Mark Zuckerberg in Berlin: Öffentliche Fragerunde in Berlin

Öffentliche Fragerunde : Die Mark-Zuckerberg-Show in Berlin

Was hat Mark Zuckerberg in Deutschland zu sagen? Der Facebook-Chef beantwortete in Berlin am Freitag die Fragen seiner Nutzer. Der Beziehungsstatus zwischen Deutschland und Facebook steht auf kompliziert.

Öffentliche Fragerunden haben bei Facebook Tradition. Regelmäßig stellt sich Gründer Mark Zuckerberg den Fragen seiner Mitarbeiter. Diese internen Gespräche sind fest in der Firmenkultur verankert. Zuckerberg vermittelt seine Vision, erklärt aktuelle Projekte, spricht aber auch interne Probleme an. Ab und zu finden diese Fragerunden auch öffentlich statt. Dann dürfen Mitglieder des größten sozialen Netzwerks ihre Fragen an Zuckerberg stellen. So auch am Freitag bei der Mark-Zuckerberg-Show in Berlin.

Dabei überlässt er nichts dem Zufall. Spontane Fragen hat Zuckerberg nicht zu erwarten. Vor Wochen hat er diese schon auf seinem Facebook-Profil eingesammelt. Kritische Fragen werden nicht ausgeblendet, jedoch werden die Personen ausgewählt, die die Frage stellen dürfen. So hatte ein Student des Potsdamer Hasso-Plattner-Instituts eine Videobotschaft bei seiner Anmeldung zu der Fragerunde angehängt. "Wenige Tage später kam dann die Zusage, die Frage auf der Veranstaltung persönlich an Mark richten zu können", lässt der Bachelorstudent Jonas Umland in einer Mitteilung des Instituts bekanntgeben.

Facebook bezeichnet die Veranstaltung als "Townhall Q+A", in Anlehnung an die Townhall-Meetings von amerikanischen Politikern, die sich für Fragen und Antworten (Questions and Answers) mit ihren Bürger in den Stadthallen (Townhall) treffen. Hier sehen sie die Fragerunde live:

Live from our Townhall Q&A in Berlin. Comment to ask a question!

Außerdem können Sie die Live-Tweets unseres Reporters Daniel Fiene über Twitter verfolgen: .

Der Besuch von Mark Zuckerberg in diesem Jahr ist kein Zufall. In den letzten Monaten gab es für Facebook großen öffentlichen Druck wegen des laschen Umgangs mit Hasskommentaren. Lange bewegte sich Facebook nicht, aber seitdem auch US-Medien über die negative Facebook-Stimmung in Deutschland berichten und selbst die Kanzlerin den Facebook-Gründer bei einer Gelegenheit auf das Problem ansprach, bewegt sich etwas.

Facebook arbeitet inzwischen mit der Bertelsmann-Tochter Arvato zusammen, damit von Berlin aus Kommentare kontrolliert werden. Außerdem war kürzlich die Facebook-Geschäftsführerin Sheryl Sandberg in Berlin, um eine europäische Initiative für Gegenrede vorzustellen, bei der Facebook auch Gelder für Forschungs- und Öffentlichkeitsarbeit zur Verfügung stellt.

Und jetzt kommt Facebook-Gründer Mark Zuckerberg persönlich vorbei. Er nutzt seinen Europa-Aufenthalt rund um den Mobile World Congress in Barcelona, der Anfang der Woche stattgefunden hatte. Um es im Facebook-Sprech auszudrücken: Der Beziehungsstatus zwischen Zuckerberg und Deutschland steht auf "kompliziert".

"Ich kann es kaum erwarten, wieder einmal in einer meiner absoluten Lieblingsstädte zu sein", schrieb Zuckerberg in seine Ankündigung. Die gute Seite dieser Beziehung konnte Zuckerberg bereits gestern genießen. Der Axel-Springer-Verlag verlieh am Abend zum ersten Mal einen gleichnamigen Preis an den 31-Jährigen, um ihn als Internet-Visionär und vorausdenkenden Unternehmer zu würdigen — begleitet durch eine wohlwollende Berichterstattung in der Springer-Presse. Am Nachmittag beschäftigte sich Zuckerberg mit deutscher Technologie, die er sehr schätzt.

"Ohne europäische Beteiligung können wir unsere Forschung nicht voran bringen", sagte Zuckerberg am Nachmittag in einer temporär aufgestellten Ausstellung um eigene technische Innovationen zu fördern. Im Zentrum steht die Forschung rund um künstliche Intelligenz, die in der EU weiter ist, als unter US-Forschern. Laut Zuckerberg unterscheidet sich Deutschland von anderen EU-Ländern, weil es hier im ganzen Land auch abseits der Universitäten Forschungszentren gibt. Deutsche Forschungsprojekte erhalten Zugang zu 25 Hochleistungs-Servern von Facebook. Diese haben einen Wert von rund einer Million Euro. Die Bedingung: Die Forscher müssen ihre Ergebnisse als Open-Source für alle zur Verfügung stellen.

Die komplizierte Seite dieser Beziehung liegt weiter im Umgang mit den Hasskommentaren. Auch wenn die öffentliche Debatte seit der Silvesternacht von Köln sich mehr um Übergriffe auf den Straßen beschäftigt, als mit der Hetze im Netz, ist das Thema noch nicht vom Tisch. Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) nutzte am Nachmittag das Treffen mit Zuckerberg, um über den Umgang mit Hetze im Netz zu sprechen. Laut Altmaier habe Zuckerberg die Bedeutung des Problems verstanden.

"Wir werden sehr darauf achten, dass Facebook seine Ankündigungen auch umsetzt", erklärte Altmaier nach dem Treffen. "Deutsche Gesetze müssen eingehalten werden. Hasskommentare müssen aus dem Internet entfernt werden." In ihrem Gespräch drehte es sich auch darum, wie Facebook deutsche Startups und den IT-Sektor unterstützen könne.

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(dafi)
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