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Mehr Gewalttaten als im Vorjahr Kriminalitätsgefahr in Kamp-Lintfort am größten

Grafschaft · Eine Auswertung der Statistik für die Grafschaft zeigt: In Kamp-Lintfort ist die Kriminalitätsgefährdung höher als in der Großstadt Moers. 2020 stieg die Gewaltkriminalität in der Hochschulstadt.

 Wie sicher es sich in einer Kommune lebt, lässt sich laut Polizei an einer bestimmten Kennziffer festmachen. In Kamp-Lintfort ist diese linksrheinisch am größten.

Wie sicher es sich in einer Kommune lebt, lässt sich laut Polizei an einer bestimmten Kennziffer festmachen. In Kamp-Lintfort ist diese linksrheinisch am größten.

Foto: dpa/A3542 Karl-Josef Hildenbrand

Die Kreispolizeibehörde Wesel hat die Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2020 vorgelegt. Darin sind auch Zahlen für die einzelnen Städte und Gemeinden enthalten. Während die Zahl der behördlich bekannten Delikte in Moers im vergangenen Jahr zurückging, gab es in Neukirchen-Vluyn und Kamp-Lintfort einen leichten Anstieg. Im linksrheinischen Vergleich zeigt sich, dass die Kriminalitätsgefährdung in Kamp-Lintfort am größten ist. Ein Überblick.

Gesamtzahlen Im Jahr 2020 hat die Polizei insgesamt 5686 Straftaten in Moers erfasst. Das waren 623 Fälle weniger als in 2019 mit 6309 behördlich bekannten Delikten. In Neukirchen-Vluyn hingegen stellt sich die Lage etwas anders dar. Dort ist die Anzahl der Straftaten im vergangenen Jahr minimal gestiegen: von 1123 in 2019 auf 1222 in 2020. In Kamp-Lintfort gab es 2019 2121 statistisch relevante Vergehen und Verbrechen; 2020 waren es 2288. Zwar wurden im vergangenen Jahr im gesamten Kreis mehr Straftaten verzeichnet als im Vorjahr (23.955 nach 23.278 in 2019). Langfristig gesehen ist die Kriminalität kreisweit aber zurückgegangen. 2016 gab es 32.029 Straftaten, in den Jahren davor noch mehr. Aufs Jahrzehnt gesehen liegt ein Rückgang um 31 Prozent vor.

Vergleich Wie sicher es sich in einer bestimmten Kommune lebt, lässt sich an einer bestimmten Kennziffer festmachen. Die Polizei hat die Zahl der Straftaten im gesamten Kreis und auch für die einzelnen Kommunen pro 100.000 Einwohner umgerechnet. Das Ergebnis nennt sie Häufigkeitszahl. Dadurch ist ein Vergleich zwischen den Städten und Gemeinden möglich. Für Moers kommt die Polizei auf 5472 Straftaten pro 100.000 Einwohner. Damit ist die Kriminalitätsgefährdung in der Stadt höher als in Neukirchen-Vluyn (Häufigkeitszahl: 4495), aber niedriger als in Kamp-Lintfort (6086).

Aufklärungsquote 54,4 Prozent der erfassten Straftaten in Moers wurden im Jahr 2020 von der Polizei aufgeklärt. Damit war die Quote höher als 2019 (46,3 Prozent) und 2018 (46,4 Prozent). In Neukirchen-Vluyn hingegen liegt sie mit 43,9 Prozent niedriger als in den vergangenen zwei Jahren. 2019 wurden 50,5 Prozent der dort erfassten Straftaten aufgeklärt, in 2018 waren es 54,7 Prozent. Der selbe Trend – leicht steigende Kriminalitätszahlen, geringere Aufklärungsquote – lässt sich auch für Kamp-Lintfort verzeichnen. Die Aufklärungsquote lag dort im vergangenen Jahr bei 56,6 Prozent, 2019 bei 58,4 Prozent und 2018 bei 60,7 Prozent. In einigen Kriminalitätsfeldern wie Gewalt, Sexualdelikte ist die Aufklärungsquote höher.

