Jubiläum in Krefeld: Deutscher Eishockey Bund vor 50 Jahren gegründet

Jubiläum in Krefeld: Deutscher Eishockey Bund vor 50 Jahren gegründet

Dass Eishockey in Krefeld eine lange Tradition hat, ist bekannt. Der Krefelder EV und lange auch Preussen Krefeld bestimmten die hiesige Szene und holten 1951, 1952 und 2003 die Meisterschaft an die Westparkstraße. 1955 fand sogar die Eishockey-WM in Krefeld statt.

Dass der Deutsche Eishockey Bund (DEB) aber vor 50 Jahren, und zwar am 16. Juni 1963, in Krefeld gegründet wurde, wissen die wenigsten. Und fast entsteht der Eindruck, man habe die Gründung auch ein wenig vergessen.

Denn selbst auf der Website des DEB ist sie nur in zwei knappen Sätzen notiert, weitere Ausführungen fehlen. Historische Unterlagen existieren nicht beim Verband, der in Füssen seinen Sitz und in München die Geschäftsstelle hat. "Hier hat leider jemand vor ein paar Jahren zu gründlich aufgeräumt", heißt es von dort. Erinnerungsstücke an die gute alte Zeit sucht man also vergeblich.

Und so erwähnt auch das kürzlich aufgelegte Buch "75 Jahre Eissport in Krefeld — Titel, Tränen und Triumphe" die wichtige Verbandsgründung mit nur einem Satz. Die soll nun aber gefeiert werden: Der DEB und die Stadt Krefeld geben am Freitag, 19. April, einen Empfang anlässlich des runden Geburtstags im Mercure Parkhotel Krefelder Hof, einen Tag später kommt es zum Länderspiel Deutschland gegen Schweden im König-Palast.

Der Krefelder Hof, damals noch am Standort des heutigen Horten-Hauses, war Ort der geschichtsträchtigen Gründung, eingebettet in eine wahre Mammutsitzung des Deutschen Eissport Verbandes (DEV) von Freitag bis Montag. Über 200 Offizielle, Vertreter von acht Landesverbänden und 32 Vereinen trafen sich auf der Tagung in Krefelds guter Stube.

"Da war mächtig viel los", erinnert sich auch Gerhard Kießling, einer der noch wenigen lebenden Gründerväter des DEB. "Ich war als Vertreter der Frankfurter Eintracht in Krefeld. Die habe ich damals von ganz unten nach oben geführt", sagt der ehemalige Nationaltrainer und Coach von Preussen Krefeld. "Schön war auch, die ganzen Leute noch einmal wieder zu sehen, mit denen ich während meiner Krefelder Zeit zu tun hatte."

1957 war Kießling als DDR-Staatstrainer aus dem Osten geflohen, seine erste Anstellung trieb ihn in die Seidenstadt. Hier trainierte er nicht nur die Preussen und qualifizierte sich mit ihnen für die 1958 gegründete Bundesliga, hier scheuchte er auch seinen damals zweijährigen Sohn Udo erstmals übers Eis.

Der Spiegel berichtete später, dass besorgte Mütter die Polizei ob der Trainingsmethoden informierten: "Im Eisstadion wird ein Baby von einem Wüstling gequält." Kießling: "Wer etwas erreichen möchte, muss eben hart arbeiten. Ich war zum Beispiel auch der erste, der ein Sommertraining eingeführt hat."

Udo spielte lange in der Jugend der Preussen und selbst als der Vater schon in Frankfurt angeheuert hatte, fuhr er an Wochenenden nach Krefeld. Erst 1972 wechselte er zum SC Riessersee. Geschadet hat ihm die Krefelder Schule übrigens nicht. Mit dem Kölner EC wurde er sechsmal Meister und mit 320 Einsätzen ist er Rekordnationalspieler der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft.

Auch deren Zukunft stand, neben vielen weiteren Themen, auf der proppevollen Tagesordnung. Sportdezernent Theo Fabel begrüßte am Freitag die Delegierten und Werner Rittberger wurde wegen seiner Verdienste im Eiskunstlauf mit einem Pokal geehrt. Seine Leistungen und die Bedeutung von Eissport in Krefeld unterstrich am zweiten Tag auch noch einmal Oberbürgermeister Herbert van Hüllen.

Er erwähnte die kurz vor der Fertigstellung stehende zweite Eishalle, die man dann mit der Rheinlandhalle verbinden könne, um Lang- und Schnelllauf durchzuführen, und warf zudem ein launiges Portrait von Krefeld an die Wand.

