Krefeld: Musical-Nacht mit Schönheitsfehlern

Krefeld: Musical-Nacht mit Schönheitsfehlern

"Phantom der Oper", "Cats", "König der Löwen", "Hair" und viele mehr – keine der weltweit bekannten, großen Musical-Produktionen wurde im Seidenweberhaus ausgelassen. "Die Nacht der Musicals" hielt sechs Sängerinnen und Sänger, acht Tänzer aus der "Broadway Musical Dance Company" und über 30 Lieder für das Publikum bereit. Ein dreistündiger Kraftakt für die Darsteller, und ein netter Abend für rund 500 Gäste. Mehr auch nicht, denn der Funke wollte nicht so richtig überspringen.

Die sechs Sänger und Sängerinnen der Musicaltruppe haben dabei alles richtig gemacht. Sie präsentierten sich dem etwa zur Hälfte besetzten Saal durchweg stimmgewaltig, mal mehr, mal weniger engagiert, aber stets mit solider gesanglicher Leistung. So hatte die Aufführung gute Momente, die das Publikum mit viel Applaus und Jubelrufen belohnte. Auffällig-unpassende Hebefiguren der Tänzer im hinteren Bühnenteil konnten jedoch so manchem romantischen Titel – etwa im Duett von "Tarzan" und "Jane" – die nötige Ernsthaftigkeit nehmen.

Im Schnelldurchlauf

Problematisch war auch die Kürze der Lieder. Oft dauerten die Stücke kaum länger als eine Minute. Da blieb wenig Zeit, sich auf Atmosphäre einzulassen. Zudem stellte die Abfolge der Stücke eine besondere Herausforderung an die Zuschauer: Zwischen den Balladen-Klassikern "Phantom of the Opera" und "Memory" aus "Cats" – beide gesanglich einwandfrei dargeboten – wirkte der Mit-Klatsch-Hit "You are the one, that I want" aus dem Musical Grease wie eine veritable Rhythmusstörung.

Eine Zitterpartie hielt die Produktion nach der Pause bereit. Für seine Interpretation von "Sweet Transvestite" (Rocky Horror Show) hatte sich Darsteller Chris Coras ins Fetisch-Outfit mit Ledertanga geschmissen. Darin zeigte er sich vor allem der ersten Reihe zum Greifen nah. Ein Tänzerpärchen hatte noch eine schwer-verdauliche sexuelle Anspielung auf Lager. So bewegte sich die Vorstellung bis zum Ende zwischen zu viel und zu wenig. Weniger Lieder hätte womöglich mehr Atmosphäre ermöglicht. Denn die Hatz von Dirty Dancing zu Tanz der Vampire ließ keine Zeit für eine Umgestaltung der Bühne. So änderte sich das Bühnenbild über den Abend nicht: zwei weiße Gardinen vor schwarzem Vorhang, fünf LED-Säulen, ein krummer Kerzenständer. Zum letzten Titel "Thank you for the music" bat der bemühte Chris Coras das Publikum, mit Feuerzeugen für Stimmung zu sorgen. Hätte der Sänger nicht selbst gewarnt, dass Zündeln im Saal eigentlich verboten sei, vielleicht wäre ja doch ein Funke übergesprungen.

(RP)