Schwindel: Wenn Kristalle im Ohr schwindelig machen

Sprechstunde Bernhard Robbers : Wenn Kristalle im Ohr Schwindel auslösen

Der "paroxysmale Lagerungsschwindel" ist eine häufige Erkrankung in der ärztlichen Praxis.

Unser Leser Hans-Georg B. aus Hückeswagen fragt: "Meine Frau ist in letzter Zeit immer müde und klagt über Übelkeit, da sie beim Umdrehen während des Schlafes Schwindel bekommt. Was kann das sein?"

bernhard Robbers Schwindel ist nach Kopfschmerzen das zweithäufigste Leitsymptom, nicht nur in der Neurologie. Allgemein wird das Auftreten von Schwindel bei jüngeren Patienten mit etwa 17 Prozent und bis zu 39 Prozent bei älteren Menschen ab dem 80. Lebensjahr beschrieben. Die im heutigen Fall genannten Schwindelattacken treten auf, wenn sich die Lage des Kopfes im Raum ändert, zum Beispiel im Liegen, wenn der Patient sich im Bett umdreht. So kann schon die erste Bewegung am Morgen Probleme bereiten. Der Schwindel entsteht mit einer zeitlichen Verzögerung von höchstens drei Sekunden und wird von einer 15 bis 30 Sekunden anhaltenden Augenbewegung (Nystagmus) begleitet. Gleichzeitig können Übelkeit und Erbrechen vorhanden sein. Betroffen ist das periphere Gleichgewichtsorgan (Labyrinth) und hier häufiger das rechte als das linke - wahrscheinlich deshalb, so ist zu vermuten, weil die Mehrzahl der Menschen länger auf der rechten Seite liegend schläft. Der akute Schwindel tritt oft nach einer längeren Bettruhe bedingt durch andere Grunderkrankungen auf. Aber auch Schädel-Hirn-Traumata können ursächlich sein. Der Grund dieses Schwindels ist die sogenannte Canalolithiasis. Hierbei handelt es sich um die Ablösung von sogenannten Otokinen (Calciumcarbonatkristallen) in den Bogengängen des Gleichgewichtsorgans, die wiederum mit Endolymphe (einer wässrigen Flüssigkeit) gefüllt sind. Die Kristalle bewegen sich bei den Kopfbewegungen hin und her - das führt zu einer Sogwirkung, welche die Bogengangsrezeptoren reizt. Das Gehirn bekommt daher eine Information über eine Bewegung, die von anderen Sinnessystemen nicht gemeldet wird. Es entstehen auf diese Weise widersprüchliche Informationen im Gehirn, die zu Schwindel führen. Warum sich die Kristalle ablösen, ist bisher nur wenig verstanden. Mit zunehmendem Alter geschieht dies jedoch öfter, so dass Menschen im sechsten und siebten Lebensjahrzehnt häufiger davon betroffen sind. Wiederholte Lagewechsel führen zu einer Abschwächung der Attacken und zu einer Spontanerholung. Halten die Schwindelsymptome jedoch weiterhin an, so hilft ein Befreiungsmanöver durch Herumschwingen des Kopfes durch den Arzt. Die verrutschten Kristalle werden so aus ihrer falschen Position herausbefördert. Bei bis zu 70 Prozent der Patienten wirkt dieses sogenannte Semont-Manöver sofort. In anderen Fällen bietet sich das Lagerungstraining an, welches, wenn es täglich durchgeführt wird, rasch zum Erfolg führen kann. Neben kurzzeitigen Verläufen über Tage oder Wochen, gibt es ebenso solche, die über Jahre andauern können. Grundsätzlich sollte in jedem Fall bei einem klinischen Verdacht auf einen zentralen Schwindel immer eine spezielle radiologische Diagnostik erfolgen, um eine hirnorganische Schädigung auszuschließen.

Bernhard Robbers ist Chefarzt der HNO-Klinik am Dominikus-Krankenhaus in Düsseldorf-Heerdt.

(RP)