Porsche Macan in Marokko

Panorama: Mit dem Porsche Macan in Marokko

Kaum, dass er lang erwartet bei den Händlern steht, bricht Porsches kompakter SUV schon zu seiner ersten Bewährungsprobe auf. In Marokko, Sehnsuchtsland der Literaten, Hippies und Abenteurer, zeigt der neue Kronprinz Macan, das er auch Rallye könnte.

Mit diesem schwarzen marokkanischen Huhn ist nicht zu spaßen. Selbstbewusst schreitet es über die enge, gewundene Dorfstrasse, bleibt in der Mitte stehen und fixiert den Kühlergrill des Macan S. Studiert es die Lamellen? Oder die bis zu den Radhäusern übergreifende Motorhaube? Lauscht es dem sonoren V6-Ton, der dieses fremdartige Wesen begleitet? Oder spielt das Federvieh die Tatsache aus, dass es hier anscheinend Vorfahrt genießt? Unbeeindruckt sucht das Huhn nach einigen Minuten gemächlich pickend seinen Weg zur anderen Straßenseite. Die versammelten Dorfbewohner lächeln versonnen. Dies ist nicht der erste Macan, der in den letzten Tagen in dem einsamen Dorf im Atlas-Gebirge zum Stehen kam. Der Eindringling macht sich vorsichtig aus dem Staub.

Das ist nicht die Welt, für die der Macan erschaffen wurde. Oder vielleicht doch? Porsche machte die Probe aufs Exempel und lud zu einer vielseitigen Tour rund um Marrakesch mit dem kompakten Sportler im Hochsitzformat. Ausgewaschene Pisten mit tief eingekerbten Rillen, schmale Bergpässe, die Schlaglöcher und Felsbrocken vom letzten Steinschlag aufbieten, quirlige Verkehrsadern auf denen alles vom Esel über Moped bis zum Lkw mit Schlagseite unterwegs ist: kurz, die wilde, bunte Mobilität fern der geordneten Bahnen Europas. Statt Golf-Taschen und Weekender für den Kurztripp wird eine gehörige Portion Abenteuer in den Kofferraum des Macan gepackt. Mit bis zu 1.500 Litern Volumen ist dafür wohl Platz genug.

Auf dem Gästeparkplatz des legendären La Mamounia in Marrakesch bilden die straffen, geradezu raffiniert schlichten Formen des jüngsten Porsche-Sprosses natürlich einen starken Kontrast. Das atemberaubend luxuriöse Hotel verdichtet für gut betuchte Touristen den Traum vom Orient zu einer verschwenderischen Fülle an typischen Gärten, Düften, kühlenden Säulengängen, Mosaiken aus Keramikkacheln und dem erfrischenden Geplätscher vieler Brunnen. Hier stiegen Churchill und Roosevelt ab, die Rolling Stones, die Grossen der Modewelt und Hollywoods während sie auf die Fertigstellung ihrer Villen warteten. Marrakesch, die westlichste der berühmten marokkanischen Königsstädte, war immer eine lebhafte, tolerante Handelsmetropole. Und zugleich ein Sehnsuchtsort von Literaten und Künstler, die hier 1001 Nächte für sich entdeckten.

Passiert man die bewachten großen Portale, springt allerdings der Djinn des modernen Marokko aus Aladins Wunderlampe. Auch ein Macan muß warten, bis sich eine Lücke im Verkehr auftut. Seine Parksensoren schlagen heftig aus, weil Gefährte mit zwei und vier Rädern ihm auf die noch weiß schimmernde Metallhaut rücken. Auch der kleine Bruder des Cayenne hat zwar die modernsten Assistenzsysteme an Bord, aber keine für den gelassenen Umgang mit irgendwie geordnetem Chaos.

Marrakesch liegt nur rund 75 Kilometer vom südlichen Ausläufer des Atlas-Gebirges entfernt. Die von Schnee bedeckten Riesen türmen sich am Horizont auf, dort wo der exotische Glamour von Marrakesch selbst nur eine Erinnerung ist. Marokko ist berühmt für seine höfische Architektur, die von der maurischen Baukunst Andalusiens beeinflusst wurde. Doch am bekanntesten sind die Kasbahs, die wie ein Fort befestigten Städtchen und Dörfer. Die Berber haben früh verstanden, wie man die aus rotem Lehm befestigten Ziegel zu erstaunlichen Gebilden fügt. Langsam verliert auch der Macan seinen Hochglanz und nimmt den Staub der Pisten auf. Was Kinder in einem Dorf nicht daran hindert, bei seinem Anblick "Porsche, Porsche" zu rufen.

