Frankreich: Sarkozy plant Schlag gegen Hooligans

Frankreich: Sarkozy plant Schlag gegen Hooligans

Paris (RPO). In Paris sorgen derzeit ausschließlich Hooligans für Schlagzeilen. Hauptstadtklub St. Germain ist in der Versenkung verschwunden. Nachdem bei Randale am vergangenen Wochenende ein Mann schwer verletzt wurde, hat sich nun sogar Frankreichs Präsident eingeschaltet: Nicolas Sarkozy will ab sofort knallhart durchgreifen.

"Ich werde mit Innenminister Brice Hortefoux dafür sorgen, dass diese Schläger aus unseren Stadien verschwinden", sagte der bekennende PSG-Fan: "Ich gehe schon lange Zeit zu PSG und auch länger als diese Schläger, die für diese Szenen verantwortlich waren."

In Ermangelung gegnerischer Anhänger waren rivalisierende Fangruppen des Tabellenzwölften am vergangenen Wochenende nach der 0:3-Heimniederlage gegen Olympique Marseille im Prinzenpark-Stadion aufeinander losgegangen. Ein Schwerverletzter im künstlichen Koma und Dutzende Verhaftungen waren das Ergebnis. Fans aus Marseille waren erst gar nicht angereist: Aus Protest gegen die drastischen Sicherheitsvorkehrungen hatten sie das Spiel boykottiert.

Insgesamt 16 Fans wurden mittlerweile verhaftet und mit sofortigen Stadionverboten belegt. Ein Anhänger wurde bereits zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt, die anderen Verfahren laufen noch.

Selbst PSG-Spieler fürchten sich mittlerweile vor den eigenen Fans. "Ich würde derzeit nicht meine Kinder mit ins Stadion nehmen", sagt Gregory Coupet. Der verletzte ehemalige Nationaltorhüter sorgt sich um das Image des Traditionsvereins. "Der Verein leidet immer unter so etwas. Man spricht nicht über Sport und PSG, sondern über Banden und Gewalt."

Der Klub hat mit drastischen Maßnahmen reagiert. Den eigenen Fans wird PSG vorerst keine Tickets mehr für Auswärtsspiele verkaufen. Von der französischen Fußball-Liga LFP wurde der frühere Europapokalsieger am Mittwoch bereits bestraft. Sein Heimspiel gegen US Boulogne am 28. März muss der Klub unter Ausschluss der Öffentlichkeit austragen. PSG-Präsident Robin Leproux hat angekündigt, keinen Einspruch gegen die Strafe einzulegen.

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"Es ist besser, wenn die Zuschauerränge leer sind, als wenn sie mit solchen Leuten gefüllt sind", hatte Sarkozy zu dieser Entscheidung gesagt: "Es ist traurig. Wir haben die inakzeptable Situation erreicht, dass Familien nicht mehr ins Stadion kommen können, um ihren Verein zu unterstützen."

In der französischen Liga steht PSG aber mit dem Gewaltproblem nicht alleine da. An den ersten 19 Spieltagen der Ligue 1 wurden 36, 3 Prozent mehr Straftaten von Fußballfans verzeichnet als im Vorjahreszeitraum. Auch fast 5.000 zusätzlich eingesetzte Polizisten konnten den Anstieg der Gewalt nicht verhindern.

Für Rama Yade, französische Staatssekretärin für Sport, ist die mögliche Auflösung der Fanvereinigungen "eine Lösung". Bis dahin will der Staat die Möglichkeiten eines neuen Gesetzes ausschöpfen. Demnach können Verstöße gegen Stadionverbote mit Gefängnis bestraft werden.

Bis jetzt zeigen sich die Pariser Hooligans von allen Maßnahmen unbeeindruckt. Am Donnerstag wurden zwei Anhänger verhaftet, nachdem sie vor dem Büro des PSG-Hauptaktionärs Colony Capital Feuerwerkskörper gezündet hatten.

(SID/born)