Krefeld: Logwerk wird mit Audi-Zentrum zur Automeile

Krefeld : Logwerk wird mit Audi-Zentrum zur Automeile

Drei Jahre lang sah sich die Krefelder Kleinwefers-Beteiligungsgesellschaft blockiert, weil die Denkmalbehörde des Landschaftsverbands Rheinland alte Gemäuer der früheren Textil-Ausrüstungsgesellschaft (TAG) an der Gladbacher Straße unter Schutz stellen wollte. Inzwischen sind die umstrittenen Immobilien abgerissen. Es ist Platz für eine neues rund acht Millionen Euro teures Autohaus für Tölke & Fischer - das Audi-Zentrum Krefeld soll Ende Dezember 2018 eröffnen.

Drei Jahre lang sah sich die Krefelder Kleinwefers-Beteiligungsgesellschaft blockiert, weil die Denkmalbehörde des Landschaftsverbands Rheinland alte Gemäuer der früheren Textil-Ausrüstungsgesellschaft (TAG) an der Gladbacher Straße unter Schutz stellen wollte. Inzwischen sind die umstrittenen Immobilien abgerissen. Es ist Platz für eine neues rund acht Millionen Euro teures Autohaus für Tölke & Fischer - das Audi-Zentrum Krefeld soll Ende Dezember 2018 eröffnen.

Volker Link, Erich Bröker, Dirk Oelmann, Andreas Weith, Mathias Peschke, Markus Tölke und Michael Webels. Foto: samla.de

Die historischen Gebäude der Textil-Ausrüstungsgesellschaft (TAG) an der Gladbacher Straße waren jahrzehntelang ein sichtbares Zeichen für die ruhmreiche Vergangenheit der Branche in der Stadt Krefeld. Die Denkmalbehörden wollten die Immobilien aus diesem Grund unter Schutz stellen. Doch da hatten die Experten die Rechnung ohne den sprichwörtlichen Wirt gemacht. Die Kleinewefers-Beteiligungsgesellschaft erwirkte den Abriss einiger Immobilien. Lediglich die Verwaltungsvilla und ein weiteres, kleineres Haus bleiben stehen und werden laut Erich Bröker, Geschäftsführer und Vorstand bei Kleinewefers/Jagenberg in Kürze saniert. Noch in diesem Jahr soll die Fassade der Villa erneuert werden.

Der Übersichtsplan zeigt, wer auf den 50.000 Quadratmetern Logwerk vertreten ist. Foto: Norbert Stirken

Kritische Worte bei einem ersten Spatenstich für ein neues Millionenprojekt sind ungewöhnlich. Bröker wagte sie trotzdem. Der Eigentümer sei durch "den Denkmalschutz in seinen Vorhaben drei Jahre lang blockiert" worden, sagte er. Am Ende habe Kleinewefers "obsiegt". Später sprach er von einem erzielten Kompromiss.

Die historischen Gemäuer der TAG sind inzwischen abgerissen. Foto: KBG

Ursprünglich hatte Kleinewefers mit dem Namen Logwerk für das rund 50.000 Quadratmeter große Gebäude deutlich gemacht, welche Art Nutzung angestrebt werden sollte. Statt Logistik und Produktion wird die Gladbacher Straße nun zur Automeile. Nachdem das Familienunternehmen Tölke & Fischer in 2013 das neue Kia-Autohaus auf dem Areal bezogen hatte, entschieden sich die Manager nun dafür, direkt angrenzend ein Audi-Zentrum zu beziehen und den Standort Untergath sowie vier weitere gemietete Flächen aufzugeben und die Geschäftstätigkeit auf 22.000 Quadratmetern in 8500 Quadratmetern Hallen und Büros zu konzentrieren.

Rund acht Millionen Euro investiert Kleinewefers in das neue Autohaus, um es an Tölke & Fischer für zunächst 20 Jahre zu vermieten. "Wir platzen am alten Standort aus allen Nähten", sagte Markus Tölke. Er und seine Familie setzen weiter auf Wachstum und den Standort Krefeld. Schon an der Heideckstraße investiert das Unternehmen rund neun Millionen Euro in ein neues Volkswagen-Zentrum. Drei Millionen Euro soll der Bau des Kia-Autohauses gekostet haben.

Für das Audi-Zentrum hat Kleinewefers bereits drei Hallen abreißen lassen, eine weitere, noch recht neue, verschwindet in den nächsten Tagen. Geschätzt 85.000 Kubikmeter umbauter Raum sind dem Erdboden gleichgemacht. Das Bauunternehmen Borgers GmbH als Spezialist für Audi-Autohäuser kümmert sich um den Neubau mit Photovoltaik und hoher Energieeffizienz. Im Sinne der Ökologie wird das Gebäude als KFW 55-Effizienzneubau konstruiert. Dadurch können 45 Prozent der für den Betrieb erforderlichen Primärenergie pro Jahr eingespart werden. In das Bau-Konzept sind unter anderem LED-Systeme und Photovoltaik-Anlagen integriert, die modernsten Anforderungen an eine nachhaltige Gebäudenutzung genügen. Der selbsterzeugte grüne Strom dient dabei auch zur Förderung der Elektromobilität: Im neuen Audi Zentrum wird die Sonnenenergie unter anderem zur Speisung von Schnellladestationen für E-Autos genutzt.

Der Neubau soll Platz für bis zu 100 Mitarbeiter bieten. Dabei werden alleine 30 Werkstattarbeitsplätze dafür sorgen, dass Kunden schnell und ohne lange Wartezeit auf einen Termin bedient werden können. Für die Mitarbeiter bietet das neue Audi Zentrum Krefeld modernste Arbeitsplätze bei deutlich kürzeren Wegen und stark vereinfachten logistischen - teils digitalen Prozessen. Darüber hinaus werden im Audi Zentrum Krefeld auch neue Arbeitsplätze entstehen. Aktuell laufen entsprechende Vorbereitungen. Derzeit sucht das Unternehmen weitere Bewerber für die Bereiche Werkstatt, Service und Verkauf.

Dass eine solche Investition in Zeiten, in denen die Autoindustrie national und international in der Kritik steht und fast wöchentlich mit neuen Skandalen und Skandälchen in den Schlagzeilen steht, nicht selbstverständlich ist, wissen auch die Vertreter der Audi AG. Gleich zu viert waren die Gäste aus Ingolstadt zum ersten Spatenstich in die Seidenstadt gekommen. Das Timing scheint zu stimmen: Direkt nach der Fertigstellung des Audi-Zentrums sollte der Konzern sein erstes Fahrzeug mit Elektroantrieb auf den Markt bringen - einen SUV.

(sti)
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