Hertha BSC: Klinsmann ist dem Torwarttrainer "zu amerikanisch"

Noch kein Durchbruch bei Hertha: Klinsmann ist dem Torwarttrainer "zu amerikanisch"

Jonathan Klinsmann hat erst ein Profi-Pflichtspiel für Hertha BSC bestritten, jetzt wird er vom Torwarttrainer hart kritisiert. Er muss an seiner Einstellung arbeiten.

Hertha BSC bittet zum Pressegespräch mit seinem dritten Torwart - und rund 20 Journalisten kommen. Das Interesse an Jonathan Klinsmann ist beim Hauptstadtklub auch nach neun Monaten ungebrochen, was natürlich an seinem berühmten Nachnahmen liegt. Noch wird der 20-Jährige vor allem als Sohn des Welt- und Europameisters Jürgen Klinsmann wahrgenommen, und jetzt muss er sich auch noch knallharte Kritik seines Torwarttrainers gefallen lassen.

"Die letzten zwei, drei Monate waren nicht gut. Da sind wir mit seiner Entwicklung nicht zufrieden", sagte Herthas Torwartcoach Zsolt Petry. Der Ungar, dem Chefcoach Pal Dardai blind vertraut, bemängelt bei Klinsmann aktuell "das seriöse und fokussierte Arbeiten", da sei er "noch ein bisschen zu amerikanisch".

Dazu passt, dass der Deutsch-Amerikaner sich scheute, in der Medienrunde am Dienstag auf deutsch zu antworten. Die Sprachbarriere sei ein Grund, warum er auf dem Platz noch nicht so richtig aus sich herauskomme. Die lockere Art, die Petry kritisierte, sei dagegen eigentlich seine Stärke, sagte der Kalifornier, "dadurch bin ich in Spielen weniger aufgeregt". Bei Hertha muss er nun aber vor allem deutsche Tugenden zeigen, will er hier trotz Vertrages bis 2019 eine Zukunft haben.

Klinsmanns Ziele sind ambitioniert. "Mein langfristiges Ziel ist, hier bei Hertha die Nummer eins zu werden", sagte junge Torwart. Im Interview mit dem SID ergänzte er: "Ich will mich so etablieren, dass die Menschen, wenn sie den Namen Klinsmann hören, an Jürgen und Jonathan denken."

Genügend Talent bringt der frühere Junioren-Nationaltorwart der USA mit. Das hat er auch bei seinem starken Debüt im Europa-League-Spiel im Dezember in Östersund (1:1) bewiesen, als Klinsmann mit einem gehaltenen Elfmeter in der Schlussphase den Punkt sicherte. Vater Jürgen und andere Familienmitglieder seien in diesem Moment am anderen Ende der Welt "ausgeflippt", verriet Klinsmann: "Ich habe ein Video meiner Familie bekommen, das war großartig."

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Danach gab es aber keine Profispiele mehr zu feiern, stattdessen sammelte Klinsmann in der Regionallliga bei Hertha BSC II Spielpraxis. Die beiden erfahrenen Torhüter Rune Jarstein und Thomas Kraft sind ihm noch deutlich voraus. Klinsmann hat zwar reichlich Muskelmasse aufgebaut, doch in Sachen Ausstrahlung fehlt ihm noch ein gutes Stück.

"Ich bin als 20 Jahre alter Collegespieler hier hergekommen, ich habe noch viel zu lernen", sagt Klinsmann. Dabei hilft ihm auch Papa Jürgen, der bei Hertha Vereinsmitglied ist und seinen Sohn auch in Regionalligaspielen vor Ort unterstützt. "Er war Stürmer und verdammt gut darin, den Ball am Torwart vorbeizubekommen", sagte Klinsmann junior: "Wenn ihm etwas an meinem Spiel auffällt, dann sagt er es mir."

Sein Torwart-Vorbild war früher Jens Lehmann, heute schaut er zu Marc-André ter Stegen vom FC Barcelona auf. Auch Tim Howard, den 110-maligen Nationaltorhüter der USA, bewundert Klinsmann. Dass er nach der verpassten WM-Qualifikation der Amerikaner beim Neuaufbau eine Rolle spielen könnte, darauf hofft der U20-Nationaltorhüter zumindest.

Doch so weit ist es noch lange nicht, zuerst muss Klinsmann bei Hertha sein Formtief überwinden.

(can)