Duisburg: Baerls Höfe und ihre Geschichte

Duisburg : Baerls Höfe und ihre Geschichte

Hans-Peter Stermann hat ein Buch mit dem Titel "Baerler Bauerngüter und Besitzer" verfasst. Der Heimatforscher schildert darin viele spannende Details über die Höfe und die damit verbundenen Familiengeschichten.

Baerl 80 Höfe hat der Baerler Heimatforscher Hans-Peter Stermann unter die Lupe genommen und deren Geschichte in seinem Buch "Baerler Bauerngüter und Besitzer" zusammengetragen. Die Lektüre lohnt sich: Auf 448 Seiten finden sich nicht nur ausführliche Ahnentabellen, sondern auch viele spannende Details rund um die Familiengeschichten.

Eine dieser Ahnengeschichten konnte Stermann zu seiner großen Freude vervollständigen, weil sich ein Nachfahre zweier 1680 aus Baerl ausgewanderter Brüder vom Paschmannshof unvermittelt bei ihm meldete. Für Stermann hatte sich bei der Recherche die Spur der Brüder an dem Punkt verloren, als sie von den Niederlanden aus mit der Holländisch-Indischen Kompanie auf dem Schiffsweg nach Kapstadt reisten. Und plötzlich hatte er Casey Keller am Telefon, einen Ururenkel der Paschmanns von damals. Zwischen ihm und den Brüdern liegen heute zwölf Generationen. Von Casey erfuhr Stermann dann auch, wie es mit den Brüdern in Kapstadt weiterging.

Ein glücklicher Umstand

Wenn der Heimatforscher nicht das Glück hatte, mit Ahnen sprechen zu können, bezog er seine Informationen aus historischen Dokumenten wie Kirchenregister, Geburts- oder Sterbeurkunden. Ein Umstand war dabei sehr hilfreich: Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts gaben die Männer, die auf einen Hof einheirateten, ihren Nachnamen zugunsten des Hofnamens auf.

Erst in der Zeit der französischen Besatzung wurde es üblich, dass der Mann seinen Namen weiterführt. Davon ließen sich die Baerler jedoch wenig beeindrucken. Nur Gerd Susmann auf dem Giesenhof führte offiziell seinen angestammten Hausnamen weiter. "In Bauernkreisen wurde er aber auch nur Giesen-Gerd genannt", erzählt Stermann.

Der älteste Hof unter den bis heute existierenden Gütern ist der Giesenhof in Binsheim. "Bereits 1263 wird dieser Hof erwähnt, und da dürfte er bereits Jahrzehnte vorher existiert haben", so Stermann. Es sei wahrscheinlich, dass dieser Hof das in Binsheim ansässige Adelsgeschlecht versorgte und dass deren festes Haus in unmittelbarer Nähe des Hofes gestanden haben muss. Als diese Geschichte schon fast vergessen war, habe man im Jahr 1880 eine sagenhafte Entdeckung gemacht: Bei der Errichtung des Fundamentes einer neuen Scheune auf dem Giesenhof wurde ein fränkisches Gräberfeld freigelegt – "mitsamt einem Sarkophag aus dem achten Jahrhundert", so Stermann.

Versorgungsbasis der Ritter

Den Paschmannshof, der heute noch existiert, identifizierte der Baerler Heimatforscher anhand alter Aufzeichnungen als Lehnshof des Adelsgeschlechts und damit als "Versorgungsbasis der Ritter". 1749 kam der Hof wegen finanzieller Probleme des Lehnsherren zur Versteigerung. Der damalige Lehnsmann Frederich Paschmann bekam für 1475 Reichstaler den Zuschlag für den Hof und war von da an frei von Verpflichtungen gegenüber dem Adel.

(son)
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