Zwei von drei Einzelhändlern sind nicht online

E-commerce : Online-Geschäft ein großes Problem für kleine Händler

Zwei von drei Handelsunternehmen nutzen das Internet nicht als Vertriebsweg. Die Gründe sind vielfältig.

Das Online-Geschäft steht zwar mittlerweile für mehr als 40 Prozent des Umsatzwachstums im deutschen Einzelhandel, aber diese Entwicklung geht an großen Teilen der Branche vorbei. In einer Umfrage des Handelsverbandes Deutschland unter 850 Mitgliedsunternehmen haben 65 Prozent der Befragten eingeräumt, dass sie das Internet überhaupt nicht als Vertriebsweg nutzen.

Das trifft vor allem kleine und mittelständische Unternehmen  – beispielsweise Lebensmittelhändler, denen der logistische Aufwand  bei Frischeprodukten zu groß ist, oder Juweliere, die den Verkauf über das Internet aus Sicherheitsgründen meiden. Entsprechend düster malen die kleinen Händler ihre Zukunft. Unternehmen mit maximal zehn Beschäftigten erwarten laut HDE im Durchschnitt  zehn bis 13 Prozent Umsatzrückgang, während die größeren Anbieter mit teils deutlichen Erlössteigerungen (bis zu 33 Prozent) rechnen.

Dabei sollte jedem klar sein, dass es für viele Unternehmen ohne  das Netz als Vertriebsschiene kaum eine Zukunft. „Wer heutzutage nicht im Internet vertreten ist, der existiert für viele Kunden gar nicht mehr“, sagt HDE-Hauptgeschäftsführer Stephan Genth. Deshalb sollten jene, die sich aus Kostengründen keinen eigenen Web-Auftritt gönnen wollen, zumindest Plattformen im Netz nutzen, um ihre Waren auch außerhalb des eigenen Ladenlokals absetzen zu können. Stattdessen haben aber viele Probleme, die Anforderungen der Digitalisierung überhaupt zu meistern. Das liege unter anderem an den Regelungen zum Datenschutz. Diese Regelungen seien vielfach zu kompliziert, so Genth. Seine Forderung: „Das muss die EU-Kommission praxisnah gestalten.“

Wie sehr das Online-Geschäft den Handel der Zukunft bestimmen wird, zeigen unter anderem die aktuellen Wachstumszahlen. Der stationäre Handel wächst in diesem Jahr den Prognosen des HDE zufolge um 1,3 Prozent auf rund 480 Milliarden Euro, das Online-Geschäft um mehr als acht Prozent auf 53,7 Milliarden Euro.  Das heißt: Die Verkäufe im Internet machen bereits mehr als zehn Prozent der Gesamterlöse aus. Und während in den Ladenlokalen von der Umsatzsteigerung real nichts übrig bleibt, reicht es online immerhin noch für ein reales Plus von sieben Prozent.

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