Rönneter: Am Ende von Rönneter

Rönneter : Am Ende von Rönneter

Wo die 40-Tonner sich verfahren: Rönneter ist so verzweigt, dass selbst einige der 900 Einwohner mit den Straßennamen nicht zurecht kommen. Sie sind stolz auf die Kapelle und haben ihre eigene Heimatballade.

Daniel Bleilevens hat schon viele Autos durch sein Heimatdorf fahren sehen. Er ist mit 84 Jahren der älteste Bewohner Rönneters. Es waren viele verschiedene Autos dabei, aber in letzter Zeit sind es auffallend viele Lkw, die hilflos durch dieses Dorf tuckern. Er hebt er den Finger. "Achtung, gleich kommt der Nächste", verspricht er. 60 Sekunden später braust ein Lkw heran und sucht. "Der ist hier falsch — wie alle anderen auch", sagt Bleilevens, und fast könnte man meinen, er hätte daran eine diebische Freude.

Rönneter ist in Mönchengladbach so etwas wie die Durchgangsstation. Und nicht nur deshalb, weil auf einer alten Postkarte von einem Bahnhof Rönneter die Rede ist, obwohl es nirgends Schienen gibt. "Damit ist wohl ein Wartesaal für Pferdekutschenreisende gemeint", vermutet Dieter Foerster, Vorsitzender der Ortsgruppe Rönneter in der Venner St. Josefsbruderschaft. Heute kommen mehrmals täglich schwere 40-Tonner durch Rönneter, die einen Großmarkt suchen.

Das Problem ist: Die Straßen Rönneterweg, Rönneterwinkel, Rönneterberg, Rönneterring, Rönneter Kamp, Rönneterheide und Rönneterfeld zerteilen seit der letzten Umbenennung das Dorf in viele kleine Abschnitte — die Straße Rönneter jedoch mit dem Großmarkt ist ganz woanders. Stadtpläne und Navigationsgeräte führen die oft ausländischen Fahrer in die Irre, in die Honschaft Rönneter, wo selbst manche Bewohner mit den Straßen durcheinanderkommen. Denn fast alle Straßen enden mitten im Feld oder vor einem Poller. Wer hinaus will aus dem Dorf, muss lange suchen. "Die fahren hier rein, dann sollen sie auch suchen", sagt Daniel Bleilevens und grinst amüsiert.

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Bleilevens, Foerster und Heribert Gielen leben gerne in Rönneter. Sie wohnen mitten in der Stadt, nah am Zentrum, an der Nahtstelle zwischen Holt und Venn, aber doch auf dem Land. Am Ende des Dorfes tun sich weite Felder und Weideflächen für die Pferde des Zucht-, Reit- und Fahrvereins St. Martinus auf. Auf der anderen Seite liegt ein Kleingärtnerverein neben dem anderen. Sie stammen aus der Zeit nach dem Krieg, als es besser war, selbst für das Gemüse in der Küche zu sorgen. Auch Bleilevens hat diese Zeit miterlebt.

Er erinnert sich: "Eines Tages kam einer zu mir in die Gaststätte, der wollte ein paar Kohlköpfe gegen Bier tauschen. Sein Geschäftspartner wurde sauer: Jetzt weiß ich endlich, wer meinen Kohl klaut!" Gegenüber seiner Gaststätte Commes, die er heute verpachtet hat. gab es das einzige Geschäft in Rönneter: Ein Lebensmittelladen, in dem heute ein Kosmetikstudio untergebracht ist. "Der Schaufensterbummel geht hier ziemlich schnell vorbei", sagt Dieter Foerster.

Zu dieser Zeit war Rönneter noch wesentlich kleiner als heute. In den vergangenen Jahrzehnten jedoch entdeckten Stadtplaner, dass sich Grundstücke in dieser Lage ganz gut vermarkten lassen. Nach und nach wurden neue Häuser gebaut, die Originale, so wie Bleilevens, wurden immer weniger. Stattdessen kamen junge Familien in den Ort. Die traditionellen Feste gibt es lange nicht mehr. Eines davon war das Wendehammerfest. Der Wendehammer ist der Bereich, in den sich heute die Lkw-Fahrer verfahren. Nur einer kam stets gut zurecht: Der Busfahrer, der Borussia durchs Dorf zum Training fuhr.

(RP)
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