Solingen: Klinikum setzt auf saisonale Belegung

Solingen: Klinikum setzt auf saisonale Belegung

Um Verluste zu kompensieren, soll künftig Personal effizienter eingesetzt werden. Stationen werden am Wochenende geschlossen.

Steigende Personal- und Sachkosten, niedrige Zinsen für die Rücklagen und ein Investitionsstau sorgen im Städtischen Klinikum dafür, dass trotz gestiegener Patientenzahlen und Umsätze das Jahr 2014 mit einem Verlust von 1,81 Millionen Euro abschließt. Wie Geschäftsführer Hermann-Josef Bökmann gestern bei der Vorstellung des Jahresergebnisses erläuterte, wird medizinische Leistung immer teurer, so dass die steigenden Erlöse den Aufwand an Personal, Material und Energie nicht mehr kompensieren können. Entstehende Finanzlücken muss das Haus vermehrt aus Rücklagen finanzieren, für die es andererseits immer weniger Zinsen gibt.

Als Beispiel für ein Verlustgeschäft nannte Bökmann die Aufwendungen für einen ambulanten Patienten. "125 Euro betragen die Aufwendungen, 25 Euro bekommen wir davon erstattet." Aus den ambulanten Leistungen hat das Klinikum im vergangenen Jahr acht Millionen Euro erlöst, bei den stationären waren es 98 Millionen.

Geld verdienen können Kliniken heute unter anderem mit den Wahlleistungen, doch auch hier sind im Klinikum die Erlöse rückläufig. Das liegt laut Bökmann daran, dass zum Beispiel nicht so viele Einzelzimmer angeboten werden können wie nachgefragt werden. Hier wird der fünfte Teilbauabschnitt, den das Klinikum noch in diesem Jahr beginnen will, Abhilfe schaffen. Damit könne der wachsende Bedarf an zeitgemäß ausgestatteten Ein- und Zweibettzimmern künftig befriedigt werden.

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Die gestiegenen Personalkosten für 1877 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter - davon 1281 Vollzeitkräfte - sind mitverantwortlich für den Verlust. "Die Personalkosten sind zu hoch", sagt Aufsichtsratsvorsitzender Dr. Hans-Joachim Müller-Stöver. Daher denkt das Klinikum über saisonale Belegung nach. Zum Beispiel, um die rund 60 000 Mehrstunden abzubauen, die bei den Mitarbeitern angefallen sind. "Wir werden Stationen zu bestimmten, belegungsarmen Zeiten schließen und Kurzliegestationen einrichten, die nur montags bis freitags Patienten behandeln", so der Aufsichtsratsvorsitzende. Da die Sommermonate zu den schwächeren bei der Belegung gehören, ließe sich dies auch gut mit den Bedürfnissen der Beschäftigten vereinbaren. "Dieser Weg ist alternativlos", fasste der Aufsichtsratsvorsitzende die Ergebnisse zusammen, die Geschäftsführung und Aufsichtsrat in einer Klausurtagung erarbeitet haben.

Zu schaffen macht dem Haus laut Müller-Stöver auch immer noch der Investitionsstau aus der Zeit des 2011 ausgeschiedenen Geschäftsführers Hans-Joachim Fietz-Mahlow. Unter anderem mit dem fünften Teilbauabschnitt und einem neuen Klinik-Informationssystem für 2,5 Millionen Euro soll Abhilfe geschaffen werden. Fortführen will das Klinikum die Modernisierung der Stationen. Mehrstellige Millionenbeträge wurden 2014 auch in den Bereichen Radiologie, Schockraum, Kreißsaal und in die HNO-Ambulanz investiert.

(RP)
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