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Automobilclub in der Krise: ADAC schließt weitere Fälschung nicht aus

Automobilclub in der Krise : ADAC schließt weitere Fälschung nicht aus

Möglicherweise wurde die Reihenfolge der beliebtesten Autos bei der Wahl zum "Gelben Engel" manipuliert. Und es gibt neue Vorwürfe: Pannenhelfer verkaufen angeblich gezielt teure Batterien.

Der ADAC versucht, bei der Bewältigung seiner Skandalserie aus der Defensive zu kommen. In einem Interview mit der hauseigenen Zeitschrift "Motorwelt" kündigt ADAC-Präsident Peter Meyer an, dass die Wirtschaftsprüfungsfirma Deloitte untersuchen wird, ob beim Preis "Gelber Engel" möglicherweise auch die Reihenfolge der bei der Leserwahl gekürten Autos manipuliert wurde. Bisher hatte der Automobilclub nur eingeräumt, die Zahl der insgesamt abgegebenen Stimmen nach oben frisiert zu haben, um die Bedeutung des Preises zu erhöhen — doch die Reihenfolge der Sieger sei gleich geblieben.

"Die neue Untersuchung zeigt, dass die ADAC-Spitze alles für denkbar hält", kommentiert Ferdinand Dudenhöffer, Leiter des CAR Zentrums für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg- Essen.

Gezielt teurere Autobatterien verkauft?

In dieses Bild passt ein neuer Vorwurf: Nach Recherchen der "Süddeutschen Zeitung" und des NDR-Magazins "Panorama" drängt der Autoclub seine Pannenhelfer, eigens für den ADAC von der Firma Varta gefertigte Auto-Batterien zu verkaufen. Ein ehemaliger Straßenwachtfahrer hat demnach behauptet: "Autofahrern werden Batterien aufgeschwatzt, die sie nicht brauchen oder die sie bei einem regulären Einkauf weit günstiger bekommen könnten." Der ADAC wies die Vorwürfe zurück. Vor dem Tausch einer Batterie werde diese mit einem Batterietester geprüft. Mit Stichproben werde bei ausgetauschten Batterien geprüft, ob sie tatsächlich defekt sind. Unstrittig ist aber, dass der ADAC mit dem Batteriegeschäft Geld verdient.

Interessanterweise stellt sich Meyer in dem Interview nicht hinter ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair. Stattdessen wird die Demission des Kommunikationschefs als "richtiger Schritt" bewertet, dem "weitere Schritte" folgen müssen. Meyer: "Unsere Mitglieder haben das Recht auf umfassende Aufklärung."

Club geht in die Offensive

Dabei versucht der Club, mit der Flut an Kritik möglichst geschickt umzugehen. Externe Berater für Pressearbeit wurden nach Informationen unserer Zeitung angeheuert. Demonstrativ druckt die "Motorwelt" kritische Leserbriefe zum Gebaren des ADAC ab und zeigt auf einer halben Seite negative Medienberichte über den Club-Skandal. "Die versuchen den Stier bei den Hörnern zu fassen", erklärt der Düsseldorfer Kommunikationsberater Frank Wilmes die Taktik. "Nur indem ich zugebe, imagemäßig ganz unten zu sein, kann ich im nächsten Schritt die Mitglieder um Vergebung und Solidarität bitten."

So ist es auch kein Wunder, dass die aktuelle Ausgabe der "Motorwelt" den Titel "Die Krise als Chance" hat. In der Titelgeschichte wird auch angesprochen, wie Mitarbeiter des ADAC unter Kritik leiden. So erzählt ein Straßenwachtfahrer, ein Kollege sei mit "Da kommt ja der Verbrecher" begrüßt worden.

(RP)