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Viele Fahrradunfälle durch schlechte Radwege

Ältere besonders häufig betroffen : Viele Fahrradunfälle durch schlechte Radwege

Über die Hälfte aller Fahrradunfälle passieren laut einer Umfrage ohne Fremdeinwirkung. Ein Drittel der Betroffenen nennt als Unfallursache den schlechten Straßenuntergrund. Bei tödlichen Unfällen sind häufig Senioren betroffen.

Fahrradfahrer verunglücken in Deutschland auffallend häufig nicht etwa, weil sie von unaufmerksamen Autofahrern oder anderen Verkehrsteilnehmern übersehen worden sind. Mehr als die Hälfte oder gut 51 Prozent aller Unfälle waren laut einer Umfrage unter Betroffenen "Alleinunfälle": Die Radfahrer fanden sich verletzt in einer Klinik wieder, weil sie auf schlechten Radwegen unterwegs waren, das Gleichgewicht verloren oder zu schnell fuhren. Das geht aus einer Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion hervor.

Die Angaben beruhen auf einer ab Sommer 2012 durchgeführten Umfrage der Bundesanstalt für Straßenwesen unter insgesamt 2771 verunglückten Radfahrern. Demnach gaben 51,6 Prozent der Betroffenen an, sie hätten sich ohne Beteiligung eines anderen Verkehrsteilnehmers verletzt. "Als Ursachen nannten die Befragten vor allem den schlechten Untergrund der Fahrbahn (33,8 Prozent)", heißt es in der Antwort, die unserer Redaktion vorliegt. 17,2 Prozent gaben an, ein Hindernis übersehen zu haben, 16,6 Prozent hätten das Gleichgewicht verloren, der Rest nannte keine Ursache. Unter den Fahrern elektrisch angetriebener Fahrräder, so genannter Pedelecs, erklärten sogar 74,6 Prozent, sie seien ohne Fremdeinwirkung verunglückt.

"Die Antwort der Bundesregierung belegt, dass schlechter Fahrbahnuntergrund eine häufige Ursache für Fahrradalleinunfälle und damit ein Sicherheitsrisiko für Radfahrende ist", sagte Grünen-Verkehrspolitiker Matthias Gastel. "Um die Verkehrssicherheit der Radfahrer deutlich zu verbessern, sind gesetzliche Maßnahmen und höhere Investitionen in die Radwegeinfrastruktur, insbesondere in die Erhaltung und den Ausbau von Radwegen an Bundesstraßen, notwendig", forderte Gastel. Nach der amtlichen Statistik liege der Anteil der Alleinunfälle allerdings erst bei 17 Prozent aller Radverkehrsunfälle, betont das Ministerium in dem Papier.

Der Bund investiert ab 2014 jährlich 80 Millionen Euro in den Bau und die Erhaltung von Radwegen an bestehenden Bundesstraßen. Das seien immerhin 20 Millionen Euro mehr als bisher. Verglichen mit dem Etat für den Straßenbau für den Kfz-Verkehr von jährlich fünf Milliarden Euro sei das immer noch eine zu geringe Summe, monierte Gastel.

Erklärtes Ziel der Regierung ist es, die Anzahl der Verkehrstoten bei den Fahrradfahrern bis 2020 um 40 Prozent gegenüber 2011 zu senken. Diesem Ziel ist die Regierung bislang wenig nähergekommen, wie aus der Unfallstatistik hervorgeht. 2013 starben 354 Radfahrer bei Unfällen, 2011 waren es 399. Die Zahl der Verkehrstoten sank damit 2013 gegenüber 2011 erst um elf Prozent. Eine "optimierte Infrastrukturplanung" und das "Hinwirken auf Helmtragen" solle dazu beitragen, die Zahl der Opfer zu reduzieren.

Besonders häufig sind Ältere von tödlichen Fahrradunfällen betroffen. 55,6 Prozent der Getöteten seien im Jahr 2013 über 65 Jahre alt gewesen, heißt es in der Antwort. Dagegen waren es bei den Kindern und Jugendlichen nur 4,2 Prozent. Bei mehr als 5000 gemeldeten Fahrradunfällen beging der hauptverursachende Autofahrer Fahrerflucht, so das Papier. Dabei starben fünf Radfahrer, 391 verletzten sich schwer.

Hier geht es zur Infostrecke: Der Bußgeldkatalog für Radfahrer

(mar)