Ratgeber: Warum Fett doch nicht immer dick macht

Ratgeber : Warum Fett doch nicht immer dick macht

Fett, nein danke. Man will es nicht haben und auch nicht sein - in der Folge verkneifen sich viele geradezu zwanghaft jedes Gramm Fett. Dabei ist das buttrige, glänzende Etwas essentiell für die Gesundheit. Wir erklären, warum Sie beim Fett besser nicht immer abwinken sollten, wenn Ihnen Ihr Leben lieb ist.

Wir sollten Fett reduzieren, denn tatsächlich essen die meisten zu viel davon und das macht krank. Es fördert Übergewicht, den Bluthochdruck und kann zu Herzinfarkten führen. Das wissen beinahe alle und haben darum tief verinnerlicht "Fett ist fies." Doch das ist nur die halbe Wahrheit, denn Fett ist auch lebensnotwendig. Würde man sich vollkommen fettfrei ernähren, wäre man bald tot. Denn der Körper braucht Fett und das vor allem in Form von essentiellen Fettsäuren.

Fettfreies Leben würde uns töten

Der Körper kann sie nicht selbst herstellen, sie sind jedoch lebenswichtig. Denn sie werden für die Bildung von Zellmembranen bis hin zu Hormonen benötigt. Um diese Botenstoffe bilden zu können, speichern die meisten unserer Organe Fett. In Herz, Leber, Darm und Nieren ist das so. Selbst unser Gehirn besteht zu 70 Prozent aus dem Stoff, den keiner haben will. Das Fett isoliert dort die vielen Nervenzellen und ist sowohl für den Aufbau des unersetzlichen Organs, als auch für seine Funktion unersetzlich. Fette sind nach Informationen des Klinikums der Universität Frankfurt zudem wichtige Botenstoffe des Körpers, die im Körper elementare zelluläre Prozesse steuern und Signale von Zelle zu Zelle übermitteln. Aus diesem Grund können unterernährte Kinder schlechter lernen.

Ein Mangel an essentiellen Fettsäuren kann schlimme Folgen für uns haben und neben Wachstumsstörungen auch zu Unfruchtbarkeit führen. Fett ist zudem wichtig in Sachen Stoßdämpfung. So befindet sich in unseren Fußballen eine gehörige Fettschicht, die unsere Bewegungen abdämpft. Die scheint dem Körper so wichtig zu sein, dass diese Schicht selbst bei Abnehmkuren nicht schwindet.

Vitaminaufnahme — manchmal nur mit Fett

Schlecht stände es ohne den Ernährungsfeind Nummer eins auch um die Aufnahme anderer überlebenswichtiger Stoffe. Betacarotin und die Vitamine A, D, E und K kann der Darm nur über Fett aufnehmen und verdauen. Möhren sind dann besonders gesund, wenn zuvor etwas Fett aufgenommen wurde. Sie enthalten nämlich viel Betacarotin, das fettlöslich ist und so besonders gut aufgenommen werden kann.

Trotz dieser Tatsachen bleibt eine Portion Pommes mit Mayo der Inbegriff einer zwar schnellen, aber ungesunden Mahlzeit. Was darin im Übermaß vorhanden ist, lässt sich beim genüsslichen mit den Fingern eingenommenen Mahl an eben diesen ablesen: Fett. Ganz gleich, ob der anschließende Griff zum Nusseis oder zur Schokolade geht, auch sie sind so lecker, weil sie randvoll sind mit der triefenden Zutat. Denn die dient als Geschmacks- und Aromaträger, so die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, und lässt vielen auch das Munden, was der Zutatenliste nach nicht gerade zu den ernährungstechnischen Highlights zählen würde.

Fett macht nicht immer fett

Doch es ist gar nicht immer das Fett, das fett macht. Denn obwohl die Industrie immer mehr fettreduzierte Produkte auf den Markt brachte und selbst Chips, als Inbegriff des Fettigen, eine Schlankheitskur machen mussten und Fett entzogen bekamen, machten Wissenschaftler die erstaunliche Entdeckung: Selbst ohne Fett nimmt die Bevölkerung weiter zu. Mehr als 65 Prozent der Männer und rund 55 Prozent der Frauen haben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) zufolge deutlich Übergewicht. Wie kann das sein?

Warum Light-Produkte dick machen

Die Suche nach Antworten auf diese ungeheuerliche Frage, lenkte den Blick ausgerechnet auf Lebensmittel, die an sich schlank machen sollen: Light-Produkte. In Wirklichkeit aber stehen diese Schlankmacher in Verdacht, das Gewicht in die Höhe zu treiben. Denn, so fand die irische Forscherin Prof. Barbara Livingstone von der University of Ulster heraus, weil sie fettarm sind, verleiten sie die Menschen dazu, mehr von ihnen zu essen. Dabei übersehen viele Menschen, dass Fett in diesen Produkten häufig durch den ebenfalls wenig begehrten Geschmacksträger Zucker ausgetauscht wird. Wachsen die Portionsgrößen an, ergibt sich dann keine Kalorienersparnis mehr.

Weiterer Nebeneffekt der oft teureren Light-Produkte ist, dass sie häufig mehr Wasser beinhalten, billige Bindemittel, oder mit Luft stark aufgeschlagen werden und so lockerer und leichter wirken. Der Magen aber lässt sich nicht überlisten. Er schlägt schneller wieder Hunger und fordert Nachschub ein. Enthaltene Süßstoffe fördern in vielen Fällen das Hungergefühl, weil sie dem Körper eine Zuckeraufnahme vorgaukeln, der den Insulinspiegel in Erwartung des Stoffs in die Höhe schnellen lässt. Der Blutzuckerspiegel sinkt, der Organismus aber bekommt gar keinen Zucker und unterzuckert. Die nächste Heißhungerattacke ist also vorprogrammiert.

Dicke lügen oft nicht in Sachen Essverhalten

Weil also auch scheinbar verschlankende Produkte die gegenteilige Wirkung haben können, bleibt nur, das eigene Essen kritisch zu beäugen. Denn das, was dicke Menschen dick macht, sind in der Regel weder Fett noch Zucker oder Heißhunger allein, sondern vor allem ihre falsche Energiebilanz. Sie nehmen mehr Energie in Form von Kohlehydraten, Eiweiß oder Fett auf, als sie benötigen. Um in diese Falle zu tappen braucht es eigentlich gar nicht viel. Rund 50 Kalorien täglich mehr als man beim Fensterputzen, Radfahren oder Treppensteigen verbraucht und schon nimmt man zu. 50 Kalorien — da kann man eine Menge essen, wenn man sich für Gemüse entscheidet: 200 Gramm Spinat zum Beispiel, aber nur eine Praline. Der Übergewichtige, der also zum Arzt sagt "Ich esse aber gar nicht viel", der sagt oft vermutlich die Wahrheit. Oft krankt es nicht an der Essensmenge, sondern an der Nahrungszusammenstellung.

Es bleibt zu guter Letzt die Erkenntnis, dass das als ekelig verschriene Fett auch seine gute Seiten hat. Erst jüngst fanden kalifornische Forscher heraus, dass es uns sogar vor Infektionen schützen kann. Verletzten wir uns, wehrt es unter der Haut eingelagert Bakterien ab. Wissenschaftler schrieben diese Funktion bislang einzig und allein der Hautbarriere zu. Zeigt also: Fettpölsterchen entsprechen zwar nicht in jedem Fall dem Schönheitsideal eines jeden, können aber sogar gesundheitsförderlich sein.

(wat)