Am Landgericht Wuppertal Missbrauchsprozess gegen Solinger hat begonnen

Solingen/Wuppertal · Einem 35-Jährigen wird Anstiftung zur Vergewaltigung, Anstiftung zum sexuellen Missbrauch von Kindern und Besitz von Kinderpornografie zur Last gelegt. Der Mann bestreitet die Vorwürfe. Das Urteil wird für Donnerstag erwartet.

Seit Dienstag muss sich ein 35 Jahre alter Mann aus Solingen vor dem Landgericht Wuppertl verantworten.

Seit Dienstag muss sich ein 35 Jahre alter Mann aus Solingen vor dem Landgericht Wuppertl verantworten.

Foto: dpa/Jan-Philipp Strobel

Schon als der Prozess am Landgericht in Wuppertal beginnt, sitzt er zusammengesunken auf der Anklagebank. Während die Staatsanwältin die Tatvorwürfe aufzählt, sinkt sein Kopf immer weiter nach unten. Im Saal bricht seine Freundin in Tränen aus, als sie hört, was die Anklage dem 35-Jährigen vorwirft: Anstiftung zur Vergewaltigung, Anstiftung zum sexuellen Missbrauch von Kindern und Besitz von Kinderpornografie.

Worum genau es dabei gegangen sein soll, liest der Vorsitzende Richter aus der Akte vor: Seitenlange Chats, in denen der Solinger seine Chatpartner dazu aufgefordert haben soll, Kinder sexuell zu missbrauchen und zu vergewaltigen. Geschrieben auf „Knuddels“, das Portal selbst hatte den Missbrauch gemeldet. Bis dahin hatte es mehr als 30 Chats gegeben, die allesamt unverfänglich begonnen hatten.

Er soll sich als 16-Jähriges Mädchen ausgegeben und unter einem Pseudonym geschrieben haben. Auch die Chatpartner gaben sich als Jugendliche aus. Dass zumindest einige es nicht waren, wissen die Ermittler mittlerweile. Ein „Ben“ wurde bereits ausfindig gemacht: Verheiratet und Vater einer Tochter. Dass das Kind neben ihm gesessen hat und zum Opfer der Missbrauchstaten wurde – davon geht die Staatsanwaltschaft nicht aus. So wie auch bei den anderen Taten, die dem Angeklagten vorgeworfen werden.

Der Solinger soll seine Chat-Partner gefragt haben, ob jemand bei ihnen sei. Nachdem das bejaht wurde, folgten Anweisungen, die Mädchen zu missbrauchen. Dass das so abgelaufen sein soll, ist in den Chats zu lesen. Die Staatsanwaltschaft geht dennoch davon aus, dass die beschriebenen Taten nicht stattgefunden haben und es vor allem darum gegangen sei, pädophile Fantasien auszutauschen. Die allerdings reichten bis hin zur Vergewaltigung.

Während die Staatsanwältin aus der seitenlangen Anklage vorliest, schüttelt der Angeklagte mit dem Kopf. Später lässt er seinen Verteidiger sagen, er habe das alles nicht geschrieben. Er zählt auf, wer alles Zugriff auf sein Handy hätte haben können: Sein Vater, der Hausmeister und eine Zirkusfamilie, für die er gearbeitet habe. Nachts habe das Smartphone auf der Ladestation im Flur der Wohnung gestanden, in der er mit seinen Eltern wohnt. Der Hausmeister habe einen Schlüssel und er habe schon seit längerem den Verdacht, dass der Mann durch die Wohnung laufe. Auch die Zirkusfamilie hätte die Chats schreiben können, er habe sein Handy dort sogar mal einen halben Tag lang gesucht. Jeder hätte es nutzen können, er habe es nicht mit einer Pin gesperrt.

Nachdem das Online-Portal die Chats an die Polizei gemeldet hatte, waren die Beamten zur Hausdurchsuchung angerückt. Das Handy des Angeklagten wurde mitgenommen, die Chats gingen dennoch weiter. Offenbar mit einem neuen Handy, was erneut die Meldestelle ds Portals und auch die Polizei auf den Plan rief.

Ein Beamter sagte nun aus, dass der Angeklagte nicht bestritten hat, bei Knuddels aktiv gewesen zu sein. Er bestritt auch nicht, Kinderpornos auf seinem Handy zu haben. Das Urteil wird für Donnerstag erwartet.

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