Gewalt Unter dem Stichwort Gewaltkriminalität wurden im Jahr 2020 in Moers 215 Fälle erfasst. 80,9 Prozent wurden aufgeklärt. Die Quote ist also deutlich höher als im Durchschnitt aller erfassten Verbrechen. Die 215 Fälle von Gewaltkriminalität entsprechen 3,78 Prozent aller Straftaten in der Stadt. In allen übrigen Kommunen im Kreis Wesel war dieser Anteil im vergangenen Jahr niedriger: in Neukirchen-Vluyn (3,27 Prozent), in Kamp-Lintfort (3,72 Prozent), in Sonsbeck (2,21 Prozent), in Rheinberg (3,01 Prozent), in Dinslaken (3,25 Prozent), in Voerde (3,93 Prozent), in Wesel (3,19 Prozent). Allein in Alpen lag der Wert mit 4,09 Prozent höher als in der Grafenstadt. Im Vergleich mit den Vorjahren fiel die Gewaltkriminalitätsquote 2020 in Moers niedriger aus als 2016, 2017, 2018 und 2019, als die Zahl der erfassten Fälle zwischen 277 und 225 lag. Während die Zahl der Gewaltdelikte auch in Neukirchen-Vluyn von 45 in 2019 auf 40 in 2020 sank (72,5 Prozent), ist die Situation in Kamp-Lintfort eine andere. Dort wurden im vergangenen Jahr 85 Gewaltstraftaten (87,1 Prozent) registriert – 21 Fälle mehr als in 2019. Kreisweit lag die Gewaltkriminalität 2020 bei 789, nach mehr als 1000 Fällen zum Beginn des Jahrzehnts. Davon wurden 82,3 Prozent aufgeklärt. Das ist der beste Wert der Dekade. Bei sieben Totschlagsdelikten blieb es in fünf Fällen beim Versuch, die Aufklärungsquote lag bei 85 Prozent. Drei Morde gingen in die Statistik ein, davon einer als Versuch. Alle wurden von der Kripo aufgeklärt.
Sexualdelikte 96 Fälle wurden 2020 in Moers gemeldet – deutlich mehr als in den Vorjahren: 2019 waren es noch 63, im Jahr 2018 71, in 2017 72 Fälle, in 2016 44. Auch in Neukirchen-Vluyn ist die Negativ-Entwicklung ablesbar. Nach elf Fällen in 2019 stieg die Zahl von Übergriffen dort in 2020 auf 21. In Kamp-Lintfort gab es in diesem Bereich im vergangenen Jahr 34 Anzeigen, nach 23 in 2019. Damit liegen die Kommunen der Grafschaft im Trend. Im gesamten Kreis sind die Sexualdelikte in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Das liegt nach Ansicht der Polizei auch daran, dass sich Opfer sexueller Gewalt heute eher trauen, sich zu melden. „Die Sexualdelikte sind enttabuisiert. Das ist eine gute Nachricht“, sagte Landrat Ingo Brohl als Leiter der Kreispolizeibehörde, als er die Kriminalitätsstatistik zusammen mit Rüdiger Kunst, Abteilungsleiter Polizei, und Volker Flaß, Leiter Direktion Kriminalität, vorstellte.

Einbruch Im gesamten Kreis Wesel ist die Zahl der Wohnungseinbrüche in den vergangenen fünf Jahren um 56,6 Prozent zurückgegangen. Diese Entwicklung ist auch in Moers spürbar. 2016 gab noch 428 Fälle, danach ging es rapide bergab: auf 210 Wohnungseinbrüche in 2017, 217 in 2018, 233 in 2019 und 172 in 2020. Aufklärung, Vorbeugung und die Kooperation mit der Kreishandwerkerschaft für mehr Einsbruchschutz an Gebäuden sollen laut Polizei und Landrat für diese Entwicklung mitverantwortlich sein. In Neukirchen-Vluyn sank die Zahl im vergangenen Jahr denn auch auf 44 Fälle. 2016 gab es dort noch 123. Kamp-Lintfort verzeichnete in 2020 41 Fälle, 94 waren es in 2016.

Betrug Die Betrugsfälle haben zugenommen – durch die Bank, in Moers allerdings besonders stark. Während im Jahr 2019 in der Grafenstadt noch 395 Betrugsfälle gemeldet wurden, waren es 2020 668. Im Trend ähnlich stellt sich die Situation in Neukirchen-Vluyn dar: 136 Fälle in 2020, 106 in 2019. In Kamp-Lintfort hingegen blieb die Zahl mit 217 Fällen im Vergleich zum Vorjahr (211) nahezu konstant. Im gesamten Kreis Wesel sind die Betrugsfälle in den vergangenen Jahren gesunken, 2020 aber wieder gestiegen: auf 2632 Fälle nach 2098 im Jahr 2019. Dabei nahmen laut Polizei nicht die analogen, also unmittelbar nachzuverfolgenden Taten, zu, sondern die digitalen, mithin deutlich schwieriger aufzuklärenden. Große Aufmerksamkeit richten die Ordnungshüter weiter auf Betrüger, die es auf ältere Menschen und deren Vermögen abgesehen haben. Enkeltrick, Schockanruf und falscher Polizist sind dort die Stichworte.