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Zuspitzung der Lage: Fallende Milchpreise setzen Landwirten zu

Zuspitzung der Lage : Fallende Milchpreise setzen Landwirten zu

Die fallenden Milchpreise bereiten den deutschen Milchbauern Kopfzerbrechen. Zu Beginn der Grünen Woche in Berlin forderte der Vize-Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Udo Folgart, die Bundesregierung am Donnerstag auf, Milchbauern stärker zu unterstützen.

Die Landwirte müssten sich besser gegen Schwankungen des Milchpreises absichern können. Zudem solle die Politik der Molkereiwirtschaft leichteren Zugang zu Märkten außerhalb der EU ermöglichen. Die Marktpreise für Milchprodukte haben sich im vergangenen Jahr fast halbiert. Für viele Milchbauern ist die Situation nach Ansicht des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM) "sehr ernst".

Landwirte würden für ihre Milch derzeit vielerorts weniger als 30 Cent pro Liter erhalten. Grund dafür seien die weltweit "deutlich" gestiegenen Milchmengen bei zeitgleich zurückgehender Nachfrage. Alleine in der EU sind laut BDM 2014 zusätzlich sieben Millionen Tonnen mehr produziert worden als 2013. In den nächsten Monaten rechnet der BDM mit einer weiteren Zuspitzung der Lage.

Der Wegfall der Milchpreisquote in der EU Ende März 2015 wird sich nach Meinung der Verbände aber wohl kaum negativ auf die Preise auswirken. "Die Milchquote war nicht das geeignete Instrument zur Schaffung eines stabilen Milchmarktes", erklärte Folgart. Auch BDM-Sprecher Hans Foldenauer äußerte sich auf AFP-Nachfrage ähnlich: Die Quote habe nicht das gebracht, was sich die europäischen Milchbauern einst "erhofft" hätten.

Die EU schreibt seit 1984 vor, wie viel Milch ein Landwirt höchstens produzieren darf. Die Quote wurde damals nach jahrelangen Milchüberschüssen eingeführt und sollte auch den Milchpreis stabilisieren. Ab April dieses Jahres dürfen Landwirte in der EU nun so viel Milch produzieren, wie sie wollen.

Die Milchbranche müsse sich den Wegfall der Quote zum Anlass nehmen, um gemeinsam zu überlegen, wie sie sich "im globalen Wettbewerb absichern" könne, sagte Foldenauer vom BDM. Der Bauernverband forderte die Regierung auf, den Landwirten zum Beispiel "steuerfreie Schwankungsrücklagen" zu ermöglichen, von denen sie in Zeiten niedriger Milchpreise zehren könnten.

(AFP)