Das Aus von Real Madrid: Spanische Presse: Higuain ist der Sündenbock

Das Aus von Real Madrid: Spanische Presse: Higuain ist der Sündenbock

Düsseldorf/Madrid (RPO). Mit Superstar Cristiano Ronaldo und dem Brasilianer Kaká wollte der stolze Klub von Real Madrid wieder an große Zeiten anknüpfen. Doch auch mit ihnen ist er im Achtelfinale der Champions League gescheitert. Nach dem bitteren 1:1 im Rückspiel gegen Olympique Lyon geben spanische Medien dem Argentinier Gonzalo Higuain die Schuld.

Für die Marca waren zwei Szenen entscheidend, in denen, Higuain zu eigensinnig war. In Minute 27 und 58 hätte Higuain den Ball lieber auf den besser postierten Portugiesen abgespielt, als es auf eigene Faust zu versuchen. Ronaldo hob nach den beiden Szenen fragend die Arme in den Himmel.

Zudem traf Higuain, der im Länderspiel gegen Deutschland den 1:0-Siegtreffer für die "Gauchos" erzielt hatte, in Halbzeit eins nur den Pfosten, obwohl das Lyoner Tor bereits verwaist war. "Wieso spielt Higuain hier den Ball nicht zu Ronaldo?", fragt die "Marca" am Freitag und zeigt dabei ein Bild, auf dem Ronaldo und Higuain diskutieren.

"Wir können nicht kämpfen, als wären wir eine Mannschaft", sagte Mittelfeldspieler Guti laut des lokalen Fernsehsenders Telemadrid nach dem Spiel und spricht Ronaldo damit wohl aus der Seele.

Die Protagonisten und Fans von Real Madrid sind aus einem Albtraum erwacht. Das Scheitern im Achtelfinale der Champions League durch das Remis gegen Lyon (Hinspiel 0:1) ist für den spanischen Rekordmeister ein sportliches Desaster. Denn der Klub um den ehrgeizigen Präsidenten Florentino Perez hatte seine Mannschaft im vergangenen Jahr mit rund 250 Millionen Euro verstärkt.

Portugals Ausnahmefußballer Cristiano Ronaldo, den die Königlichen für 94 Millionen Euro von Manchester United holten, und der brasilianische Mittelfeldspieler Kaká, den sie für 65 Millionen Ablöse vom AC Mailand loseisten, sollten bei Real eine neue Zeitrechnung einläuten. Quasi die Ära der "Galaktischen II" in der Nachfolge der Superstars Luis Figo, Zinedine Zidane und David Beckham.

Der zweite Albtraum wird Madrid womöglich am 22. Mai aufschrecken. Dann nämlich, wenn der FC Barcelona den Titel in der Champions League erfolgreich verteidigt. Ausgerechnet der Erzrivale und ausgerechnet im Bernabeu-Stadion, in der imposanten Spielstätte Reals. Die Demütigung könnte kaum schlimmer sein für den stolzen Hauptstadtverein, den erfolgreichsten Klub der Europapokalgeschichte, der mit seinem neuformierten Superensemble endlich wieder die wichtigste europäische Trophäe für Klubmannschaften gewinnen wollte.

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Letzter Triumph 2002

Acht Jahre nach dem 2:1-Endspielerfolg gegen Bayer Leverkusen im Glasgower Hampden-Park. Es sollte ein glanzvoller Jubiläumstriumph werden, der zehnte in der Historie des Europacups der Landesmeister bzw. der Champions League.

Züge einer Massenhysterie hatte die Szene, als Real im Juli vergangenen Jahres den Fans im Bernabeu-Stadion Weltfußballer Ronaldo präsentierte und Jubelstürme unter den 80.000 Zuschauern entfachte. Welche Klasse, Explosivität und Treffsicherheit der Portugiese hat, ließ er vor der Pause der Partie gegen Lyon beim Führungstor der Madrilenen aufblitzen.

Mit sieben Treffern ist Ronaldo vor Spielern wie dem Wolfsburger Edin Dzeko oder Wayne Rooney von Manchester United (je vier) erfolgreichster Torschütze der kontinentalen Eliteklasse. Verhindern konnte indes auch er nicht, dass Real nun schon zum sechsten Mal hintereinander im Achtelfinale auf der Strecke blieb. Eine geradezu grotesk anmutende Bilanz für einen Klub, der in seinem Einkaufswahn alle Dimensionen gesprengt hat.

"Jupp Heynckes konnte noch nicht mal der Gewinn der Champions League 1998 retten", sagte der frühere Dortmunder Abwehrspieler Christoph Metzelder, der Real am Saisonende vermutlich wieder verlassen wird. Heynckes hatte mit seinem Team, dem auch der ehemalige Kölner Torhüter Bodo Illgner angehörte, das Finale gegen Juventus Turin (1:0) gewonnen -- wenige Tage später musste er gehen.

Jetzt ist der chilenische Coach Manuel Pellegrini wohl nur noch ein Trainer auf Abruf. Ihm hilft kaum, dass die Königlichen am Wochenende den FC Barcelona von der Spitze der spanischen Primera Division verdrängen konnten. Von 1999 bis heute haben bei Real zehn Trainer gearbeitet. Einen Ehrenpreis für Kontinuität hätte der Klub genauso wenig verdient wie die Champions-League-Trophäe.

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