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Hilderath: Ein Dorf mit eigener Stadt

Hilderath : Ein Dorf mit eigener Stadt

Sonntags läuten in Hilderath 25 Glocken, die Einwohner sprechen noch heute von der zweiköpfigen Ziege und eins ist sowieso klar: Das Grillen lassen sie sich vom Veterinäramt nicht verbieten.

Mitten in Hilderath steht eine imposante Kirche. Die hohen Türme sind von zwiebelförmigen Kuppeln gekrönt, der ausladende rechteckige Bau ist ein richtiger Blickfang. Nur einen Steinwurf davon entfernt befindet sich Schloss Mespelbrunn, auch ein schmuckes Schwarzwaldhaus schmiegt sich in die Landschaft. Doch wirklich, wir befinden uns tatsächlich mitten in Hilderath. Genauer gesagt im "Ortsteil" Alpinum auf dem Grundstück von Erwin Theelen. Der 83-Jährige hat sich in seinem Garten eine riesige von Playmobil-Figuren bevölkerte Miniaturstadt aufgebaut, unter anderem aus Ton, Holz und echtem Alpengestein.

Die Alpen in den Garten geholt

"Das muss alles natürlich wirken", findet der ehemalige Landwirt. Rund 120 Quadratmeter groß ist seine Berglandschaft. Dutzende Gebäude hat er im Maßstab 1:20 angelegt, die meisten entstammen seiner Phantasie. "Jeden Sonntagmorgen werde ich vom Glockengeläut geweckt", erzählt Theelens Nachbar Johannes Merbecks und lacht. Dann legt Erwin Theelen nämlich eine CD ein und lässt im Garten nacheinander 25 Glocken bekannter deutscher Kirchen erklingen. 1987 hat er den Grundstein für Alpinum gelegt und die Stadt Stück für Stück aufgebaut. Die Honschaft Hilderath ist da schon ein paar Jährchen älter: "1240 ist der Name das erste Mal aufgetaucht", sagt Johannes Merbecks. Einen Johannes von Hilderode gab es damals, er führte vermutlich den Lehnshof Hilderath, der im Besitz der Herren von Wickrath war.

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Jetzt hat das Dorf rund 200 Einwohner, von den ehemals zwölf Bauern im Ort betreibt noch einer Landwirtschaft. Es gibt noch ein paar alte Häuser, zum Beispiel Christian Rölkens Vierkanthof aus dem Jahr 1754, der zwischenzeitlich eine Krautfabrik war. Oder Erwin Theelens Hof aus der Zeit um 1650. Außer seiner schmucken Miniatur-Kirche im Garten haben die Hilderather immerhin noch das kleine Petrus-Kapellchen aus dem Jahr 1844 zu bieten.

Über dem Eingang wacht eine Petrus-Figur, drinnen steht ein ganz besonderer Stein-Altar. "Die Steine lagen vorher als Abdeckung auf dem alten Brunnen von Christian Rölkens Großeltern", erzählt Johanna Bach, die ebenso wie Theelen, Merbecks und Rölken der Kapellengemeinschaft Hilderath/Baum angehört. Aus dem Ziegenzuchtverein sei die Gemeinschaft 1974 entstanden, erklärt sie.

Mitglied Karl Claßen kann sich noch erinnern, dass auf der Kegelbahn im 1960 abgerissenen Landhaus Hilderath eine eigenartige Trophäe der Ziegenzüchter stand: "Eine zweiköpfige Ziege im Glas".

(RP)