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Borussia Mönchengladbach: Reiner Körfer wünscht sich zum 75. einen Sieg

Borussia Mönchengladbach : Körfer wünscht sich zum 75. einen Sieg

Borussias Aufsichtsratsvorsitzender hat heute Geburtstag. Er steht seit fünf Jahren dem Gremium vor, dem er seit 2006 angehört. Meist lief es gut für Gladbach während seiner Amtszeit. Körfer ist optimistisch, dass die aktuelle Situation wieder ins Reine kommt.

Reiner Körfer war früher Stürmer. Ein klassischer Mittelstürmer sogar, einer, der sich im Strafraum in jeden Ball reinwirft, der angeflogen kommt. Ein Spielertyp also, den Borussia am Samstag in Darmstadt beim ersten Pflichtspiel des neuen Jahres vielleicht gut gebrauchen könnte. Schließlich wird dort am Böllenfalltor recht robust gespielt, da kann ein bisschen Strafraum-Präsenz nicht schaden. Körfer indes will sich auf einen solchen Gedankengang nicht einlassen.

Natürlich wird er in Darmstadt sein und sich das Spiel anschauen, und natürlich will er die Borussen siegen sehen, zumal das ein perfektes nachträgliches Geschenk zu seinem heutigen 75. Geburtstag wäre. Doch derlei Gedanken hat nur der Fan Körfer. Der andere Körfer muss, das ist sein Selbstverständnis, viel gelassener sein - als Vorsitzender des Aufsichtsrates der Borussen. Körfer, der den Posten seit 2012, einer halben Dekade also (zuvor war er schon sechs Jahre lang Mitglied des Aufsichtsrates), bekleidet, versteht sich und das Gremium nicht als Lautsprecher-Einrichtung und schön gar nicht als öffentliche Showbühne. "Wir sind präsent, aber nur intern", hat er den Job vor zwei Jahren beschrieben. So versteht er ihn auch heute noch. "Wir sind stolz darauf, dass man uns öffentlich nicht hört", sagt er.

Leise zu sein bedeutet für Körfer, der im Leben jenseits des Fußballs habilitierter Herzchirurg ist, aber nicht, ein Abnicker-Gremium zu sein. Die aktuelle Situation macht ihm sicherlich Sorgen, doch ist er "optimistisch", dass mit dem neuen Trainer Dieter Hecking die Sache wieder ins Reine kommt. "Allerdings sind die beiden ersten Spiele richtungweisend, erst das in Darmstadt, dann das in Leverkusen. Dass es auswärts nicht so läuft, ist für einen wie Körfer etwas seltsam. Denn er ist in den 70ern mit Borussias flottem Konterspiel groß geworden, das die Gladbacher gerade in der Fremde regelrecht zelebrierten.

Überhaupt die Vergangenheit. Körfer, der seinen 75. Geburtstag mit seiner Frau Friederike in Paris verbringt und sich dort den Lohengrin anschaut ("Meine Heimat Kleve ist ja die Lohengrin-Stadt"), überlegt hin und her, als er gefragt wird, was denn für ihn die beste Borussen-Mannschaft sei. Kleff im Tor, ja. Natürlich Vogts als Verteidiger. Und Netzer, Wimmer im Mittelfeld. Vorn Heynckes, Laumen ... "Viele aus den 70ern sind dabei" - um dann den Versuch zu den Akten zu legen. "Es gibt so viele gute Spieler in der Vereinsgeschichte, da würde ich vielen Unrecht tun, wenn ich sie jetzt nicht nenne", sagt er.

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Als Herzspezialist soll er definieren, was das Herzstück des Vereins sei. "Borussia soll ein Klub sein, der ein ruhiges Bild in der Öffentlichkeit abgibt und für guten Fußball steht - das muss immer das Ziel sein", sagt Körfer. Dass es während der etwas mehr als 116 Jahre Vereinsgeschichte auch Zeiten gab, in denen es nicht so war, "das ist Fußball".

Während der fünf Jahre seiner Amtszeit trifft das Ideal, das sich Körfer wünscht für "uns", wie er sagt, wenn er über Borussia spricht, meist zu. Als er im Mai 2012 die Nachfolge von Hermann Jansen antrat, waren die Gladbacher gerade zum ersten Mal seit 16 Jahren in den Europapokal eingezogen, seither gelang das noch dreimal: Zweimal spielte Borussia in der Champions League, zweimal in der Europa League. In der geht es nun auch 2017 weiter, zunächst in Florenz. "Darauf freue ich mich sehr. Und ich hoffe, dass wir uns alle auch künftig über Reisen durch Europa freuen können", sagt er. "Da spricht aber der Fan", schiebt er nach. Denn als Aufsichtsratsvorsitzender wäre das als klare Ansage an das Team zu deuten. Und gerade jetzt, da Borussia eher im Abstiegskampf ist, würde das doch etwas fordernd klingen. Dass er sich aber zum 75. Geburtstag einen Sieg wünscht in Darmstadt, das ist legitim. Auch ein Aufsichtsratsvorsitzender darf Wünsche haben.

(kk)