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Hansetag 2022 in Neuss: Stadt gehen viele Sponsoren von Bord

Erschwerte Planungen für Neusser Großevent 2022 : Hansetag-Sponsoren gehen von Bord

Neuss Marketing plant das internationale Event für Mai 2022 so, als könnte alles stattfinden. Aber die Liste der Unwägbarkeiten und Probleme ist lang. Die finale Entscheidung über den Hansetag steht noch aus.

Der Hansetag Ende Mai soll das Event schlechthin des kommenden Jahres werden. Doch er wird für die Stadt schon jetzt teurer als geplant. Dem Haupt- und Sicherheitsausschuss, der am Freitag in Vertretung des Rates tagt, liegt neben einem Programm für dieses internationale Volksfest auch ein Finanzkonzept zum Beschluss vor. Das weist Gesamtkosten von fast 1,6 Millionen Euro aus, von denen ein deutlich größerer Anteil aus der Stadtkasse zu finanzieren ist.

Denn viele Sponsoren sind von Bord gegangen oder haben ihr Engagement deutlich reduziert. 110.000 Euro hofft Jürgen Sturm als Leiter des „Hansebüros“ wie auch als Chef einer neu zu gründenden „Stadt Neuss Event GmbH“ über diesen Weg noch einzunehmen. Erhoffte weitere 100.000 Euro dagegen sind schon futsch. Sollten sich noch Unternehmen finden, die den Hansetag mit seinen Gästen aus 16 europäischen Ländern als Werbeplattform für sich entdecken, würde Sturm deren Geld „in Qualität investieren“. Die Etat-Obergrenze, die die Politik jetzt beschließt, glaubt er nicht mehr anheben zu müssen.

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Aber die Zurückhaltung der Geldgeber ist nicht die einzige Unwägbarkeit, die sich aus der Corona-Pandemie ergibt und mit denen das gerade etablierte „Hansebüro“ als Schaltstelle für die Organisation umgehen muss. Nein, die Liste ist sogar recht lang.

So weiß man bei Neuss Marketing – als städtische Tochtergesellschaft federführend – nicht, welche Künstleragenturen oder Dienstleister aus der Veranstaltungsbranche die Pandemie wirtschaftlich überstehen und in der Lage sind, ein Angebot abzugeben. „Es hat sich allgemein eine große Passivität breit gemacht“, sagt Sturm. Eventuell müssten mehr Leistungen rund um das Fest in Eigenregie erbracht werden. Auch steigende Preise schließt Sturm nicht aus – zum Beispiel weil Insolvenzen oder aber viele (nachgeholte) Veranstaltungen im Umland das Angebot an Dienstleistungen verknappen.

Im Moment plant das Hansebüro so, als würde der Hansetag stattfinden wie geplant. „Wir können jetzt nicht mehr abwarten, denn die Zeit holen wir nicht mehr auf“, sagt Sturm. Aber die eigentliche Stunde der Entscheidung schlägt Ende November. Dann sind – je nach Pandemielage – unterschiedliche Optionen denkbar: Ein rein virtueller Hansetag, wie er gerade von Riga als Gastgeberstadt 2021 organisiert wird, oder – falls ausländische Gäste nicht einreisen dürfen – eine Hybridveranstaltung mit deutschem Publikum und zugeschalteten Gästen. Auch am Programm kann sich bis November noch etwas ändern. Alle Künstlerverträge, wie die mit den für einen „Rheinischen Abend“ schon engagierten Bands Höhner und Brings, beinhalten eine Ausstiegsklausel. Sollte bis dahin klar sein, dass es zum Hansetag noch Beschränkungen bei der Zuschauerzahl gibt, könnte das ein Grund für Absagen sein. „Bevor die Höhner vor nur 300 Zuschauern spielen...“, sagt Sturm.

Selbst dass an diesem Wochenende das Stadtfest „Neuss blüht auf“ ausfällt, erschwert die Hansetags-Vorbereitung. „Wir wären dann sicher mit einem Stand dabei“, sagt Sturm, der immer schwerer abschätzen kann, wie viele Merchandise-Artikel er zum Bewerben des Festes anschafft und ab wann man damit an die Öffentlichkeit geht. Gedacht haben sich Richard Palermo und Lena Wittig vom Hansebüro auch, dass das Hansefest im September ein guter Zeitpunkt wäre, um die rund 300 benötigten Freiwilligen zu rekrutieren. Sollte auch im September wieder nur ein Rumpfprogramm mit einigen Infoständen möglich sein, müsste eine neue Strategie her.

„Der Erfolg des Hansetages hängt auch davon ab, dass alle motiviert mitmachen“, sagt Sturm. Vielleicht biete die Corona-Pandemie in dieser Hinsicht bei all den Unwägbarkeiten auch eine Chance – weil alle nach der hoffentlich überstanden Pandemie wieder Lust auf Feiern haben.