Syrischer Bürgerkrieg: Bei Raketenangriff auf Vorort von Damaskus sterben 44 Menschen

Syrischer Bürgerkrieg: Bei Raketenangriff auf Vorort von Damaskus sterben 44 Menschen

Rebellen haben eine Rakete auf einen Vorort von Damaskus abgefeuert. Der Raketenangriff aus Ost-Ghuta war der blutigste Angriff auf die Hauptstadt seit Beginn des Bürgerkriegs.

Nach dem Raketenangriff der Rebellen auf einen Vorort von Damaskus ist die Zahl der Todesopfer laut syrischen Staatsmedien auf 44 gestiegen. "Neun weitere Zivilisten verloren ihr Leben", zitierte die staatliche Nachrichtenagentur Sana am Mittwoch Polizeiquellen.

Weitere Verletzte befänden sich noch auf den Intensivstationen der Krankenhäuser. Regierungstruppen und Rebellen einigten sich derweil auf die Evakuierung einer Stadt in der umkämpften Region Ost-Ghuta.

Auf einer belebten Straße im östlich von Damaskus gelegenen Vorort Dscharamana waren zum Zeitpunkt des Raketenangriffs zahlreiche Zivilisten unterwegs, die Geschenke für den in Syrien am Mittwoch gefeierten Muttertag kaufen wollten. Der Raketenangriff aus Ost-Ghuta war der blutigste Angriff auf die Hauptstadt seit Beginn des Bürgerkriegs. Zunächst hatten syrische Staatsmedien von 35 Toten berichtet.

"Möge Gott ihnen niemals vergeben! Die Rakete traf uns, als wir gerade einkaufen waren", sagte im Krankenhaus die Überlebende Umm Hischam, die mit ihren Kindern vor einem Süßwarengeschäft stand, als das Geschoss einschlug. Ihr wurde ein Bein amputiert, über das Schicksal ihrer Kinder war sie im Ungewissen.

Die Rebellen in Ost-Ghuta feuern seit Jahren regelmäßig Mörsergranaten und Raketen auf Damaskus. Syriens Machthaber Baschar al-Assad führt den fortgesetzten Beschuss als Grund für seine Offensive gegen die Rebellenenklave an.

Seit dem Start der Offensive am 18. Februar eroberten die Regierungstruppen mit russischer Luftunterstützung bereits 80 Prozent der Rebellengebiete, die nunmehr in drei Teile gespalten sind.

Linken-Fraktion spricht von Kriegsverbrechen

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Die Fraktion der Linken im Bundestag verurteilte den Raketenangriff als "Kriegsverbrechen". Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Heike Hänsel forderte die Bundesregierung in einer Mitteilung auf, "sich für eine Ende aller Bombardierungen in Syrien einzusetzen". Die Regierung müsse den Angriff ebenso verurteilen wie "sie es richtigerweise mit den Angriffen auf Ost-Ghuta getan hat", hieß es weiter.

Die islamistische Rebellengruppierung Ahrar al-Scham einigte sich derweil mit der Regierung auf die Evakuierung der Stadt Harasta in Ost-Ghuta. Die Vereinbarung sehe vor, dass die "Rebellen die Stadt mit ihren Waffen verlassen" könnten, teilte ein Sprecher der Gruppierung mit. Auch Zivilisten könnten die Stadt in Richtung Nordsyrien verlassen.

Assad hatte am Sonntag erstmals seit Jahren die Teile von Ost-Ghuta besucht, aus denen die Aufständischen vertrieben worden waren. Laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden bei der Offensive mehr als 1350 Zivilisten getötet, darunter fast 300 Kinder. Auch am Dienstag wurden ihren Angaben zufolge bei Luftangriffen auf Duma 29 Zivilisten getötet, in anderen Ortschaften gab es demnach neun Tote.

Die in Großbritannien ansässige Organisation bezieht ihre Informationen von Ärzten und Aktivisten vor Ort. Für Medien sind die Angaben kaum zu überprüfen.

Mehr als 70.000 Menschen aus Ost-Ghuta geflohen

Der UN-Hilfskoordinator in Syrien, Ali al-Zaatari, kritisierte die "tragischen" Lebensbedingungen tausender Zivilisten, die in der vergangenen Woche aus Ost-Ghuta geflohen waren. Er selber würde "keine fünf Minuten" in dem Auffanglager in Adra, nördlich der Rebellenenklave, bleiben, sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Nach wochenlangen Bombardierungen durch Regierungstruppen sind mehr als 70.000 Menschen aus Ost-Ghuta geflohen.

Hunderte Flüchtlinge schlafen in Behelfsunterkünften unter Planen. Dutzende Menschen, darunter Frauen und Kinder, müssen vor den wenigen Toiletteneinrichtungen anstehen. Al-Zaatari forderte eine baldige Rückkehr der Menschen in ihre Wohnorte.

(heif)