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Neuss: Jazz mit elektronischen Klangeffekten

Neuss : Jazz mit elektronischen Klangeffekten

Das Duo Scheibenreiter/ Kolinski musiziert mit dem Computer, Philipp van Endert mit der Gitarre.

Eine kleine, junge Fangemeinde hatte sich abseits der beliebten Jazzreihe "Blue in Green" im Pauline-Sels-Saal des Romaneum auf das große Platzangebot verteilt, um Philipp van Endert, den deutschen "Kopf des JazzSick", elektroakustisch verfremdet neu zu hören. Das Duo Scheibenreiter (Groovebox, Computer) und Kolinski (Keys) remixt live den Jazz unserer Zeit, beim Konzert nahezu ausnahmslos Titel des Gitarristen van Endert, vornehmlich aus seiner 2008 eingespielten CD "Ballads & Chills".

Zuerst trat Michael Scheibenreiter (47) auf, der seine Percussion-Batterie etlicher Computer anwarf. Der Inhaber der Düsseldorfer "Musikbetriebe" beschäftigt sich seit vielen Jahren mit elektronischer Musik, Clubmusik und Komposition. Die eigentlich britische Drum&Bass-Welle hat er erfolgreich in Deutschland salonfähig gemacht. Mit Midi-Controler und Master-Pads inszeniert er einen Sound, der von sphärischen Klängen bis zu knallhartem Rhythmus reicht.

Trotz seiner vielen Arbeit wirkt die Maschinenmusik oft recht stereotyp. Bei "Kurts Song" ist das Drum-Intro völlig überdimensioniert. Alles klingt ein bisschen nach Werbung und Filmmusik. Tatsächlich hat Michael Scheibenreiter bereits für den "Polizeiruf" komponiert.

Zu ihm gesellt sich dann Andreas Kolinski (51), dessen Stärken Electronic Downbeat und Lounge Music sind. An der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf hat er einen Lehrauftrag für computergestützte Medienkomposition, im gleichen Fach unterrichtet er auch an der Musikschule Neuss.

Er beschränkt sich mit E-Piano und Synthesizer auf weitgehend akkordische Klangeffekte. Lediglich bei dem van Endert-Titel "Fantasy Return Date" lieferte er eine lebhafte und jazzige Improvisation ab.

Da war es gut, dass der Jazz-Gitarrist Philipp van Endert gewissermaßen als Gast seine eigene Musik zum Computer interpretierte. Atmosphärisch groovend integrierte er in die Klangwelt der Maschinen, steigerte sich aber gelegentlich wie bei "So close" zu variationsreichen Improvisationen. Das Trio spielte auch "Growin' up", einen Titel der Jazzsängerin Esther Berlansky, die eigentlich bei dem Konzert auftreten sollte, aber wegen einer Erkrankung kurzfristig absagen musste.

Am temperamentvollsten fanden die beiden Computerspezialisten und der eine Musiker ausgerechnet bei einer Improvisation ohne Titel zusammen. Wer wollte, konnte nach dem Konzert wieder erden: Auf dem Neusser Markt spielte der talentierte Gitarrist und Sänger Leyliam.

(Nima)