Wülfrath: Zum Glauben eingeladen

Wülfrath: Zum Glauben eingeladen

Jochen Lütgendorf ist seit zehn Jahren Pfarrer der evangelischen Gemeinde Düssel.Die "geistliche Prägung" liegt dem 42-jährigen Vater am Herzen. Dazu bietet er meditative Gottesdienste an.

"Als Mensch und Christ muss ich offen sein, was Gott mit mir vor hat. Ich sehe die Zeit hier als Berufung an", sagt Pfarrer Jochen Lütgendorf. Es traf sich gut, dass die Evangelische Kirchengemeinde Düssel, in der er am 1. Mai 2000 seinen Dienst antrat, seinem Wunsch von einem überschaubaren Wirkungsfeld entsprach. "Ich habe außerdem eine Gemeinde vorgefunden, die für viele Ideen offen ist, die schnell bereit ist, sich auf etwas einzulassen. Das ist immer noch so. Dafür bin ich sehr dankbar."

Nach der Pensionierung von Pfarrer Manfred Bünger stand der damals 32-Jährige für einen Generationswechsel. Er wollte die ländlich geprägte Gemeinde Düssel nicht neu erfinden, vielmehr Bewährtes achten. Andererseits, so Lütgendorf, "jeder wächst mit seinem Alter, seinem Bezugsfeld." Als junger Familienvater setzte er Akzente im Bereich Jugend und junge Familien – mit Konfirmanden- und Jugendfreizeiten, Jugendgottesdiensten mit der langjährigen Jugendleiterin Christiane Breucker.

Eltern begleiten Konfirmanden

Zu Jugendgottesdiensten mit gesellschaftlichen Themen kommen inzwischen zunehmend auch Erwachsene. Als sehr positiv wertet Lütgendorf, dass Eltern Konfirmanden in den Gottesdienst begleiten. "Ich hatte jetzt mehrfach das Phänomen, dass Eltern nach der Konfirmation im Gottesdienst 'hängen blieben', wenn Jugendliche schon andere Wege gingen." Andererseits fahren zu Gemeindefreizeiten, die aus dem Erwachsenenkreis entstanden, längst auch Familien und jüngere Alleinreisende mit.

Besonders am Herzen liegt Lütgendorf, was er "geistliche Prägung" nennt. "Ich bin im CVJM aufgewachsen, mit Andachten und Bibelgesprächen. Das schlägt sich nieder in meditativen Gottesdiensten, wie wir sie beispielsweise in der Osternacht anbieten." Er möchte konkret zum Glauben einladen. Er möchte, dass die Gemeinde geistlich weiter wächst. So plant er im Herbst ein "Gemeindeseminar des Glaubens", in dem sich Leute vergewissern, warum sie als Christen leben. Er wünscht sich, dass Gemeinde und Kirche überhaupt, Wandel mitgestalten.

"Seelsorge nimmt leider nicht den breiten Raum ein, den sie verdient", räumt der Pfarrer von 2500 Gemeindegliedern ein. Es tue ihm leid, wenn er in zehn Jahren manchen etwas schuldig geblieben sei. Nie sei es aus böser Absicht geschehen. "Als Pfarrer läuft man immer mit einem schlechten Gewissen herum, man müsste noch mehr tun." Er habe indes die Erfahrung gemacht, an eigene Grenzen zu stoßen, lernen müssen, dass man nicht alles schaffen kann.

Laut Kirchengesetz der Rheinischen Landeskirche steht demnächst ein offizielles Zehn-Jahres-Gespräch an. "Eine Stück Bestandsaufnahme, ein Reflektieren, was wir zusammen erreicht haben." Gemeinde und er selbst könnten dann noch einmal bewusst, "Ja", zueinander sagen.

(RP)