Psycho-Terror : Was ist Mobbing und wie können Sie sich wehren?

Den Begriff Mobbing haben die meisten schon mal gehört. Aber was ist Mobbing eigentlich genau? Und wie wirkt es sich auf die Opfer aus?

Den Begriff Mobbing haben die meisten schon mal gehört. Kinder erzählen, dass es in der Schule Probleme gibt, Freunde oder Kollegen davon, dass sie am Arbeitsplatz betroffen waren. Aber was ist Mobbing eigentlich genau? Und wie wirkt es sich auf die Opfer aus?

Das Wort Mobbing kommt aus dem Englischen. Der Begriff „Mob" beschreibt eine größere, oft aufgebrachte Menschengruppe. Das Verb „to mob" wiederum beschreibt, wenn Menschen zusammenkommen, um ihre Gefühle für etwas zum Ausdruck zu bringen. Das kann Wut, aber genauso gut Bewunderung sein. Wenn man im Englischen von Mobbing in dem Sinn spricht, in dem der Begriff auf Deutsch gebraucht wird, nennt man es „Bullying".

Im deutschen Sprachgebrauch wird der Begriff Mobbing seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der Soziologie verwendet. Im weitesten Sinn bedeutet Mobbing, andere Menschen ständig beziehungsweise wiederholt und regelmäßig, zu schikanieren, zu quälen und seelisch zu verletzen. Passieren kann das in der Schule, am Arbeitsplatz, im Sportverein, im Altenheim, im Gefängnis oder aber auch im Internet (Cyber-Mobbing). Die Auswirkungen können ganz unterschiedlich sein – Mobbing in der Schule unterscheidet sich in seiner Erscheinungsform stark vom Mobbing am Arbeitsplatz. Je nach Definition schließt Mobbing neben seelischer Verletzung auch körperliche Gewalt mit ein.

Was ist Mobbing?

Mobbing hat viele Gesichter, deshalb ist es schwierig, eine genaue Definition zu erarbeiten. So kann Mobbing zum Beispiel je nach Art der Vorgehensweise in vier verschiedene Kategorien unterteilt werden:

  • Physisches Mobbing: Das Ausmaß kann hier variieren, vom leichten Zwicken oder Schubsen bis hin zum Verprügeln. Auch die Beschädigung des Eigentums der gemobbten Person gehört dazu.
  • Verbales Mobbing: Es reicht von kleinen regelmäßigen Sticheleien über Beschimpfungen, Einschüchterungen, Diskriminierung, zum Beispiel durch abfällige Bemerkungen zur ethnischen Herkunft oder dem Aussehen, bis hin zum verbalen Missbrauch. Meist fängt das verbale Mobbing harmlos mit einer Bemerkung an, kann schnell zu ständiger Kritik werden und im weiteren Verlauf eskalieren.
  • Soziales Mobbing: Diese Art des Gemobbtwerdens ist schwerer zu erkennen, da sie hinter dem Rücken des Betroffenen ausgeführt werden kann. Ihr Ziel ist es, dem sozialen Ansehen des Opfers zu schaden.
  • Cyber-Mobbing: Hierzu gehören offene und verdeckte Arten des Mobbing, bei denen digitale Technik, Smartphones, Computer, Soziale Netzwerke und andere Online-Plattformen genutzt werden, um dem Opfer zu schaden.

Auch wenn zwischen unterschiedlichen Arten des Mobbings unterschieden werden kann, vermischen sie sich häufig.

Je nachdem, in welchem Umfeld das Mobbing stattfindet, ändert sich, wie gemobbt wird. An der Schule kann der Konflikt auch schneller mal in körperliche Gewalt ausarten. Außerdem nimmt dort das Mobben im Internet durch die Sozialen Netzwerke zu. Opfer von Mobbing am Arbeitsplatz hingegen berichten öfter von verbalen Konflikten und psychischer Gewalt.

Der Mobbing-Forscher Heinz Leymann, der sich auf Mobbing am Arbeitsplatz konzentrierte und in dem Feld nach einer Definition suchte, hat vier verschiedene Phasen des Mobbings identifiziert:

Phase 1 – negative Konfliktbearbeitung: Ungelöste Konflikte können Auslöser für den Mobber sein. In dieser Phase kommt es zu einzelnen sporadischen Angriffen und Gehässigkeiten.

Phase 2 – Mobbing etabliert sich: Die Angriffe werden mehr und regelmäßiger, die Rollen von Mobber und Gemobbtem werden klarer. Die psychische Verfassung des Mobbing-Opfers verschlechtert sich.

Phase 3 – Rechts- und Machtübergriffe: Die Ausgrenzung des Opfers nimmt weiter zu, niemand mag mehr mit ihm zusammenarbeiten. Der Betroffene hat psychosomatische Beschwerden. Der Konflikt ist unübersehbar und beeinflusst das Leben des Opfers massiv.

Phase 4 – Phase des Ausschlusses: Am Arbeitsplatz scheidet der Betroffene aus dem Unternehmen aus.

Was genau ist Cyber-Mobbing?

Cyber-Mobbing ist eine Art des Gemobbtwerdens, deren Definition sich etwas von denen des restlichen Mobbings absetzt. Denn hier spielt sich der Konflikt abseits der realen Welt im Internet ab. Die Betroffenen werden über Soziale Netzwerke, per E-Mail oder einem anderen Nachrichtendienst schikaniert. Typische Mobbinghandlungen im Internet sind:

  • das Einstellen und Verbreiten von Filmen oder Fotos, die die Opfer diffamieren
  • die Gründung von Diskussionsgruppen, in denen über das Opfer gelästert wird
  • die Aneignung der Identität des Betroffenen durch das Erstellen eines Fake-Profils, über das dann Lügen verbreitet werden
  • die Beleidigung und Bedrohung des Betroffenen durch Online-Kommunikation

Experten warnen besonders vor den Folgen, die diese relativ neue Art der Schikane für Kinder und Jugendliche haben kann. Denn anders als beim herkömmlichen Mobbing auf dem Schulhof gibt es kein Entfliehen und keinen sicheren Ort für die Betroffenen.

