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ADAC-Chef Peter Meyer gibt den Aufräumer

ADAC-Chef Peter Meyer : Der Herr der gelben Engel gibt den Aufräumer

Peter Meyer ist seit 2001 Präsident des ADAC. Sein Einfluss ist dem Speditionskaufmann zu Kopf gestiegen. Erst wollte er mit der Krise nichts zu tun haben. Nun gibt er den großen Aufräumer. Die Rücktritts-Rufe werden lauter.

Die Netzgemeinde hat ihr Urteil über Peter Meyer gefällt. Tausende haben auf der Facebook-Seite "Wir fordern den Rücktritt von Peter Meyer als ADAC-Präsident" ihren Unmut deutlich gemacht. Finanzminister Wolfgang Schäuble erklärte, der ADAC habe sich mit der Affäre schwer geschadet. "Verantwortung, Kontrolle und Transparenz müssen jetzt die Stichworte sein. Auch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer ging auf Distanz. Der ADAC sei eine mächtige Institution, bei der sich "eine Tendenz zur Selbstüberhöhung eingeschlichen" habe, sagte er dem "Focus".

Damit wird es ungemütlich für Peter Meyer. Der 64-jährige Präsident hatte lange Zeit versucht, sich aus der Debatte um die gefälschte Wahl zum "Lieblingsauto der Deutschen" herauszuhalten, dann schob er seinem Kommunikations-Chef die alleinige Verantwortung zu.

Doch es half nichts, die Republik diskutierte weiter die Geschäftspraktiken des Automobilclubs. Als dann bekannt wurde, dass die ADAC-Spitze in zehn Jahren 30 Mal Rettungshubschrauber für Termine genutzt hat, trat Meyer die Flucht nach vorne an. "Die Kritik der letzten Tage habe ich verstanden", gab Meyer in der "Bild am Sonntag" den Reumütigen. Mit Transparenz und mehr Mitglieder-Einbindung werde es gelingen, die Vertrauenskrise zu überwinden. Rücktrittsforderungen weist er aber von sich. "Als Präsident wurde ich mit großer Mehrheit bis 2017 wiedergewählt. Ich stehe zu meiner Verantwortung und werde die Vorkommnisse umfassend aufklären."

Dass er selbst womöglich Teil des Problems ist, sieht er nicht. "Ihm ist der Erfolg der vergangenen Jahre zu Kopf gestiegen", sagen Branchenkenner, die Meyer beratungsresistent und sein Auftreten breitschultrig nennen. Meyer ist ein klassischer Aufsteiger. Dass er einmal Gastgeber von glamourösen Galas werden würde, auf denen sich die Chefs der Autokonzerne drängeln, war ihm nicht in die Wiege gelegt. 1946 geboren im westfälischen Wiedenbrück machte er nach dem Fachabitur zunächst eine Lehre zum Speditions-Kaufmann und bildete sich dann zum Diplom-Betriebswirten weiter. Später machte er sich im Speditionsgewerbe selbstständig.

Dem ADAC trat er 1970 bei. Seit 2001 führt er als Präsident den ADAC Deutschland. Über sein Privatleben weiß man wenig. Lebensläufe, wie sie jeder Mittelständler vom Vorstandschef veröffentlicht, sind beim ADAC nicht zu finden. Meyer soll leidenschaftlicher Jaguar-Fahrer und Jäger sein, heißt es. Beides passt ins Bild. Übrigens auch, dass der ADAC auf Bundesebene nicht eine Frau im Präsidium oder Verwaltungsrat hat.

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Meyer baute den ADAC vom braven Club zum Wirtschaftsimperium um. Heute bietet der ADAC neben Pannenhilfe auch Autofinanzierungen und -versicherungen, Tank-Apps und Fernbus-Reisen an. Die Zahl der Mitglieder stieg unter Meyer von 14 auf 19 Millionen. Die Vereinsstruktur behielt er bei. Dass ersparte dem Club die Einrichtung von lästigen Kontrollgremien. "Bei einer Organisation mit Milliarden-Umsätzen stellt sich die Frage, ob eine Vereinsstruktur die notwendige Kontrolle ermöglicht", sagte Stefan Bratzel, Auto-Experte der Fachhochschule Bergisch Gladbach. Das Amtsgericht München prüft bereits den Vereinsstatus. Auch Seehofer stellte ihn am Wochenende infrage. Bei solchen Vorkommnissen steht alles auf dem Prüfstand, sagte er.

Seehofer ist sauer auf den ADAC, weil dieser seine Pläne zur Pkw-Maut zunächst ablehnte und die Mitgliedzeitschrift "Motorwelt" für entsprechende Propaganda nutzte. Nun versucht der ADAC, wieder Gutwetter zu machen. Er hat Marktforschungen zur Maut-Frage in Auftrag gegeben und will damit wohl den Rückzug vom harten Nein einleiten. Der ADAC braucht die bayerische Regierung, ihre Finanzbehörden entscheiden, ob der Verein mit Sitz in München weiter von der vollen Umsatzsteuer auf die Mitgliedsbeiträge befreit bleibt.

Peter Meyer jedenfalls versteht die ganze Aufregung nicht, auch nicht um seinen Flug im Helikopter. "Eine Aufgabe des Präsidiums ist es, den ADAC so oft wie möglich zu repräsentieren", erklärte er. Im übrigen seien die Flüge ordnungsgemäß abgerechnet worden. Was sie kosten, sagte er nicht. Natürlich nicht.

(RP)