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Nach dem Fund am Hauptbahnhof: Hunderte Hinweise auf Bonner Bombenleger

Nach dem Fund am Hauptbahnhof : Hunderte Hinweise auf Bonner Bombenleger

Im Fall der in Bonn gefundenen Bombe fehlt von den zwei Verdächtigen noch jede Spur. Aus der Bevölkerung gingen aber bereits hunderte Hinweise auf die beiden ein. Laut hochrangigen Sicherheitskreisen planten die Männer die Tat zusammen.

Am Glühweinstand von Beate Neuen auf dem Bonner Weihnachtsmarkt herrscht abends Hochbetrieb. Der Bombenfund am Hauptbahnhof schreckt die Menschen nicht ab. Auch die Warnung des Bundesinnenministeriums vor einem erhöhten Anschlagsrisiko beeindruckt die Besucher wenig. Einen Anschlag befürchtet niemand. Durch die verstärkte Polizeipräsenz auf dem Markt fühlen sich die Bonner sicher.

Von den mutmaßlichen Terroristen, die am Montagmittag einen Sprengsatz in einer blauen Sporttasche am Gleis 1 des Bonner Hauptbahnhofs abstellten, fehlt nach wie vor jede Spur. Der Sprengsatz war nach Einschätzung der Ermittler hochgefährlich. "Wir haben die Fahndung nach den zwei Verdächtigen intensiviert", sagte ein Sprecher der Kölner Polizei.

Der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, sagte in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst", man stehe erst am Anfang der Ermittlungen. Im Anschluss an die Fernsehausstrahlung gingen bei der Polizei Hunderte Hinweise aus der Bevölkerung ein, die jetzt abgearbeitet werden. Laut Polizei sei eine heiße Spur bislang nicht dabei gewesen.

In einem Schneelrestaurant gefilmt

Gesucht werden zwei Männer. Gefahndet wird nach einem hellhäutigen Mann mit einem auffälligen langen Kinnbart, der wegen seines äußeren Erscheinungsbildes der salafistischen Szene zugerechnet wird. Er wurde von einer Überwachungskamera in einem Schnellrestaurant am Bonner Bahnhof mit einer blauen Reisetasche gefilmt — eine Stunde vor dem Bombenfund.

Bei dem zweiten Gesuchten handelt es sich um einen dunkelhäutigen, etwa 1,90 Meter großen und 30 bis 35 Jahre alten Mann. Laut Zeugenaussagen, die von der Polizei als glaubwürdig eingestuft werden, soll er die Tasche mit dem Sprengsatz zwei wartenden Jugendlichen auf dem Bahnsteig vor die Füße geschoben haben. Aus Sicherheitskreisen war zu erfahren, dass der Mann mit dem auffälligen Bart ihm die Tasche übergeben haben soll. Die Kölner Polizei wollte das aus ermittlungstaktischen Gründen nicht offiziell bestätigen. Der genaue Tatablauf sei weiter unklar, hieß es.

Die Ermittler interessieren sich besonders für die eine Stunde, die zwischen den Aufnahmen aus dem Schnellimbiss (12.09 Uhr) und der Entdeckung der Bombentasche (13.05 Uhr) liegt. "Zeugen, die die beiden Männer in der Zeit am Bahnhof gesehen haben, bitten wir, sich bei uns unter 0221 229 0 zu melden", sagte ein Kölner Polizeisprecher. Anders als aus dem Fastfoodrestaurant gibt es von der Überwachungskamera am Bahnsteig keine Aufnahmen.

Kamerabilder werden nicht aufgenommen

Der Einsatzleiter der Polizei, Norbert Wagner, bezeichnete das als großes Dilemma. "Die Bilder hätten unseren Ermittlungen mit Sicherheit sehr geholfen." Zwar hat die Bahn am Bonner Hauptbahnhof mehrere Kameras installiert, doch dienen die wohl eher dazu, Reisende in Sicherheit zu wiegen, als bei der Ermittlung von Straftaten zu helfen.

Die Bilder der Kameras werden nach Bahnangaben nämlich nicht aufgenommen, sondern nur "live" in eine Überwachungszentrale nach Aachen gesendet. Dort stehen gerade mal einige Monitore bereit, um das Geschehen von landesweit mehr als 20 Bahnhöfen wiederzugeben. Laut Deutscher Bahn gibt es jedoch eine Reihe von größeren Bahnhöfen wie Köln oder Düsseldorf, in denen das Geschehen aufgezeichnet werde.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Bombenfund in Bonn - der brisante Tascheninhalt

(RP/das)