Hilden: Unfall-Analyse: "Radler muss mitdenken"

Hilden : Unfall-Analyse: "Radler muss mitdenken"

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club Hilden und die Polizei haben gemeinsam Verkehrsunfälle untersucht.

Ein 85-Jähriger radelte am 14. Dezember vergangenen Jahres aus der Zelterstraße kommend in die Beethovenstraße, ohne auf den fließenden Verkehr zu achten. Ein Getränkelaster erfasste den Senior und verletzt ihn so schwer, dass der alte Mann noch an der Unfallstelle starb. Diesen und zehn weitere Unfälle hat der Allgemeine Deutsche Fahrradclub Hilden gemeinsam mit Jörg Marsall, Verkehrssicherheitsberater bei der Kreispolizei Mettmann, analysiert. Ergebnis: "Radfahrer müssen mitdenken, einen siebten Sinn für Gefahren entwickeln — auch wenn sie vielleicht Vorrang haben", fassen ADFC-Sprecher Georg Blanchot und Marsall zusammen. Mit dem tödlichen Verkehrsunfall an der Beethovenstraße hat sich auch die Unfallkommission beschäftigt, berichtet Blanchot, der ihr ebenfalls angehört. Die Tempo-30-Zone wurde von der Zelter- bis zur Gluckstraße (Richtung Gerresheimer Straße) verlängert. "Die Sicht für alle Beteiligten ist gegeben", stellt Blanchot fest. "Wichtig ist, dass sich alle Verkehrsteilnehmer an das Tempo 30 halten und die Beethovenstraße Kreuzende nach rechts und links schauen."

Ein anderer Schwerpunkt für Unfälle mit Radfahrern in Hilden sei die Kreuzung Berliner-/Schwanen-/Gerresheimer Straße, die auch viele radfahrende Schüler des Schulzentrums Gerresheimer Straße befahren. Dort wurden im vergangenen Jahr zwei Schüler von Rechtsabbiegern aus der Gerresheimer- auf die Berliner Straße trotz Grün auf dem Überweg erfasst. Zwei Schüler wurden beim Überqueren der Berliner Straße angefahren: Sie nutzten den Überweg und hatten Vorrang. "Rechtsabbieger schauen meist nur nach links und achten nicht auf Fußgänger und Radler an ihrer rechten Seite", fasst Blanchot zusammen: "Radfahrer und Fußgänger dürfen sich nicht darauf verlassen, im Recht zu sein. Sie müssen das Verkehrsgeschehen um sie herum im Auge behalten."

Das unterstreicht auch Jörg Marsall: "Radler und Fußgänger haben keine Knautschzone. Deshalb tragen beide bei Unfällen häufig Verletzungen davon." Dabei helfe es den Betroffenen in diesen Fällen wenig, wenn sie an dem Unfall keine Schuld trügen. Deshalb sollten Fußgänger oder Radler nicht auf ihrem Vorrang-Recht bestehen, rät der Verkehrssicherheitsberater. "Viele Radler fahren gut", stellt der Hildener Polizist fest, der mit dem Rad in der Stadt häufig unterwegs ist. Die Diskussion mit dem ADFC sei spannend gewesen: "Leute, die so viel Rad fahren, haben einen ganz anderen Blick für Verkehrssituationen."

  • Hilden : Radfahrer stirbt nach Unfall
  • Hilden : Polizei fragt: Wer ist der tote Radfahrer?
  • Hilden : Tödlicher Unfall: Anwohner beklagen Kreuzung

Nach mehr als zwölf Jahren Diskussion mit Düsseldorf und Hilden soll auf der Düsseldorfer Straße Richtung Benrath in Kürze ein Schutzstreifen für Radfahrer auf der Fahrbahn abmarkiert werden, berichtet Blanchot. Dann werde die bestehende Lücke zwischen Horster Allee und Schwarzer Weg geschlossen. Radfahrer müssen dann nicht mehr den einseitigen gemeinsamen Fuß- und Radweg für beide Fahrtrichtungen nutzen, auf dem zudem auch noch geparkt werden darf.

Der ADFC setze sich weiter für zusätzliche Fahrradabstellboxen am S-Bahnhof Hilden-Süd ein, ein Bürgerantrag wurde jetzt eingereicht. Weil im Haushalt ein Defizit von 8,4 Millionen Euro klafft, hatte der Stadtrat kürzlich den Ausbau auf unbestimmte Zeit verschoben. Die Wartezeit für eine Fahrradbox dort betrage 18 Monate, klagte der ADFC-Sprecher: "Als fahrradfreundliche Stadt muss Hilden mehr Abstellanlagen schaffen."

(RP)
Mehr von RP ONLINE