"Deutsche Markenarbeit": Grey-Chef zieht an die Kö

"Deutsche Markenarbeit" : Grey-Chef zieht an die Kö

Frank Dopheide war sieben Jahre lang CEO der Düsseldorfer Werbeagentur. Jetzt bricht er auf zu neuen Ufern, will sich künftig weniger mit Produkten als mit Personen beschäftigen. "Deutsche Markenarbeit" heißt seine neue Firma, die Managern und Vorständen ein besseres Image verschaffen soll.

Gut drei Wochen wird Grey-Chef Frank Dopheide noch am "Platz der Ideen" in Derendorf weilen. Dann tauscht der CEO die Kreativ-Adresse gegen eine andere, noch prominentere Anschrift in Düsseldorf. Er verlässt nach sieben Jahren Grey, wird sich mit seiner neuen Firma "Deutsche Markenarbeit" an der Kö 30 niederlassen und sein Augenmerk dann nicht mehr auf Produkte, sondern auf Menschen richten.

Vornehmlich Menschen, die an exponierter Stelle stehen, aber im schlimmsten Fall einen ramponierten Ruf haben. Manager, Vorstände, Aufsichtsräte, kurz Führungskräfte, denen der Kontakt zur Basis, also zu ihren Mitarbeitern, abhanden gekommen ist, oder die — im schlimmsten Fall —nie einen hatten.

Persönlichkeit sichtbar machen

Was dramatische Konsequenzen hat: 110 Milliarden Euro, so haben Schätzungen ergeben, gehen der deutschen Wirtschaft jährlich dadurch verloren, dass sich die Mitarbeiter nicht mit ihrem Unternehmen identifizieren und sich innerlich verabschiedet haben. Ein riesiges Potenzial, das, davon ist Dopheide überzeugt, sich nur durch Vertrauen und Glaubwürdigkeit wieder aktivieren lässt.

Und da sind in erster Linie die Führungskräfte gefragt. Denn: "Schlimmer als die Finanzkrise ist die Vertrauenskrise." Deshalb trägt Dopheides neue Firma auch den Untertitel "Gesellschaft zur Bildung von Vertrauenskapital".

Und wie für Produkte gibt es auch für Menschen sogenannte "Tools", aus denen sich ein Markenwert ermitteln lässt: "Eine Marke durchläuft vier Stufen: Bekanntheit, Akzeptanz, Vertrauen und Identifikation", erklärt Dopheide. So ähnlich funktioniere das auch bei der "Marke Mensch". Beispiele aus der Gesellschaft gibt es reichlich: Franz Beckenbauer, Karl Lagerfeld, Michael Schumacher. Sie alle sind eine Marke. In der Wirtschaft findet man solche Personen heutzutage kaum noch.

Genau da will Dopheide ansetzen: "Wir schauen darauf, wie sich die Person sieht, wie sie in Medien und Öffentlichkeit wahrgenommen wird und wie sie auf Menschen wirkt, die sie nicht kennen", erläutert der Werbeexperte. Daraus lässt sich dann ein Markenwert entwickeln. Auch wenn die Theorie ein wenig trocken erscheinen mag, lässt sich, da ist sich Dopheide sicher, all das sehr praktisch vermitteln.

"Es kommt darauf an, die Persönlichkeit eines Chefs sichtbar zu machen." Das fängt bei Botschaften an die Mitarbeiter an, die nicht standartisiert sind, und hört bei der Wahl des Dienstwagens auf. "Es geht nicht darum, einen Firmenchef in Hochglanzblättern zu platzieren, sondern darum, seine Wirkkraft und Glaubwürdigkeit nach innen zu vergrößern."

Im besten Fall steht dieser Chef mit seiner Klasse und Charakteristik am Ende auch für die Produkte der Firma. Damit war es zuletzt bei vielen deutschen Unternehmen nicht gerade gut bestellt. Nicht genug, dass "Otto-Normal-Verbraucher" die Vorstände großer Firmen nicht mehr kennt. Bei den ständigen Wechseln fällt das selbst der Belegschaft schwer. "Von 198 Dax-Vorständen wurde in den letzten zwei Jahren die Hälfte ausgetauscht", so Dopheide. Auch ein Zeichen von Orientierungslosigkeit, gegen die er kämpfen will.

(RP)
Mehr von RP ONLINE