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SEK-Polizisten randalieren in Köln nach ihrem Rauswurf

Eklat in Köln : SEK-Polizisten sollen nach Rauswurf randaliert haben

Weil ein Aufnahmeritual bei einer Spezialeinheit aus dem Ruder gelaufen ist, löst der Polizeipräsident das SEK auf. Einem Medienbericht nach zerlegen die geschassten Polizisten daraufhin ihre Dienststelle.

Möglicherweise kommen auf die Beamten jetzt neue Ermittlungen zu. Aus Wut über die Auflösung ihrer Einheit sollen sie nach einem Bericht der "Bild" stark alkoholisiert in ihrer Dienststelle ausgerastet sein und ihren Aufenthaltsraum mit einer Kettensäge in seinen "Urzustand" zurückversetzt haben. Zudem sollen sie mit einem Motorrad über den Flur gefahren sein. Kommentar eines Polizeisprechers: "Wir ermitteln."

Vor knapp drei Monaten deckten Recherchen unter anderem unserer Redaktion auf, dass Anwärter eines Kölner SEK bei einem Aufnahmeritual misshandelt und danach zum Teil gemobbt worden sein sollen. Ermittlungen der Aachener Staatsanwaltschaft und ein Bericht von NRW-Innenminster Ralf Jäger (SPD) lieferten kürzlich weitere Details. Während die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen einstellte, wird polizeiintern immer noch im Rahmen eines Disziplinarverfahrens gegen die Beteiligten ermittelt.

Unter anderem mussten die Anwärter Knoblauch-Chili-Eis aus dem Schritt eines Kollegen schlecken, wobei sich einer von ihnen übergab. Ferner wurde ihnen den Berichten zufolge unter aufgesetzten Tauchermasken Alkohol eingeflößt. Neben anderen erniedrigenden Vorgängen sollen sie auch mehrfach gefesselt worden sein.

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Das Kölner Polizeipräsidium verfügt über drei SEKs. Für die betroffene Elite-Einheit hat Albers unmittelbar nach den Medienberichten eine Einsatzsperre verhängt. Einer der Teilnehmer musste inzwischen seine Ausbildung zum gehobenen Dienst abbrechen. Innenminister Jäger sucht mit einer Sonderkommission noch immer nach Parallelfällen in NRW - bislang ohne Ergebnis. Öffentlich bezeichneten Jäger und Albers die Vorgänge in Köln als "inakzeptabel".

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hält Albers' Vorgehen für überzogen. NRW-Chef Arnold Plickert sagte gestern: "Die Auflösung der SEK-Einheit in Köln ist eine Vorverurteilung der betroffenen Beamten. Dafür habe ich kein Verständnis." Die Unabhängigkeit des noch laufenden Disziplinarverfahrens sei nun nicht mehr gewährleistet. Arnold Plickert vermutet, das Innenministerium habe Druck auf Albers ausgeübt.

Ein Sprecher des Innenministeriums bestreitet das. Die Entscheidung zur Auflösung des SEKs habe Albers "eigenständig, wenn auch in Absprache mit dem Innenministerium" vorgenommen. Nach Informationen unserer Redaktion traf Albers sich am Montag in Düsseldorf zu einem Vier-Augen-Gespräch mit dem für Polizeiangelegenheiten zuständigen Ministerialdirigenten Wolfgang Düren.

Noch offen ist der Ausgang der Hubschrauber-Affäre im Polizeipräsidium Köln: Wie berichtet, haben Führungskräfte der Kölner Spezialeinheiten (SE), denen auch die drei Kölner SEK unterstehen, ein privates Hubschrauber-Foto auf einem 80 Meter hohen Pfeiler der Kölner Severinsbrücke als Höhenübung getarnt. In diesem Fall wird noch ermittelt. Insider gehen wegen dieses Vorgangs davon aus, dass Albers in Kürze weitere personelle Veränderungen im Polizeipräsidium Köln vornehmen wird.

Hier geht es zur Infostrecke: So arbeitet ein Spezialeinsatzkommando (SEK)

(RP)