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Frank Ulrich Montgomery wirft Krankenkassen Drückermethoden vor

Erkrankungen falsch eingeordnet : Ärztepräsident wirft Krankenkassen Drückermethoden vor

Der Präsident der Bundesärztekammer, Frank Ulrich Montgomery, hat den Krankenkassen Drückermethoden vorgeworfen, damit Ärzte ihre Patienten kränker darstellen.

"Die Krankenkassen nötigen die Ärzte dazu, die Diagnosen nach oben anzupassen", sagte er den Zeitungen der Essener Funke Mediengruppe (Dienstagsausgaben). Darauf sei immer wieder hingewiesen worden. "Die Kassen setzen Call-Center und Drückerkolonnen ein", erklärte Montgomery. Das ist reine Verschwendung von Beitragsmittel und Betrug am Patienten."

Nach Angaben des Ärztepräsidenten sind diese Methoden dem Gesetzgeber schon lange bekannt. "Offensichtlich wird von den Landesaufsichtsbehörden nicht hinreichend kontrolliert", sagte Montgomery. Er nannte es zugleich "unerhört, dass diejenigen, die Ärzten immer wieder Korruption vorwerfen, sich selbst korrupt verhalten". Er glaube nicht, dass sich viele Ärzte an der Schummelei beteiligten.

Der Chef der Techniker Krankenkasse (TK), Jens Baas, hatte in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" erklärt, dass Krankenkassen bei der Abrechnung von Leistungen täuschen, um mehr Geld aus dem Risikostrukturausgleich zu erhalten.

In der Branche wurden die Aussagen des TK-Chefs mit Verwunderung aufgenommen. So wies ein Sprecher der Krankenkasse DAK-Gesundheit in den Funke-Zeitungen Baas' Einschätzungen "entschieden zurück". Auch ein Sprecher der IKK-Classic schloss für seine Kasse das sogenannte "Upcoding" — die verfälschende Einordnung einer Erkrankung — aus.

Die Barmer GEK wies ebenso die Vorwürfe zurück. Man gehöre nicht zu den Krankenkassen, die Ärzte dazu verleiten, "Patienten kränker zu diagnostizieren, als sie wirklich sind", sagte ein Sprecher.