewertenden Kriterien gibt es nur beim Punkt "Verabschiedung" im Vergleich zum Vorjahr eine minimal schlechtere Note. Ausreißer aus den sonst zwischen den Werten 2,0 und 3,0 pendelnden Kriterien bleiben wie im Vorjahr "Marktabgrenzung", "Preisattraktivität" und "Zusatzverkauf."

Letzteres bekam mit dem konstant gebliebenen Mittelwert von 4,0 die schlechteste Beurteilung. "Hier lassen die Händler Gewinne liegen", sagt Stefan Müller, Leiter des Bildungsgangs Handel am Berufskolleg. Dies lasse sich aber nicht durch attraktivere Preise abwenden, weiß ZIN-Vorsitzender Christoph Napp-Saarbourg. "Service und Beratung lassen sich durch Schulungen verbessern. Bei der Preisgestaltung hat der Händler aber am wenigsten Spielraum", erklärt er.

Im Gesamtergebnis geben die Schüler den Geschäftsleuten die Note 2. "Wir bekommen hier wertvolle Erkenntnisse, müssen aber weiter daran arbeiten, diese unseren Kollegen zu vermitteln. Manchmal fehlt noch das Verständnis und die Einsicht", sagt Armin Badort vom ZIN-Vorstand. "Der Bedarf zur Beratung war herauszuhören. Gerne schaffen wir bei uns im Lehrplan den Platz, um mit den einzelnen Händlern Konzepte zu entwickeln", sagt Stefan Müller.

(NGZ)