  • Fotos : Porsche Macan - SUV und Sportwagen

Auf den Strassen Marokkos, ob nun asphaltiert oder nur mehr angedeutet, sollte man in den Entschleunigungsmodus wechseln. Dafür gibt es auf der typisch aufragenden Mittelkonsole - an der sich die Geister immer noch scheiden - keinen Knopf. Die Konstrukteure des geräumigen und unaufgeregten Cockpits haben sich auch hier gegen die Komplettdigitalisierung entschlossen. Fingerzeig statt Menüführung. Man könnte Sport Plus drücken, aber der Untergrund verbietet ein Absenken des Fahrzeugs und höhere Geschwindigkeiten. Und der Offroad-Modus wäre hier übertrieben, wenn nicht gar peinlich. Schließlich teilt man sich die Buckelpisten und spannenden Passstraßen mit geradezu historischen Renault 4 und Peugeots, die an den einst starken französischen Einfluss erinnern sowie wackligen, japanischen Kleintransportern, die unter ihrer optimistischen Ladung ächzen.

Der Allradantrieb, der seine elektronisch gesteuerten Kräfte so verteilen kann, dass bei einem Überholspurt eindeutig die Heckachse das Sagen hat, ist den Situationen dieser Tour durchaus gewachsen. Wie auch seine Stahlfedern. Die 460 Nm Drehmoment und die 250 kW/340 PS des eigens entwickelten Drei-Liter-Turbobenziners müssen hingegen in Marokko mitunter im Standby-Modus verharren. Hier mag er seine Sportwagen-Eigenschaften nicht ausleben können, aber man ahnt schon, dass seine kompakte Attraktivität ihn zum nächsten Bestseller der Marke machen dürfte.

Auch der Kontinent Afrika, der sich südlich der marokkanischen Sahara erstreckt, zählt zu den Rentnerparadiesen der deutschen Oberklasse. Wer sich mal gefragt hat, wo die vielen betagten 190D von Mercedes-Benz abgeblieben sind: sie leben hier als lachsrosa angestrichene Taxis weiter. Und konkurrieren mit den frischen Dacia Logans um Fahrgäste.

Selbst in diesem kleinen Ausschnitt Marokkos ist die Landschaft faszinierend vielfältig. Am Macan zieht eine wüstenähnliche Karstlandschaft vorbei, dann erinnert eine Festung, die vor Zypressen und Olivenbäumen auf einem Hügel thront an die Toskana im Spätsommer oder sogar an die Provence. Das landwirtschaftliche Grün der bewässerten Terrassen wechselt sich ab mit schroffen roten Felsen wie man sie aus dem Südwesten der USA kennt. Immer wieder entdeckt man auf den Feldern mit Schafen und Ziegen kleine zu Türmen aufgehäufte Steine - so markieren Berber ihren Grund und Boden. Frappierend sind die Leitungsmasten, die noch bis ins fernste Dorf reichen. König Mohammed VI gewährte nach dem Arabischen Frühling seinen Untertanen nicht nur eine neue, bürgerfreundlichere Verfassung, er befahl auch die Elektrifizierung seines friedlichen Reichs.

In dem Buch "Wind, Sand und Sterne" feierte einst ein französischer Pilot die Schönheiten dieses Landes. Doch weltberühmt wurde Antoine de Sainte-Exupéry mit seiner Erzählung vom kleinen Prinzen, der auf einem fremden Planeten landet und nach Freunden sucht. Nein, der Macan kann viel, aber mit dem "Herzen sehen" lernt er so schnell noch nicht. Aber er kann wie der kleine literarische Neuankömmling neugierig unbekannte Landschaften meistern und dabei wirken, als wäre das seine eigentliche Bestimmung

Hier geht es zur Bilderstrecke: Mit dem Porsche Macan durch Marokko

(SP-X )