NRW : Traumberuf Bauer

Gute Jobaussichten und abwechslungsreiche Arbeit - immer mehr junge Menschen entscheiden sich für eine Ausbildung zum Landwirt. Gegenüber dem Vorjahr stiegen die Zahlen 2014 in Nordrhein-Westfalen um 8,4 Prozent.

Frühmorgens um 7 Uhr geht es los. Normalerweise. Manchmal auch früher, je nachdem, was gerade ansteht. Wie lange der Arbeitstag dauert, weiß man vorher selten, 60-Stunden-Wochen gehören zum Alltag. Aber Christian Brünker (19) und Lukas Becker (21) stört das nicht. Sie haben sich für eine Zukunft in der Agrarwirtschaft entschieden, absolvieren derzeit ihre Ausbildung zum Landwirt.

Momentan arbeiten sie auf dem Gut zur Linden in Wuppertal, parallel dazu gehen sie einmal in der Woche zur Berufsschule. Becker ist im November fertig, er wird dann erstmal auf dem Hof bleiben, Brünker hat noch ein Jahr vor sich auf einem Bauernhof in Soest. Solche Hofwechsel während der Ausbildung sind üblich und sinnvoll, betont der Dürener Christian Brünker, schließlich "kann man dadurch verschiedene Strukturen kennen lernen".

Mit ihrer Entscheidung für die Landwirtschaft stehen die beiden Auszubildenden nicht alleine da. Der Beruf des Bauern ist bei jungen Menschen in NRW beliebt. So gab es im vergangenen Jahr 1595 Landwirt-Azubis - ein Zuwachs von 8,4 Prozent. Wie Andrea Bahrenberg vom Rheinischen Landwirtschafts-Verband (RLV) jedoch betont, "ist dieser Anstieg ein nordrhein-westfälisches Phänomen".

Bundesweit sank die Zahl der neuen Auszubildenden 2014 um 3,2 Prozent auf 3850. Dass sich in NRW so viele Jugendliche für die Landwirtschaft interessieren, zeigt sich auch an anderer Stelle. 2012/2013 konnten die sechs weiterführenden Fachschulen für Agrarwirtschaft im Land erstmals die Marke von 1000 Anmeldungen überspringen, die Zahlen bleiben seitdem konstant.

Eine Zukunft als Landwirt scheint zudem immer mehr Menschen zu reizen, die nicht auf einem Bauernhof groß geworden sind. Dies betrifft mittlerweile rund 40 Prozent der Auszubildenden in NRW, wie Bahrenberg bestätigt. An den Schulen liege der Anteil bei 20 bis 25 Prozent. Auch Becker, der aus Haan stammt, ist Seiteneinsteiger, erst die Arbeit auf dem Hof seines Onkels weckte sein Interesse. Ohnehin sei nicht entscheidend, ob man als Kind das Leben auf einem Bauernhof verbracht hat. "Das Wichtigste ist, dass die Entscheidung von Herzen kommt", sagt Brünker. Im Gegensatz zu Becker hat er schon vor Beginn der Ausbildung auf dem elterlichen Hof mitgeholfen. Zwar war auch für ihn zunächst keineswegs klar, dass er sich in Richtung Landwirtschaft orientieren würde, "aber die Arbeit auf dem Bauernhof hat mir einfach Spaß gemacht, und deshalb ist mir die Entscheidung am Ende nicht schwer gefallen".

Doch wie lassen sich die steigenden Zahlen erklären? Für Bernhard Rüb von der Landwirtschaftskammer NRW liegt es vor allem an den guten Jobaussichten. "Die Betriebe suchen verstärkt nach qualifizierten Fachkräften", sagt Rüb. Daher sei die Branche derzeit sehr attraktiv. Für Becker und Brünker ist das jedoch kein entscheidender Faktor. Zwar sind sich die beiden der aussichtsreichen Perspektive bewusst, trotzdem seien die guten Jobaussichten auf keinen Fall ausschlaggebend gewesen. Vielmehr habe der ständige Kontakt mit der Natur eine wichtige Rolle gespielt. "Es ist einfach schön, dass man fast den ganzen Tag draußen arbeiten kann", sagt Lukas Becker. "Und wenn man sieht, was man geschafft hat, ist das schon ein gutes Gefühl."

Auch Bernhard Rüb und Andrea Bahrenberg führen das große Interesse neben den guten Einstiegs-chancen auf die naturnahe Arbeit zurück. Zudem gehe der technologische Fortschritt auch an landwirtschaftlichen Betrieben nicht vorbei. So verfügen moderne Traktoren, aber auch Dünge-, Saat- und Erntemaschinen mittlerweile über satellitengesteuerte Navigations- und Kartierungssysteme. "Insgesamt hat die Technik stark zugenommen", bestätigt Bahrenberg, und so biete sich dem Nachwuchs eine "sehr interessante Kombination".

Hinzu komme, dass im Zuge des Strukturwandels immer größere Betriebe entstehen, für die ein immenser organisatorischer Aufwand betrieben werden muss. Dadurch gebe es zunehmend auch betriebswirtschaftliche Aufgaben zu erledigen. Dies sei ein weiterer Anreiz, zumindest für einige Auszubildende.

Für Lukas Becker steht dennoch weiterhin die klassische Arbeit auf dem Hof im Vordergrund, den Papierkram überlässt er lieber anderen: "Ein Bürojob wäre nichts für mich." Christian dagegen will sich nicht festlegen und nach der Ausbildung erstmal Landwirtschaft studieren, um dann irgendwann vielleicht den Familienbetrieb zu übernehmen.

Hinsichtlich der Ausbildung sind sich die beiden dennoch einig: "Wir würden es wieder machen."

(RP)