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Neuss: CDU: Koenemann soll's machen

Neuss : CDU: Koenemann soll's machen

Jörg Geerlings zieht sich aus dem Vorsitz der CDU-Ratsfraktion zurück. Am Montag wählen die Stadtverordneten einen Nachfolger. Favorit ist eine Frau: Die Rechtsanwältin Helga Koenemann ist bisher einzige Kandidatin.

Der kommende Montag (22.) könnte für die Neusser CDU zu einem historischen Tag werden. Wird Helga Koenemann (58) gewählt, stünde erstmals eine Frau an der Spitze der CDU-Ratsfraktion. Ihre Chancen sind gut. Die Rechtsanwältin ist bisher einzige Bewerberin auf die Nachfolge von Jörg Geerlings (40), der im September angekündigt hatte, den Vorsitz niederzulegen. Während Koenemann ihre Kandidatur bestätigt ("Ich bin bereit"), haben sich inzwischen Ingrid Schäfer ("Mehr Arbeit geht nicht") und Joachim Goerdt ("Mein Beruf lässt das nicht zu"), die ebenfalls als aussichtsreich galten, aus dem Rennen genommen

Die CDU-Ratsfraktion, seit über 60 Jahren prägende politische Kraft in Neuss, wählt am Montag bereits ihren siebten Vorsitzenden seit 1998 – damals war Herbert Napp (CDU) erstmals zum Bürgermeister gewählt worden. Eine oftmals zerrissene Fraktion verschliss ihre Vorsitzenden. Letzter "Zuchtmeister" war Heinz Günther Hüsch (1998/99), der keine Abstimmung verlor.

Jörg Geerlings macht nach einem Jahr Schluss. Damals war er eingesprungen, um nach dem Rücktritt von Karl Heinz Baum die Fraktion wieder zu stabilisieren. Das ist ihm gelungen. Doch nach dem Verlust des Landtagsmandates im Mai und angesichts der in den nächsten Jahren anstehenden Wahlen zum Bundestag, Kreistag und Stadtrat konzentriert er sich nun auf den Parteivorsitz und seinen Beruf als Anwalt. Er will als "normales Ratsmitglied" für seine Fraktion den Fachbereich "Wirtschaft und Finanzen" weiterhin federführend verantworten.

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Helga Koenemann fühlt sich für die Aufgabe als Fraktionsvorsitzende gut gerüstet. Von 1989 bis 1999 gehörte sie dem Kreistag an. Es folgte eine Pause aus familiären Gründen, ehe sie 2009 erstmals in den Stadtrat einzog. Als freiberufliche Anwältin könne sie ihre "Zeit strukturieren" und der Sohn studiere inzwischen: "Ich fühle mich unabhängig."

Beruflich legt sie einen thematischen Schwerpunkt auf Familien- und Erbrecht; politisch engagiert sie sich in den Bereichen Planung, Integration und Umwelt. Sollte Helga Koenemann am Montag zur Fraktionsvorsitzenden gewählt werden, so wäre sie auch eine Nachfolgerin ihres Ex-Mannes Bernd, der von 2001 bis 2007 die CDU im Stadtrat führte.

Auch Helga Koenemann ist in der CDU-Fraktion nicht gänzlich unumstritten. Auf die Unterstützung von Ingrid Schäfer ("Ihre Kandidatur ist meine Idee") kann sie bauen; auch Sebastian Rosen begrüßt ihre Kandidatur. Thomas Kracke ("Ich trete nicht an") gibt zu bedenken: "Unsere Probleme werden nicht allein dadurch gelöst, dass wir eine neue Vorsitzende wählen."

(NGZ/url)