Was ist die Ursache von Mobbing?

Bisher hat die Forschung keine konkrete Ursache gefunden, durch die Mobbing ausgelöst wird. Dafür kann beobachtet werden, dass die Mobber oft gemeinsame Merkmale haben. Häufig sehnen sie sich nach Anerkennung und wollen durch ihre Taten das Gefühl von Macht ausleben.

Warum gemobbt wird, hängt auf jeden Fall auch davon ab, wo gemobbt wird. Mobber in der Schule haben oft Probleme zuhause oder in der Schule.

Bei Mobbing am Arbeitsplatz konnte festgestellt werden, dass Probleme im Unternehmen den Konflikt zwischen Kollegen bestärken. So wurde zum Beispiel herausgefunden, dass wenn es am Arbeitsplatz ein schlechtes Betriebsklima oder unklare Strukturen gibt oder eine Kündigung befürchtet wird, die Wahrscheinlichkeit steigt, dass unter den Kollegen gemobbt wird.

Was ist das Ziel von Mobbing?

Der Täter will sich selbst stark fühlen, indem er das Mobbing-Opfer drangsaliert. Dass der Täter damit ein konkretes Ziel verfolgt, ist unwahrscheinlich, insbesondere in der Schule. Am Arbeitsplatz hingegen kann das Ziel von Mobbing sein, die andere Person dazu zu bringen, den Betrieb zu unterlassen.

Was ist die häufigste Folge von Mobbing?

Mobbing kann für die Betroffenen über Jahre hinweg Folgen haben – psychisch und physisch. Durch die andauernden Attacken wird das Selbstwertgefühl geschwächt. Betroffene leiden oft an Depressionen und ziehen sich von anderen zurück, meiden soziale Beziehungen. Bei Mobbing am Arbeitsplatz müssen die Betroffenen oft über einen längeren Zeitraum hinweg krank geschrieben werden. Grund dafür können Schlafstörungen, Schmerzen oder Magenprobleme sein. Bei Kindern und Jugendlichen geht oft die Leistung in der Schule zurück. Im schlimmsten Fall kann das Mobben bei den Betroffenen zu Selbstmordgedanken führen.

Was ist die beste Vorgehensweise bei Mobbing?

So unterschiedlich das Umfeld und die Vorgehensweise des Mobbers sein können, so viele verschiedene Arten gibt es bei der Vorgehensweise der Betroffenen. Wird ein Kind in der Schule gemobbt, kann es sich nicht so verhalten wie der Arbeitnehmer, der im Beruf Schikanen ausgesetzt ist.

Ein paar übergeordnete Tipps zur Vorgehensweise gibt es dennoch, die Mobbing-Opfern helfen sollen:

  1. Bewusst machen, dass die Attacken nicht an der eigenen Person liegen. Mobber sind oft selbst unglücklich und lassen das an ihrem Opfer aus. Das heißt nicht, dass das Opfer die Attacken verdient hat. Allerdings zeigt die Forschung, dass passive Menschen schneller gemobbt werden. Lassen Sie sich also nicht vom Angreifer unterkriegen.
  2. Hilfe im Umfeld suchen und in Anspruch nehmen. Oft zögern gemobbte Personen zu lange, bis sie sich jemandem anvertrauen. Dabei ist es wichtig, die Probleme nicht allein durchstehen zu müssen. Betroffene Arbeitnehmer können einen Vorgesetzten, ihren Arbeitgeber oder andere Kollegen im Vier-Augen-Gespräch zu Rate ziehen. Schüler wiederum sollten mit ihren Eltern oder einem Lehrer über ihre Probleme reden. Je früher, desto besser. Die Forschung zeigt, dass Mobbing sich am besten im Keim ersticken lässt.
  3. Akteure im Umfeld zum Handeln auffordern. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, Mobbing im Betrieb zu unterbinden. Auch in der Schule können die Lehrkräfte tätig werden, um etwas gegen die Attacken zu unternehmen.
  4. Mobbing-Tagebuch führen. Auch, wenn man sich nicht noch einmal mit den Schikanen auseinandersetzen will, ist es empfehlenswert, sich einzelne Attacken zu notieren. Wer online gemobbt wird, sollte Beweise sichern, zum Beispiel durch Screenshots.
  5. Psychologische Hilfe suchen. Andauernde Schikanen nehmen die Psyche mit. Wer von ihnen betroffen ist, sollte darüber nachdenken, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Auch online lassen sich Selbsthilfegruppen und Vereine finden, deren Ziel es ist, Opfern von Mobbing zu helfen.
  6. Rechtliche Schritte erwägen. Sind die Attacken nicht aufzuhalten oder in ihrer Intensität sehr stark, ist es gut möglich, dass der Mobber rechtlich belangt werden kann.
  7. Eine Anzeige kann zum Beispiel wegen Nötigung, Beleidigung, Verleumdung oder auch Körperverletzung erfolgen.

Hier finden Sie weitere Informationen zum Thema Mobbing.

Hier geht es zur Infostrecke: Was ist Mobbing? 10 Fakten, die Sie kennen sollten