Die Westdeutsche Zeitung schrieb am 17. Juni: "Mit einer nicht alltäglichen Rede brachte das Stadtoberhaupt Krefeld, sein Wesen und seine Bevölkerung den Tagungsteilnehmern nahe. Es herrschte an allen Tischen gespannte Aufmerksamkeit, und am Schluss gab es einen Beifall, spontan und lang anhaltend, wie wir ihn den Eissportabgeordneten nie und nimmer zugetraut hätten. Fast hatte es den Anschein, als wollten die Männer noch eine Fortsetzung erklatschen."

Die Stimmung muss gut gewesen sein in der Runde der überwiegend älteren Männer, zum Kameradschaftsabend ging es später ins Vereinsheim Blumenthal an der Moerser Straße. Denn schließlich mussten die Delegierten auch mal abschalten. Diskutiert wurde schließlich meist bis spät in die Nacht, zahlreiche Posten wurden neu besetzt und wichtige Entscheidungen getroffen.

So benannten sich die einzelnen Sparten des DEV um. Die Eiskunstläufer firmierten ab sofort unter der Deutschen Eislauf-Union und vergaben die Weltmeisterschaft nach Dortmund und die Deutsche Meisterschaft nach Oberstdorf. Die Schnellläufer gingen nun unter Deutsche Eisschnelllauf-Vereinigung an den Start und die Eisschützen unter Deutsche Eisschützen-Vereinigung. Gerade von ihnen erwartete man einen Aufstieg zum Volkssport. Sie alle blieben allerdings unter dem Dach des DEV.

Komplett auf eigene Füße stellte sich schließlich das Eishockey, bislang eine Sektion im DEV. In der zehn Stunden und 50 Minuten dauernden Versammlung wurde eine Satzung angenommen und unterzeichnet, die DEB-Gerichte und die Kassenprüfer beschlossen und mit Ludwig Zametzer (Füssen) und Dr. Günther Sabetzki (Düsseldorf) zwei gleichberechtigte Vorsitzende gewählt. Dass es zwei Vorsitzende geben soll, war vorher schon beschlossen, so wollte man die mächtigen Landesverbänden Bayern (Zametzer) und Nordrhein-Westfalen (Sabetzki) befriedigen.

Der später 28 Jahre als Vorsitzender und Präsident amtierende Füssener Otto Wanner wurde zweiter Kassenprüfer und spielte bei der DEB-Gründung nur eine Nebenrolle. Der Augsburger Toni Neumaier, ein international bekannter Schiedsrichter und Ex-Aktiver, wurde Leiter der technischen Kommission, Helmut Perkuhn aus Düsseldorf Jugend-Obmann und der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter Georg Zelter aus Landshut Schiedsrichter-Obmann.

Sogleich schritten die Verantwortlichen zu ersten Beschlüssen: Eine angedachte Aufstockung der Bundesliga wurde abgelehnt, der EV Landshut stand damit als Aufsteiger fest. Dortmund musste absteigen, obwohl es viele als ungerecht ansahen, da sich der Dortmunder Torhüter bei der Weltmeisterschaft in Stockholm schwer verletzt hatte und nicht spielen konnte.

Ein Antrag, heimatlose Ausländer (im Sinne des Londoner Abkommens von 1951) zuzulassen, wurde ebenfalls abgelehnt. Und nach der schwachen Weltmeisterschaft, Deutschland holte nur drei Punkte aus sieben Spielen und wurde Letzter, trennte man sich vom, wie die Rheinische Post schrieb, "einseitig arbeitenden und teuren" Trainer Vic Heylinger.

An seine Stelle trat ein vierköpfiger Trainerrat, der schon vor Beginn seiner Arbeit heftig kritisiert wurde: "Eingedenk des Sprichworts von den vielen Köchen, die den Brei verderben, und angesichts des 3:1-Verhältnisses im Trainerrat zugunsten der Bayern, möchten wir wetten, dass sich selbst in weiterer Zukunft weder an der Art der Aufstellung im Nationalteam noch an der Spielstärke etwas nennenswertes ändern wird. Ein einziger Trainer, der etwas leistet und fließend Deutsch spricht — das eine schaltet gewöhnlich das andere aus — und der ehrliche Wille aller Vereine, diesen Trainer in allem zu unterstützen, wären wohl fruchtbringender", schrieb die Neue Rhein Zeitung am 18. Juni, die auch die Doppelspitze des neuen Eishockey-Verbandes harsch kritisierte.

Immerhin, nur ein Jahr später übernahm Otto Wanner die Geschicke in Einzelregie, Sabetzki wurde Vizepräsident. Dennoch wurde die Tagung in Krefeld als wegweisend gesehen, und, da waren sich alle sicher, als perfekt organisiert. Von allen Seiten hagelte es Lob für die Organisatoren. Zudem zeigte sich DEV-Präsident Herbert Kunze aus Düsseldorf hochzufrieden mit den getroffenen Beschlüssen.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Krefelder Eisheilige