Kleve: Adventsbeleuchtung spaltet Händler

Kleve: Adventsbeleuchtung spaltet Händler

Die Klever Weihnachtsbeleuchtung hängt - doch hinter den Kulissen rumort es kräftig. Nur die Hälfte des benötigten Geldes konnte eingesammelt werden, das Klever City Netzwerk zahlte den Rest. Seitenstraßen mit eigener Beleuchtung.

Weihnachten - Zeit der Versöhnung, Harmonie und Nächstenliebe? Zumindest beim Geld scheint die Freundschaft in der Klever Händlerschaft aufzuhören. Seit die Weihnachtsbeleuchtung in der Klever Innenstadt hängt, müsste der vorangegangene Streit um deren Finanzierung eigentlich beigelegt sein. Doch hinter den Kulissen rumort es gewaltig. "Das benötigte Geld ist nicht annähernd zusammengekommen", sagt Sven Verfondern vom Klever City Netzwerk (KCN)

Im September hatte Ute Schulze-Heiming vom Stadtmarketing Schreiben verschickt, in denen Händler, die nicht dem KCN angehören, aufgefordert wurden, 119 Euro für die Weihnachtsbeleuchtung zu zahlen. Mitglieder des KCN zahlen die Hälfte. 15 000 bis 17 000 Euro würde die Beleuchtung, die bisher vom Stadtmarketing bezahlt wurde, kosten. Dass das Schreiben an die Geschäftsleute dann aber wie eine Rechnung daherkam, stieß vielen sauer auf. Und auch die Marketing-Frau ruderte daraufhin zurück: Es handele es sich weniger um eine Rechnung, als viel mehr um eine freiwillige Zahlung.

Und die war anscheinend längst nicht jeder bereit zu bezahlen. "10 000 Euro mussten zusammenkommen, ungefähr 5000 Euro waren es am Ende", sagt Sven Verfondern. Die Hälfte also. Gerade Mitglieder des KCN, das sich geschlossen dafür ausgesprochen hatte, sich an der Beleuchtung zu beteiligen, fühlen sich jetzt von den nichtzahlenden Händlern im Stich gelassen. Da halfen auch alle Drohgebärden - etwa dass die Klever Fußgängerzone im Advent dunkel bleiben würde - nichts. "Manche haben es eben darauf ankommen lassen", sagt Fischer.

Der Fehlbetrag wird jetzt aus der Kasse des KCN beglichen. Die Zeit habe gedrängt, man habe das Thema nicht weiter hochkochen wollen, meint Klaus Fischer. "Darum mussten wir eine Entscheidung treffen. Wir haben uns dafür entschieden, auszuhelfen." Das Klever City Netzwerk zahlt - und alle profitieren. Nicht nur ein Problem bei der Adventsbeleuchtung, meint Sven Verfondern. "Bei den verkaufsoffenen Sonntagen ist es exakt das selbe Problem. Das KCN organisiert und zahlt alles, der Rest profitiert umsonst", meint er.

Genau darauf wolle man die Kunden jetzt hinweisen. "Wir werden veröffentlichen, wer seinen Beitrag geleistet hat", sagt Klaus Fischer. Weitere Maßnahmen, etwa dass auch die Geschäfte selbst sichtbar ausgezeichnet werden, sind nicht ausgeschlossen. "Rechtlich können wir nichts machen", sagen die Vertreter des Händlerverbunds. Aber seine Kunden dürfe man ja schließlich informieren.

Wie die Adventsbeleuchtung den Klever Einzelhandel spaltet, zeigt sich auch in der Gasthaus- und Wasserstraße. Hier hat sich eine Gemeinschaft aus Händlern und Hauseigentümern zusammengeschlossen, um eine eigene Beleuchtung zu organisieren. "Das hat eigentlich ganz unproblematisch und zügig funktioniert", sagt Barbara Pauls vom Geschäft Gasthaus. Fünf Herrnhuter Sterne, jeweils 1,30 Meter groß, baumeln jetzt über dem Nebenarm der Fußgängerzone. "Das Problem mit den Seitenstraßen war immer, dass sie im Gegensatz zur Großen Straße im Dunkeln verschwanden", sagt Pauls. Darum habe man sich eben um eine eigene Beleuchtung gekümmert. 1000 Euro habe diese gekostet, aufgehängt haben sie übrigens die USK.

"Ich finde die Optik der Stadtmarketing-Beleuchtung fragwürdig und das Anschreiben befremdlich. Gerade bei Dingen, die das Stadtbild dermaßen prägen, muss man doch möglichst viele Beteiligte mit ins Boot nehmen", sagt Barbara Pauls. Sie ist überzeugt: "Wenn die Händler das Gefühl hätten, dass dort wirklich etwas für sie gemacht wird, dann würden sie auch sofort bereitwillig zahlen."

Vom Stadtmarketing selbst war übrigens keine Stellungnahme zu erhalten. Einzig Ute Schulze-Heiming könne zu dem Thema Auskunft geben, hieß es. Und die befinde sich derzeit im Urlaub.

(lukra)
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