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Heine-Preis 2016: Alison Louise Kennedy warnt vor Kulturverlust

Heine-Preis : Kennedy warnt vor Kulturverlust

Die Britin Alison Louise Kennedy ist mit dem Heine-Preis geehrt worden.

Das hat sich gewaschen, was die 51-jährige Engländerin am Sonntag bei der Verleihung des Heine-Preises ihren Landsleuten um die Ohren haute. Man muss es so hart sagen, weil auch A. L. Kennedy mit der Kritik am Bildungssystem ihrer Heimat kompromisslos zu Gericht ging - mit harschen Worten, die wie heilsame Nadelstiche den Festakt im Rathaus zu Düsseldorf belebten.

Während Deutschland sich immer noch an Lektionen der Geschichte klammerte, würde im Großbritannien der Gegenwart durch "epidemische Bibliotheksschließungen und eine massiv eingedampfte literarische Kultur" verhindert werden, "dass Bücher gelesen werden oder überhaupt entstehen" können. Und zu dieser Literaturvernichtung gehöre nach ihren Worten eben auch, dass ihr Land lieber "traumatisierte und schutzlose Kinder im Schlamm von Calais oder wer weiß wo liegenlassen würde, als sie willkommen zu heißen".

Zwei Fragen stellten sich da etlichen Zuhörern bei der Verleihung des mit 50.000 Euro dotierten Persönlichkeitspreises: ob dies einerseits zusammenpasse und andererseits überhaupt zu einem Festakt gehöre. Auf beides gab die 51-jährige Kennedy ihre Antwort. So bestehe eine klare Verbindung zwischen dem Mangel an Kultur und dem Mangel an Menschlichkeit. Unsere Kultur schafft die Realität, in der wir leben, sagte sie. Und: "Zuerst wird die Kunst ermordet, dann der Mensch. Immer. Immer."

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Natürlich durften dann auch Heines beängstigend prophetischen Worte nicht fehlen, dass dort, wo man Bücher verbrennt, man am Ende auch Menschen verbrennt. Ein Schreckensszenario, gewiss; aber eins, das Kennedy in der Debattenkultur ihres Landes erspürt. So werde mittlerweile jeder Versuch, sich über das Niveau der Gosse zu erheben, als "Besserwisserei" oder auch "weltfremder Wahnsinn" gebrandmarkt.

Es gab viele andere und wohlüberlegte Worte in dieser Feierstunde: richtige von Oberbürgermeister Thomas Geisel, der Vielfalt, Toleranz und Respekt als Eigenschaften einer mündigen Bürgergesellschaft deklarierte; und intellektuell würdigende von Laudatorin Julika Griem, die in Vertretung ihres erkrankten Gatten Hubert Spiegel nach Düsseldorf gekommen war. Am Ende aber klangen nur die Worte A. L. Kennedys nach und blieben im Gedächtnis wie Widerhaken.

Schon deshalb, weil sie sich selbst in die Pflicht nahm und bekannte, bei allem Engagement offenbar nicht genug getan zu haben. Während Autoren hierzulande sich zunehmend aus dem sogenannten Meinungsdienst verabschieden, scheut Kennedy keine Debatte. Im Gegenteil.

Und dafür reichen keine "fröhlichen Presseerklärungen" oder angenehme Veranstaltungen unter Gleichgesinnten. Nein, diese Kennedy macht allen klar, dass sie den Heine-Preis nicht für bisher Geleistetes entgegennimmt, sondern als Ermutigung für ihr künftiges Wirken. Mag schon sein, dass Alison Louise Kennedy nicht die berühmteste Trägerin des großen Düsseldorfer Preises ist. Aber sie ist im unmissverständlichen Sinne Heinrich Heines eine der würdigsten.

(los)