Frankfurt/M.: Zinstief kostet Sparer im Durchschnitt 68 Euro im Jahr

Frankfurt/M. : Zinstief kostet Sparer im Durchschnitt 68 Euro im Jahr

Es wird für die Deutschen immer teurer, bei der Geldanlage auf Nummer sicher zu gehen. Allein im vergangenen Jahr verlor jeder Bürger in Deutschland 67,60 Euro. Das geht aus den neuesten Ergebnissen einer Studie der Allianz hervor. Darin hat der Versicherungskonzern die Zinssätze 2013 mit den Durchschnittszinsen der Jahre 2003 bis 2008 verglichen. Die Zinsen auf der Einlagenseite wurden denen auf der Kreditseite gegenübergestellt.

Der Zinsverlust habe sich 2013 fast verdoppelt, sagte Allianz-Ökonom Arne Holzhausen. 2012 hatte das Minus nach seinen Berechnungen noch bei 34,20 gelegen. Während die Einlagenzinsen stark gesunken sind, bleiben die Zinsen für Baukredite fast stabil. Dieser Effekt werde im ersten Quartal noch verstärkt. Deshalb rechnet Holzhausen für diesen Zeitraum sogar mit einem Pro-Kopf-Verlust von 71,60 Euro im Jahr.

Das aber hält viele Sparer nicht davon ab, ihr Geld doch auf niedrig oder sogar unverzinsten Tagesgeld- und Sparkonten anzulegen. Nach Berechnungen der Bundesbank lag der durchschnittliche Zinssatz für Mai bei 0,36 Prozent. Die Inflationsrate aber betrug 0,9 Prozent. Die Sparer verlieren also real Geld. Trotzdem horteten die Deutschen Ende Mai 964 Milliarden Euro auf solchen Konten, rund 83 Milliarden Euro mehr als im Mai 2013.

Vier von fünf Euro seien noch "zinslastig" angelegt, hat die Fondsgesellschaft Union Investment festgestellt. Der Wohlstand der Deutschen sei gefährdet, meint dazu Jens Wilhelm, Vorstand der Fondsgesellschaft. Die Deutschen sparen, aber sie bilden kein Vermögen. Und trotzdem sähen fast 70 Prozent keinen Anlass, ihre Geldanlagestrategie zu überdenken.

Seit 2008 seien die Deutschen insgesamt im Schnitt um fünf Prozent reicher geworden, stellt dagegen das Statistische Bundesamt fest. Das liegt wohl an den Aktienbeständen. An denen sind die meisten Anleger in Deutschland zwar kaum interessiert. Aber die Rentner reißen es raus: Die Gruppe der Pensionäre, die mehr als ein Drittel ihrer Vermögen in Wertpapieren angelegt haben, steigerten in den vergangenen fünf Jahren ihr durchschnittliches Geldvermögen um 20 Prozent.

(bsc)
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