Hilden: Hilden reichen vier Verkaufssonntage

Hilden : Hilden reichen vier Verkaufssonntage

Das sei ein guter Kompromiss von Shoppen und Arbeitnehmerschutz, sagt Volker Hillebrand vom Stadtmarketing.

Die neue schwarz-gelbe Landesregierung will das Ladenöffnungsgesetz ändern. In einer Gemeinde dürfen künftig acht statt vier Sonntage zum Verkauf freigegeben werden. An Samstagen soll künftig ohne jede Begrenzung wie zwischen Montag und Freitag eingekauft werden können - also auch nach 22 Uhr, was bislang verboten ist. Wichtig: Auch die so genannte Anlassbezogenheit fällt weg. Der Stadtrat kann Einkaufssonntage mit der Begründung genehmigen, er wolle die Einkaufsstadt Hilden fördern. In Düsseldorf jubeln der Handelsverband HDE und die Industrie- und Handelskammer. Die Gewerkschaft Verdi ist empört. "Ich bin fassungslos", so Verdi-Chefin Stephanie Peifer: "Das ist der Anfang der Sieben-Tage-Woche." Die Gewerkschaft werde das nicht hinnehmen und schließe eine Verfassungsbeschwerde nicht aus.

Hilden braucht nicht mehr Verkaufssonntage, glaubt Volker Hillebrand: "Ich halte die vier verkaufsoffenen Sonntage in der Innenstadt für gut und gängig. Das ist ein guter Kompromiss zwischen Shoppen und Arbeitnehmerschutz." Hillebrand begrüßt, dass es künftig keinen Anlass (ein Fest, ein Event) mehr geben muss, der nachweislich mehr Besucher anzieht als der Sonntagsverkauf. Er betont aber zugleich, dass alle Anlässe für die vier Einkaufssonntage in Hilden (7. Mai mit Modenschau, Wein- und Frühlingsfest, 17. September mit Autoschau, 5. November mit Bücher- und Antikmarkt, 3. Dezember mit Weihnachtsmarkt) "rechtskonform" sind. Der Stadtmarketing-Geschäftsführer könnte sich vorstellen, den Weihnachtsmarkt und den Sonntagseinkauf im Advent Anfang Dezember künftig zu entkoppeln: "Die Erfahrung zeigt, das ist für beide Seiten nicht optimal. Das müsste man aber noch besprechen." Late-Night-Shoppen habe sich in Hilden nicht bewährt. "Wir haben das vor Jahren mal ausprobiert. Der Erfolg war überschaubar. In Hilden wollen die Leute abends ausgehen, nicht einkaufen."

Die Autoschau am 16./17. September ist auch mit einem Sonntagsverkauf verbunden. Das ist für Ralf Gierten, Vorsitzender der veranstaltenden Interessengemeinschaft Hildener Autohäuser, kein Muss: "Durch die Gebrauchtwagen-Messe im Frühjahr und die Autoschau im September können wir vergleichen. Die Autos ziehen die Leute an. Sie bummeln auch am Sonntag gern durch die Innenstadt. Bei der Gebrauchtwagen-Messe (ohne Sonntagsverkauf) ist es für interessierte Besucher leichter, wahrgenommen zu werden. Die Verkäufer können dann auch besser beraten. Für uns Autohändler müsste die Kombination mit einem Einkaufssonntag nicht sein."

Das sieht Volker Hillebrand vom Stadtmarketing etwas anders: "In 25 Jahren ist die Hildener Autoschau ein Erfolgsmodell geworden. Beide Seiten, Autohändler und Einzelhandel, tun gut daran, alles so zu lassen wie es ist. Das ist eine Symbiose, von der beide Seiten profitieren."

Und was sagen die Kunden? Beim ersten Verkaufssonntag in diesem Jahr hatte das Stadtmarketing rund 380 Besucher der Innenstadt befragt. Ergebnis: Nur etwa 15 bis 20 Prozent waren sonntags zum Einkaufen in die Innenstadt gekommen. Rund 80 Prozent waren wegen des Blumenmarkts, des Weinfestes oder der Modenschau da. Oder einfach nur zum Bummeln. "Weil Hilden so schön ist", brachte es eine Befragte auf den Punkt.

(cis)
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