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Bedburg Hau: dm-Mitarbeiterin darf nicht bei Rossmann einkaufen

Ungewöhnlicher Konkurrenzkampf : dm-Mitarbeiterin durfte nicht bei Rossmann einkaufen

Eine dm-Mitarbeiterin wollte in Bedburg-Hau im Drogeriemarkt Rossmann einkaufen, wurde jedoch der Filiale verwiesen. Der Vorwurf: Sie wolle die Ware in einer Filiale ihres Arbeitgebers weiterverkaufen. In einem Facebook-Post schildert sie ihr Erlebnis.

Was Michaela Z. (Name geändert) in einer Facebook-Nachricht an Rossmann schildert, liest sich zunächst wie eine unglaubliche Geschichte. Dahinter könnte sich aber ein harter Konkurrenzkampf zwischen zwei Unternehmen verbergen. Am 3. Januar, so schreibt die dm-Mitarbeiterin, ging sie in ihrem Heimatort Bedburg-Hau am Niederrhein in die dortige Rossmann Filiale im Zentrum des Ortes, um einzukaufen. Das hat sie nach eigenen Angaben schon oft gemacht, ohne Probleme. Denn es sei die einzige Drogerie in der 13.000-Seelen-Gemeinde, die zwischen Kalkar und Kleve liegt.

 Auf Facebook berichtete die Mitarbeiterin (ihren Namen haben wir unkenntlich gemacht) von ihrem Erlebnis.
Auf Facebook berichtete die Mitarbeiterin (ihren Namen haben wir unkenntlich gemacht) von ihrem Erlebnis. Foto: Screenshot / Facebook-Seite Rossmann

Als sie ihre Einkäufe - die wohl zwei Einkaufswagen füllten - an der Kasse bezahlen wollte, stürmte laut Z. eine Mitarbeiterin der Filiale auf sie zu und bat sie, diese zu verlassen; ohne Ware. Der Grund: Michaela Z. sei eine Mitarbeiterin der konkurrierenden Drogeriekette dm, die gezielt Ware bei Rossmann kaufen wolle, um sie bei dm weiterzuverkaufen. Denn die Rossmann-Filiale in Bedburg-Hau und jene Filiale, in der Michaela Z. arbeitet, trennen nur wenige Kilometer. In einer Facebook-Nachricht machte Z. ihrem Ärger Luft und beschuldigt wiederum die Mitarbeiter der Filiale, sie vor den Augen der anderen Kunden gedemütigt und beleidigt zu haben.

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Hintergrund des Zwischenfalls ist offenbar eine mehrere Monate alte Aufforderung der dm-Geschäftsführung an Mitarbeiter der Drogeriekette, Aktionsware unter anderem bei der Konkurrenz - wie Rossmann - zu kaufen, um sie dann in den eigenen Märkten weiterzuverkaufen. Marketing-Geschäftsführer Christoph Werner bestätigte vor rund zwei Monaten: "Wir stellen unseren Kolleginnen und Kollegen in den dm-Märkten Informationen zur Verfügung, die es ihnen ermöglichen, die günstigste Einkaufsquelle für ihren Markt zu nutzen. Diese Quelle können auch Wettbewerber sein, wenn diese Artikel unseres Sortiments zu einem Preis anbieten, der unter unserem Einkaufspreis beim Hersteller liegt."

Dies warfen die Rossmann-Mitarbeiter offenbar auch Michaela Z. vor, wie sie in ihrer Facebook-Nachricht berichtet. "Ich beabsichtigte viele Produkte aus der aktuellen Werbung zu kaufen. Ohne böse Hintergedanken, nicht um einen weiteren Verkauf damit zu tätigen", schreibt Z., die in dem Post zugibt, Mitarbeiterin von dm zu sein. Auch Produkte der Eigenmarke von Rossmann seien darunter gewesen. Stephan-Thomas Klose, Pressesprecher von Rossmann, sieht das anders. "Frau Z. gehört nachweislich zu dm-Aufkäufern, ist Filialleiterin und wollte zwei randvoll gefüllte Einkaufswagen mit Markenartikeln einkaufen. Eigenmarken von Rossmann waren definitiv nicht darunter." Vielmehr fanden sich nach Aussage Kloses 28 Mal Artikel der Marke "Perwoll", 25 Mal "Odol" und 75 Mal "Guhl".

Der Ankauf sei ihr verwehrt worden, da es sich nicht um "haushaltsübliche Abgabemengen" sondern vielmehr um einen offensichtlichen Ankauf von dm handele, sagt Stephan-Thomas Klose. Auf Facebook schreibt Michaela Z., sie habe die Produkte für sich, ihre Mutter und einige Bekannte in den Niederlanden kaufen wollen. Zudem habe sie ihren Einkauf auf je drei Exemplare pro Produkt reduziert, nachdem sie zunächst darauf aufmerksam gemacht wurde, dass ihr Einkauf eingeschränkt werden müsse.

Die dm-Mitarbeiterin spricht auf Facebook von ihrem "ganz persönlichen Alptraum". Beide Kassen in der Filiale seien voll gewesen und alle Kunden hätten mitbekommen, wie man ihr vorwarf, Wiederverkauf zu betreiben. Auch ein Telefonat beim Rossmann-Kundenservice habe die Situation nicht entspannt. "Statt meine Ware kaufen zu dürfen, wurde ich von den Mitarbeitern beleidigt und verhöhnt", schreibt sie. Ihr sei gesagt worden, sie solle doch bei dm einkaufen. Nachdem sie die Filiale - ohne Ware - verlassen hatte, brach sie nach eigenen Angaben im Auto in Tränen aus. "Ich schämte mich in Grund und Boden, zumal mir im Laden einige Kunden begegnet waren, die ich kenne", schreibt sie.

Rossmann-Pressesprecher Stephan-Thomas Klose schildert den Vorlauf derweil anders. "Auf ein klärendes und erklärendes Gespräch im Büro der Filiale wollte sich Frau Z. nicht einlassen: Sie zog es vielmehr vor, lautstark an der Kasse zu protestieren", sagt er. Von Beleidigungen und Demütigungen könne absolut nicht die Rede sein. "Ich stelle mich vor unsere Mitarbeiter, die absolut korrekt und höflich gehandelt haben. Es gibt Video-Aufzeichnungen und Protokolle von Mitarbeitern, die das belegen", sagt Klose. Inzwischen habe Michaela Z. Anzeige gegen alle Rossmann-Mitarbeiter der Filiale eingereicht.

Sie selbst war für eine Stellungnahme bislang nicht zu erreichen.

(maxk)