Kinderreport 2009: Drei Millionen Kinder in Deutschland gelten als arm

Kinderreport 2009 : Drei Millionen Kinder in Deutschland gelten als arm

Berlin (RP). Kinder aus sozial benachteiligten Familien haben in Deutschland wenig Chancen auf Bildungserfolg. Das geht aus dem vom Deutschen Kinderhilfswerk gestern in Berlin veröffentlichten "Kinderreport 2009" hervor.

Mit dem Report zieht das Deutsche Kinderhilfswerk eine Bilanz zur Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention mit dem Schwerpunkt Bildung. Dringenden Handlungsbedarf sieht das Hilfswerk auch bei der Armutsbekämpfung. Laut Report hat sich die Kinderarmut in Deutschland mit rund drei Millionen betroffenen Kindern auf hohem Niveau eingependelt.

Der Präsident des Deutschen Kinderhilfswerkes, Thomas Krüger, appellierte an die Politik, für ein durchlässigeres Bildungssystem zu sorgen. Die Mitautorin des Kinderreports, Nadia Kutscher, warnte unterdessen davor, Eltern weiter unter Druck zu setzen und forderte, ihnen stattdessen mehr materielle, strukturelle und personelle Unterstützung und Entlastung anzubieten. Gerade finanziell schwierig gestellte Familien müssten viel leisten, um ihre Kinder zu erziehen.

Nach Ansicht von Krüger ist das "relativ starre Bildungssystem" in Deutschland problematisch, da es nur wenige Möglichkeiten zur individuellen Förderung von Kindern biete. Er monierte, die Wahrscheinlichkeit, dass ein Akademikerkind Abitur mache, sei sechs Mal höher als bei Kindern aus anderen Familien. Um die soziale Benachteiligung zu bekämpfen, sei ein durchlässigeres Schulsystem notwendig, das ein längeres gemeinsames Lernen ermöglicht, sagte der Präsident.

Thomas Krüger forderte, die Bildungsausgaben in Deutschland müssten deutlich erhöht werden. Dabei müsse die Priorität auf dem Aufbau und Ausbau von Ganztagsschulen liegen. Betreuungseinrichtungen wie Kindertagesstätten müssten ferner von Betreuungs- in Bildungseinrichtungen umgewandelt werden.

(RP)
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