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Duisburg: Hanebüchen oder Parodie à la Loriot

Duisburg : Hanebüchen oder Parodie à la Loriot

Der beliebte Duisburger Kabarettist Kai Magnus Sting schrieb mit "Leichenpuzzle" einen blutrünstigen Krimi.

Es gibt schreckliche Horrorfilme, die sich unsereins nie anschauen würde. Doch wenn Parodien auf diese Horrorfilme beispielsweise im Sommerkino gezeigt werden - sie heißen dann "Scary Movie" -, ja dann kann auch unsereins seinen Spaß haben. Ein ähnlich schwankendes Gefühl wie bei Horrorfilm und seiner Parodie kann man bei der Lektüre von Kai Magnus Stings neuem Kriminalroman "Leichenpuzzle" haben.

Was der beliebte Duisburger Kabarettist da erzählt, ist so unfassbar blutrünstig, dass empfindsamen Naturen geraten sei, vorbeugende Maßnahmen zu ergreifen. Das ein oder andere Kapitel übersteht ein Leser, der die Sache so nimmt, wie sie da steht, vermutlich nur mit einem Schnaps, am besten einem Magenbitter. Stings Mörder erinnert durchaus an die Förstersgattin aus Loriots makabren Gedicht "Advent". Man erinnere sich: "... In dieser wunderschönen Nacht/ hat sie den Förster umgebracht./ Er war ihr bei des Heimes Pflege/ seit langer Zeit schon sehr im Wege..."

Sting schildert jedenfalls einen Axtmörder, der genau das tut, was auch Loriots Förstersgattin gemacht hat: Er zerlegt gelegentlich seine Opfer und verschickt sie dann (mit der nicht streikenden Post) portionsweise an... Mehr sei hier, vielleicht ist jetzt bei Ihnen Frühstückszeit, nicht verraten. Die Frage bleibt allerdings, ob Sting mit "Leichenpuzzle" eine Parodie auf Knochenbrecher-Krimis geschrieben hat oder nur einen weiteren, besonders hanebüchenen Knochenbrecher-Krimi schrieb. Man kann schon ahnen, wie er darauf antworten wird: "Iss doch egal!"

Stings Hauptprotagonisten sind drei etwas ältere Herren, wobei der etwas korpulentere von ihnen, er heißt Friedrichsberg und ist ziemlich mutig, vom Autor mit besonders viel Sympathie geschildert wird. Das Trio möchte den unerklärlichen Selbstmord eines gemeinsamen Freundes aufklären und forscht dabei in verschiedenen Richtungen, die allesamt irgendwo am Niederrhein oder auch Duisburg verortet zu sein scheinen. Ein bisschen "Mord mit Aussicht" ist auch dabei. So grauenhaft und unappetitlich die Geschehnisse in "Leichenpuzzle" auch sind, Kai Magnus Sting erzählt die Story in jenem lockeren Tonfall, der einer echten rheinischen Frohnatur in allen Lebenslagen eigen zu sein scheint.

Und viele Passagen aus Stings neuem Krimi könnten auch aus seinen kabarettistischen Programmen stammen. Wie da mit Redensarten gespielt, wie Bäuernschläue geschildert und wie allzu menschliche Verhaltensweisen aufs Korn genommen werden, ist schon witzig.

Und was hält der Rezensent von dem Krimi? - Iss doch egal!

Kai Magnus Sting. Leichenpuzzle. KBV Verlags- und Medien-GmbH, Hillesheim. 298 Seiten. 10,50 Euro.

(RP)