Untersuchung zur Finanzkrise gestartet: Schwere Vorwürfe gegen Anastasiades

Untersuchung zur Finanzkrise gestartet : Schwere Vorwürfe gegen Anastasiades

Zyperns Präsident Nikos Anastasiades will Vorwürfe entkräften, seine Familie habe aufgrund von Insider-Informationen vor einer Einfrierung der Bankgeschäfte in Zypern Geld außer Landes geschafft.

Anastasiades rief eine am Dienstag eingesetzte Untersuchungskommission zur Banken- und Haushaltskrise des pleitebedrohten Landes auf, sich selbst und seine Familie "mit Vorrang" und "besonderer Strenge" zu prüfen. Die Ermittlungen sollen auch eine Anwaltskanzlei umfassen, in der Anastasiades bis vor Kurzem arbeitete.

Die aus drei Richtern gebildete Untersuchungskommission soll die Banken- und Haushaltskrise des Inselstaates aufarbeiten. "Die aktuelle schlechte Lage der Wirtschaft und unserer Bevölkerung ist ohne Zweifel die Folge des Zusammenspiels von internen und externen Faktoren", sagte Anastasiades bei der Vereidigung der Ermittler. Die Kommission soll unter anderem Medienberichte prüfen, wonach Politiker, deren Angehörige und ihnen nahestehende Firmen Kredite nicht an zyprische Banken zurückzahlen mussten.

Zudem geht es um Vorwürfe, dass kurz vor Abschluss der Verhandlungen über ein internationales Hilfsprogramm für Zypern große Geldmengen von zyprischen Banken abgezogen wurden, bevor der Geldverkehr eingefroren und reiche Konteninhaber mit einer Zwangsabgabe belegt wurden. Solche unbelegten Vorwürfe wurden auch gegen die Familie von Anastasiades erhoben, die von Insider-Informationen profitiert haben soll. Die Untersuchungskommission soll die Ergebnisse ihrer Arbeit in drei Monaten vorlegen.

Zypern hatte unter dem Druck der Europäischen Union, der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) im Gegenzug für zugesagte Milliardenkredite die Umstrukturierung des Bankensektors angekündigt und eine umstrittene Bankenabgabe verfügt.

(AFP/jre)
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