Wülfrath: Alter Zulieferer – neue Lenker

Wülfrath: Alter Zulieferer – neue Lenker

Die Tedrive Steering Systems GmbH existiert ab heute als eigenständiges Unternehmen. Die geschäftsführenden Gesellschafter Thomas Brüse und Reiner Greiss leiten das Wülfrather Werk.

An der Henry-Ford-II-Straße in Wülfrath beginnt heute ein neues Kapitel. Seit einem halben Jahrhundert wird dort für die Automobilindustrie gearbeitet. Lange unter dem Namen Ford, dann unter Visteon, zuletzt unter Tedrive Steering GmbH und ab 1. April als Tedrive Steering Systems GmbH. Das eigenständige Unternehmen mit 325 Mitarbeitern wird durch die geschäftsführenden Gesellschafter Thomas Brüse und Reiner Greiss vertreten.

Die Insolvenz des Automobilzulieferers Tedrive Steering endete am 31. März. Der Lenkungsspezialist, der bislang als Tochtergesellschaft zum Firmenverbund der niederländischen Tedrive Gruppe gehörte, geht fortan eigene Wege. Brüse und Greiss haben das Unternehmen im Rahmen einer so genannten übertragenden Sanierung übernommen. Beide kennen den Standort bestens: Greiss war dort von 1999 bis 2001 als Werkleiter tätig; Brüse kam zunächst 1996 als Prozess-Ingenieur nach Wülfrath und wurde, nach Stationen bei Visteon und Tedrive in Kerpen und Düren 2009 zurück nach Wülfrath geholt, um dem Standort während der Insolvenz als Werkleiter zu führen.

Nachhaltige Lösung erarbeitet

Brüse und Greiss haben während der letzten Monate gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern und dem Insolvenzverwalter an der Ausarbeitung einer nachhaltigen Lösung für die Fortführung des Standorts gearbeitet, die jetzt zum Tragen kommt. Wesentliche Sanierungsmaßnahmen betrafen die Anpassung der Fixkostenstruktur an die aktuelle Auftragslage, darunter die Reduzierung der Belegschaft von über 600 auf 325 Mitarbeiter, die Senkung der Kosten für das Gebäudeleasing durch die Reduzierung der angemieteten Hallenfläche: Die für die Produktion, Entwicklung, Lagerhaltung, Logistik und Verwaltung benötigten Flächen sind im Fabrikgelände westlich der Henry-Ford II-Straße zusammen geführt worden.

Die östlich der Straße gelegenen Flächen mit den ehemaligen Hallen 1 bis 3 werden nicht angemietet. "Bis heute sind wir alleiniger Hersteller von Lenksystemen, die ein Stahlgehäuses für das Lenkgetriebe einsetzen. Aus dieser Alleinstellung ergibt sich eine Reihe von Chancen, die unser Geschäftsmodell zurück auf eine tragfähige Basis heben", sagte Thomas Brüse. Reiner Greiss ergänzte: "Die Automobilbranche steckt in einer ernsthaften Strukturkrise. Wir stellen uns darauf ein, die Produktionsvolumen jederzeit flexibel an den Kundenabrufen auszurichten."

Die Geschäftsführer erwarten in 2010 einen Jahresumsatz von etwa 70 Millionen Euro. Damit sind die Auftragsbücher deutlich leerer als in den Vorjahren. 2007 betrug der Umsatz noch 190 Mio. Euro. Dann kam der Konjunktureinbruch in der Automobil-Industrie.

(RP)