Mönchengladbach: Sorge wegen kurzen Zivildienstes

Mönchengladbach: Sorge wegen kurzen Zivildienstes

Der Zivildienst soll auf ein halbes Jahr verkürzt werden. Das bereitet sozialen Einrichtungen Probleme. In einigen Bereichen dauert alleine die Einarbeitungszeit drei Monate. Da lohnt sich die Einstellung eines Zivis oft nicht mehr.

Der Zivildienst soll verkürzt werden. Das bedeutet für viele soziale Einrichtungen in Mönchengladbach Probleme und Umstellungen. In Mönchengladbach stehen den jungen Männern insgesamt 453 Plätze in 87 Zivildienststellen zur Verfügung. Anfang März waren laut Bundesamt für Zivildienst 346 dieser Plätze belegt. Jetzt wird überlegt, den Zivildienst schon im Sommer diesen Jahres von neun auf sechs Monate zu verkürzen.

Viele sehen den Änderungen mit gemischten Gefühlen entgegen. "Es wird niemanden in sozialen Einrichtungen geben, der froh darüber ist", sagt Carsten Junghans vom Deutschen Roten Kreuz Mönchengladbach. "Man muss sich dann fragen, ob es noch nützlich ist, Stellen für Zivildienstleistende anzubieten."

Waltraud Grusemann von der Caritas Mönchengladbach ist skeptisch: "Der Knackpunkt an der Sache ist die lange Einarbeitung. Wenn wir die Zivildienstleistenden erst einen Monat einarbeiten müssen, dann kommt noch ein Lehrgang dazu, und Urlaub steht ihnen ja auch zu, lohnt sich der Aufwand für die restlichen drei Monate kaum." Darum suchen die Verantwortlichen schon nach Alternativen. Eine Möglichkeit wäre es, vermehrt Stellen an junge Leute, die ein Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren möchten, zu vergeben. Gänzlich aus dem Zivildienstprogramm aussteigen werden wir aber nie", sagt Waltraud Grusemann.

Aber es mache immer weniger Sinn, die Zivildienstleistenden für verantwortungsvolle Aufgaben, wie dem Hausnotruf der Caritas, auszubilden, wenn diese dann nach wenigen Monaten wieder gehen müssten. Für den Zivildienst bleiben dann womöglich nur noch Stellen übrig, die eine kurze Einarbeitung erfordern. "Bei Hausmeistertätigkeiten wissen die jungen Männer schon nach wenigen Tagen, was zu tun ist", sagt Grusemann. Das Deutsche Rote Kreuz nutzt die verbliebene Vorlaufzeit um Pläne zu machen.

Auch andere Einrichtungen suchen nach Konzepten und Möglichkeiten, die Zivildienstleistenden an anderen Stellen einzusetzen. Volker Frings-Wikker, Geschäftsführer des Arbeiter-Samariter-Bund, sieht große Probleme: "Es ist aufgrund der kurzen Zeit, kaum noch möglich, den Zivildienstleistenden eine sinnvolle Beschäftigung anzubieten. Wir überlegen, die Aufgaben, die sonst dem Zivildienst zufielen, auf das Freiwillige Soziale Jahr zu übertragen."

(RP)