Zehn Jahre Riester-Rente

Zehn Jahre Riester-Rente

Düsseldorf/Berlin Zehn Jahre nach Einführung der sogenannten Riester-Rente zeigen sich laut einer gestern vorgestellten Untersuchung drei Trends: Viele der Ende dieses Jahres erwarteten 15 Millionen Verträge kamen vorrangig zustande, weil viele Mittelschichtfamilien eine gute Gelegenheit sehen, staatliche Förderung oder Steuervorteile einzukassieren - doch gespart hätten sie wahrscheinlich auch so.

Gerade die Altersvorsorge von Müttern hat sich durch die Riester-Rente deutlich verbessert. Denn die Förderung von Müttern ohne eigenes Einkommen liegt ja besonders hoch, da es für Kinder eine Extra-Zulage gibt. Als große Schwäche der Riester-Rente nehmen Menschen mit sehr niedrigen Einkommen und einem nur niedrigen Schulabschluss das Angebot der geförderten Rente weit unterdurchschnittlich an. "Wir haben in der Mittelschicht relativ große Mitnahmeeffekte", sagt Bernd Katzenstein, Sprecher des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA), das die Studie veröffentlichte, "und wir fördern die wirklich bedürftigen Menschen leider zu wenig."

Im Detail zeigt die Untersuchung ein differenziertes Bild: Immerhin jeder vierte Bürger zwischen 30 und 50 Jahren "riestert", wogegen die Jüngeren und die Älteren nur halb so oft einen Riester-Vertrag unterschreiben. "Bei älteren Bürgern sind die Einschnitte bei den Renten noch nicht so deutlich," erklärt Katzenstein im Gespräch mit unserer Zeitung, "wogegen die ganz Jungen sich noch orientieren müssen."

Fast 40 Prozent der Familien mit einem Kind unter 16 Jahren haben einen Riester-Vertrag. Unter gut situierten Bürgern mit einer einer hohen finanziellen Zufriedenheit sind es 31 Prozent, wogegen nur elf Prozent der schlecht informierten Bürger einen Vertrag haben.

Insgesamt haben Haushalte mit Nettoeinkommen von monatlich unter 2000 Euro nur zu rund 17 Prozent einen Vertrag, wogegen Haushalte mit mehr als 2500 Euro im Monat auf fast 25 Prozent geförderter Verträge kommen. "Je besser die Leute verdienen" sagt Katzenstein, "umso mehr zählt für sie auch der Steuervorteil. Riestern kann man darum als Steuerschlupfloch der kleinen Leute interpretieren."

Geht es nach dem DIA, das der Deutschen Bank nahesteht, sollte der Staat mehr Werbung für Riester-Verträge machen. So sollten Standesbeamte bei heiratswilligen Paaren für eine Unterschrift werben.

(RP)
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